Rückblick auf Fast-Katastrophe  Ein „ordentlicher Schuss vor den Bug“

| | 12.08.2023 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auf ihrem Weg nach Eemshaven passierte die havarierte „Freemantle Highway“ auch die Borkumer Küste. Foto: Ferber
Auf ihrem Weg nach Eemshaven passierte die havarierte „Freemantle Highway“ auch die Borkumer Küste. Foto: Ferber
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Bei der Bürgerinformation am Mittwochabend ist Verwaltungschef Jürgen Akkermann auch auf den havarierten Autofrachter „Fremantle Highway“ eingegangen. Weiteres (Dauer-)Thema: fehlender Wohnraum.

Borkum - Aus aktuellem Anlass hat Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) bei der jüngsten Bürgerinformation im Feuerwehrhaus auch den havarierten Autofrachter „Freemantle Highway“ angesprochen. Der Rathauschef erläuterte, welche Zuständigkeiten und Mechanismen bei einem „komplexen Schadstoffunfall“, sprich einem Untergang des Schiffs, gegriffen hätten. Die Einsatzleitung hätte beim Havarie-Kommando (inklusive Hoheit über Schiffe und Ressourcen) gelegen, in den betroffenen Landkreisen wären Einsatzstäbe gebildet worden. Man sei auf der Insel insgesamt gut vorbereitet gewesen, so Akkermanns Fazit.

Das Thema trieb auch einen Zuhörer im Publikum um. Er wolle die Verwaltungsspitze dafür sensibilisieren, sich Gedanken zu machen, wie man das Thema Elektro-Autos auf der Borkum-Fähre thematisiert. Jürgen Akkermann entgegnete, dass die AG Ems dafür sorgen müsse, „dass solche Autobrände sehr schnell kontrolliert werden, bevor es durchzündet“. Generell, so Akkermann, hoffe er, dass der „ordentliche Schuss vor den Bug“ etwas ausgelöst habe und man nach den Vorkommnissen rund um die „Fremantle Highway“ nicht zur Tagesordnung übergehe. Denn: „Das kann beim nächsten Mal ganz anders ausgehen.“

Das Abschleppen des Autofrachters verfolgten viele Schaulustige auf der Insel. Foto: Ferber
Das Abschleppen des Autofrachters verfolgten viele Schaulustige auf der Insel. Foto: Ferber

Wohnraumsituation

Auch das Dauerthema Wohnraum ließ Bürgermeister Akkermann in seinen Ausführungen nicht aus. Hier sollte unter anderem das Haus in der Kirchstraße 2a Abhilfe schaffen. Man habe seinerzeit beschlossen, mit der Renovierung der zwei vorhandenen Wohnungen, die nicht bewohnbar sind, zu warten, weil man zeitnah das neue Dach und die Aufstockung draufsetzen wollte. „Im Nachhinein ist das die falsche Entscheidung gewesen, weil die Prozesse doch länger gedauert haben“, räumte Akkermann ein. Allein für die Statik seien sechs Monate draufgegangen, die Baugenehmigung liege immer noch nicht vor. Nun gebe es aber die Aussage vom Landkreis Leer, dass die Baugenehmigung im August und somit noch vor der nächsten Sitzung des Verwaltungsausschusses eintreffen solle.

Dann, und wenn der Stadtrat die Gelder freigebe, werde für vier Wochen eine Ausschreibung gestartet. „Wir hoffen alle, dass sich Baufirmen dafür melden und auch Kapazitäten haben, zeitnah anzufangen und abzuschließen.“ Ziel sei ein Baubeginn noch in 2023. Geplant ist auf dem Gebäude, das der Stadt gehört, eine Aufstockung, also ein zusätzliches Stockwerk, sowie eine energetische Sanierung (nach KfW55). Entstehen sollen zwei neue Wohnungen, eine 61,1 Quadratmeter, eine 68,55 Quadratmeter groß. Ob diese am Ende Mitarbeitern der Stadt oder dem freien Markt zur Verfügung gestellt werden, ist noch nicht klar.

Des Weiteren, ergänzte Jürgen Akkermann, gebe es im Bereich De Dreeihauk noch drei bis vier Baugrundstücke. In Kürze erfolge hier die Auslegung des Bebauungsplans, ein Satzungsbeschluss solle durch den Rat bewirkt werden. Das Ausschreibe-Prozedere müsse noch abgestimmt werden. Weiterer Wohnraum könnte durch die Überplanung des Bauhofs generiert werden und – wenn auch nur temporär mit Bestandsschutz durch den Landkreis Leer für maximal zwei Jahre – weiterhin durch die zeitweise Umwandlung von Ferienwohnungen in Dauerwohnraum.

Entwicklung der Strände

Jürgen Akkermann berichtete ferner, dass er sich mit der Frage, wie sich die Sandbank am Nordstrand weiter entwickelt, an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gewandt habe. Dort habe man Berechnungsmethoden, mache Vorhersagen. Die Entwicklung der Sandbank, betonte der Bürgermeister, habe großen Einfluss auf die Strandnutzung. Etwa wenn man ein Badefeld einrichte und sich die Sandbank wenig später wieder davorschiebe, sei dies nicht befriedigend. Man müsse eine Grundlage haben, um Investitionen zu planen oder Gegen-Maßnahmen – so weit möglich – einleiten zu können.

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