Profivertrag in Ottawa Fehntjer Roman Wahrheit kommt NFL-Traum immer näher
Der Traum könnte in Erfüllung gehen: Roman Wahrheit aus Rhauderfehn ist im Kader von Ottawa in der zweitstärksten Liga der Welt.
Ottawa - Mit einem Sportstipendium am US-amerikanischen College in Towson (Maryland) begann der Traum von Roman Wahrheit, mit einem Profivertrag in der NFL könnte er eines Tages mal enden. Wenn denn die Karriere weiterhin so steil nach oben verläuft. Bis dahin ist es für den 27-Jährigen aus Rhauderfehn noch ein weiter Weg, ein Stückchen ist er seinem großen Ziel in diesem Jahr schon wieder näher gekommen.
Im Gespräch mit unserer Redaktion hatte Wahrheit vor seiner Abreise 2019 in die USA erzählt, dass realistischerweise nur die wenigsten den Schritt von der Universität in die Profiliga gehen könnten. Er könnte ihn irgendwann schaffen. Sein Studium der Umweltwissenschaften hat er erfolgreich abgeschlossen, zudem spielte er sehr erfolgreich fürs College-Team. „Die letzten Jahre waren schon sehr zeitintensiv. 40 Stunden die Woche gingen für Football drauf, dazu kam dann noch das Studium.“
München wieder abgesagt
Nach dem erfolgreichen Abschluss war für ihn die große Frage, wie es denn jetzt weitergehen könne. Dabei schien es ihn wieder zurück nach Deutschland zu führen. Die Munich Ravens (European Football League) präsentierten Wahrheit bereits als prominenten Neuzugang. Zuvor war er noch beim International Combine der Canadian Football League (CFL) eingeladen, einer Art Sichtung der Liga. Zunächst wurde er nicht mit einem Vertrag ausgestattet, das sollte sich aber wenig später ändern.
Als er dann von den Ottawa Redblacks kontaktiert wurde, konnte er natürlich nicht Nein sagen und zog seine Münchner Zusage wieder zurück. „Die CFL in Kanada ist die zweitstärkste Liga der Welt. Ich bin jetzt Profi und kann von meinem Gehalt auch leben“, berichtet Wahrheit, der in seiner Jugend zunächst Handball in Ostrhauderfehn spielte, es danach mit Kickboxen versuchte und mit Football zunächst überhaupt nichts am Hut hatte.
Anfänge in Westerstede
Als auch die NFL in Deutschland immer populärer wurde, interessierte sich Wahrheit auch stärker für die beliebteste US-Sportart. Durch seinen Freund, Michael Bunger (Fehntjer Fins), fing er dann auch mit dem Footballspielen an. Zunächst bei den Westersteder Wölfen, später bei den Oldenburg Knights, bevor der Offensive Tackle ans College in Towson wechselte.
„Der Schritt aus Deutschland in die USA war riesig, jetzt ist der Unterschied geringer“, berichtet Wahrheit, der momentan noch zum Practice Roster gehört. Damit zählt er nicht zum Hauptkader des Teams, hatte in der bisherigen Saison auch noch keine Einsätze, kann aber jederzeit ins Team wechseln und bei Verletzungen anderer Spieler auch einspringen.
Trainingstag beginnt um 7 Uhr
Wahrheit macht allerdings jede Trainingseinheit mit der Mannschaft mit. Und die haben es in sich. Ein Trainingstag beginnt für den 2,04-Meter-Hünen (150 kg) um 7 Uhr mit dem Frühstück, dann folgen spezielle Meetings der einzelnen Mannschaftsteile, in denen vor allem Spielzüge oder auch die Gegner analysiert werden, danach kommt dann die eigentliche Trainingseinheit bis um 14 Uhr. Als Rookie (Neuling) hat Wahrheit zudem noch die Aufgabe, zwei gegnerische Spieler genau zu analysieren.
„Das Spiel fängt für mich wieder von vorne an. Physisch bin ich schon auf demselben Level. Da ich erst sehr spät mit dem Sport angefangen habe, fehlt mir ein bisschen die Erfahrung“, meint Wahrheit. Teilweise seien Mannschaftskollegen in seinem Team, die seit zehn Jahren im Profigeschäft tätigt sind, oft auch schon in der NFL gespielt haben.
Heimatbesuch hoffentlich erst im November
„Mein Ziel ist es, in dieser Saison noch zu Einsatzzeiten zu kommen. Das wäre der nächste große Schritt.“ Nach Ende der Saison hat er dann auch wieder einen Heimatbesuch in Rhauderfehn geplant. „Hoffentlich erst Ende November. Denn dann hätten wir den Grey Cup erreicht, den Super Bowl von Kanada.“ Und vielleicht geht dann ja irgendwann auch der NFL-Traum in Erfüllung.