Riskantes Manöver auf See  Borkum hat Geschehen um Autofrachter weiter im Blick

| | 31.07.2023 16:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die „Fremantle Highway“ ist zu einem neuen Ankerplatz gebracht worden. Foto: dpa
Die „Fremantle Highway“ ist zu einem neuen Ankerplatz gebracht worden. Foto: dpa
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Die brennende „Fremantle Highway“ liegt nun etwa 16 Kilometer nördlich der Inseln Schiermonnikoog und Ameland. Auf Borkum verfolgt man die Ereignisse im Nachbarland genau.

Borkum - Der brennende Autofrachter „Fremantle Highway“ ist nach einem riskanten Transport entlang der niederländischen Wattenmeerinseln an seinem neuen vorläufigen Ankerplatz angelangt. Das teilte die Wasserbehörde am Montag in Den Haag mit. Zwei Schlepper hatten das rund 200 Meter lange Schiff mit rund 3800 Autos an Bord seit Sonntagabend nach Osten geschleppt – bis etwa 16 Kilometer im Norden der Inseln Schiermonnikoog und Ameland. Der Transport war nach Angaben der Behörde ohne Probleme verlaufen und von Bergungsexperten und einem Flugzeug der Küstenwache begleitet worden.

Auch ein Spezialschiff, das Öl räumen kann, war dabei. Bisher lag der Frachter im Norden der Insel Terschelling. Es war ein riskantes Unternehmen, denn das Schiff mit 1,6 Millionen Liter Schweröl an Bord brennt noch immer. Das Feuer sei aber deutlich schwächer geworden, hieß es. Befürchtet wurde, dass es Risse in den Stahlwänden geben und Öl ausströmen könnte. Beim Auseinanderbrechen oder Kentern des Schiffes droht nach wie vor eine Umweltverseuchung. Der neue Ankerplatz ist nach Informationen der Behörde sicherer und windgeschützter. Die „Fremantle Highway“ liegt dort nicht länger in der Nähe des Schiffsverkehrs. Der Frachter soll dort bleiben, bis ein Hafen gefunden ist. Zunächst muss das Feuer an Bord erloschen sein. Das Schiff ist Eigentum einer japanischen Reederei. Es war auf dem Weg von Bremerhaven nach Singapur, als in der Nacht zum Mittwoch vergangener Woche Feuer ausbrach. Bei der Evakuierung war ein Mensch ums Leben gekommen. Der Brandherd könnte die Batterie eines E-Autos sein.

Gummigeruch auf der Insel

Von Borkum aus war die „Fremantle Highway“ am Montagnachmittag (noch) nicht zu sehen. „Duftmarken“ hat der Frachter auf der Insel aber offenbar schon hinterlassen. „Morgens hat es nach verbranntem Gummi gerochen“, erinnert sich Borkums Nationalpark-Ranger Simon Potthast an den vergangenen Mittwoch. Erst habe er gedacht, „hat die Nachbarin den Kuchen vergeigt?“. Seit dem Unglück verfolgt der Umweltschützer regelmäßig die Entwicklungen vor der niederländischen Nordseeküste. Richtig realisieren und einschätzen lasse sich die Situation von außen aber schwer. „Selber sieht man ja nur Bilder von einem großen, brennenden Schiff, ist nicht live vor Ort. Es sind viele Spekulationen im Raum, das überfrachtet einen.“

Gleichwohl: Sollte der Autofrachter kentern oder sinken, Treibstoff oder ähnliches ins Wasser gelangen, wäre dies eine Katastrophe, bekräftigt auch Potthast. „Öl im Meer ist immer katastrophal. Aber sobald es irgendwie auf Landmasse trifft oder bei uns sich der Ölfilm aufs Watt legt, wär es das Schlimmste, was dem Wattenmeer an sich passieren kann. Die Organismen darunter würden alle absterben, dann hätten wir quadratkilometerweise totes Watt“, so der Ranger. Bei so einem Worst-Case-Szenario würden die Küstenschutzbehörden entsprechende Maßnahmen ergreifen; sie seien mit speziellem Equipment ausgerüstet. „Das ist alles parat. Wie es wirklich im Ernstfall laufen würde, kann ich nicht sagen.“ Man habe aber bei der Havarie der „MSC Zoe“ gesehen, dass dann doch irgendwie alles funktioniert, sobald geklärt sei, was, wie, wo.

Möglichst schnell in einen Hafen

Auch Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) hat die Entwicklungen rund um die „Fremantle Highway“ in den letzten Tagen weiter genau im Blick behalten. Seiner Einschätzung nach stabilisiere sich die Situation. Dass sich der Autofrachter mit Rückenwind habe schieben lassen, sei eine gute Nachricht. „Das Schiff soll stabil sein, auch was die Kiellinie und das Unterwasserschiff angeht“, so Akkermann am Montagmittag. Mit Blick auf die geplante Verlegung in einen Hafen – im Gespräch sind Eemshaven und Emden – ergänzt er: „Wir sollten alle ein Interesse daran haben, dass das Schiff möglichst schnell im Hafen ist. Dort kann man die Risiken, glaube ich, am besten beherrschen. Ich gehe davon aus, dass die Behörden das auch nur durchführen, wenn es sicher ist.“

Um vorbereitet zu sein, hat die Stadt Borkum Kontakt mit dem Havarie-Kommando und dem Landkreis Leer als zuständige Behörden aufgenommen, hatte der Verwaltungschef in der vergangenen Woche mitgeteilt. Momentan bestehe diesbezüglich aber keine akute Notwendigkeit, so Akkermann. Man habe alles vorab abgestimmt. „Wir haben mit allen gesprochen und uns davon überzeugt, dass überall alles, was vorbereitet werden konnte, vorbereitet wurde. Wir hätten auch Hilfe vom Festland bekommen, aber es zeichnet sich ja jetzt ab, dass das alles gar nicht notwendig ist.“ Auch wenn weiterhin ein Restrisiko bestehe.

Mit Material von dpa

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