Erfolgsschriftsteller im Gespräch Typisch Borkum? „Ich liebe euer Wasser“
Krimi-Autor Klaus-Peter Wolf hat ein neues Werk vorgelegt: „Ein mörderisches Paar – Das Versprechen“, das auch auf Borkum spielt. Vor seinem Besuch auf der Insel hatte Wolf Zeit für ein Interview.
Borkum - Seine Romane steigen regelmäßig auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste ein, Verfilmungen seiner „Ostfrieslandkrimis“ im ZDF sind Quotenrenner. Das neustes Werk von Klaus-Peter Wolf, „Ein mörderisches Paar – Das Versprechen“, der erste Teil der zweiten Trilogie um Serienkiller Dr. Bernhard Sommerfeldt, spielt zum Großteil auf Borkum. Im Interview verrät der Autor, was für ihn die Insel ausmacht und ob er Bürgermeister Jürgen Akkermann ermorden lassen würde.
Ein Schauplatz in Ihrem neuen Buch ist die Urnenanlage auf dem evangelisch-lutherischen Friedhof in der Süderstraße. Waren Sie vor Ort zur Recherche?
Klaus-Peter Wolf: Meine Frau Bettina Göschl und ich kommen jedes Jahr nach Borkum, für eine Woche oder 14 Tage. Wir haben Freunde hier und machen meistens drei Veranstaltungen. Ich muss eine Insel sehr genau kennen, damit ich über sie schreiben kann. Alles muss stimmen, es sind überprüfbare Wirklichkeiten. Borkum war übrigens schon in meinem Roman „Todesbrut“ vor zwölf Jahren ein ganz wichtiger Schauplatz. Darin werden die Passagiere auf der Fähre von Leuten im Borkumer Hafen mit Baseballschlägern empfangen und nicht auf die Insel gelassen – weil es auf dem Festland einen Virus gibt.
Veranstaltungen auf Borkum
Dienstag, 25. Juli, 13 bis 15 Uhr: Signierstunde von Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl an der unteren Promenade neben dem Musikpavillon; Mittwoch, 26. Juli, 19.30 Uhr: Krimilesung mit Klaus-Peter Wolf in der Kulturinsel (Eintritt 12,50 Euro, Kartenvorverkauf in der Tourist-Information); Donnerstag, 27. Juli, 10.30 Uhr: „Piratenschiffe, Piratenschätze“ mit Liedern und Geschichten für Kinder (ab vier Jahren) und Familien von und mit Bettina Göschl in der Kulturinsel (Eintritt 2,50 Euro, Kartenvorverkauf in der Tourist-Information).
Klaus-Peter Wolf, der Prophet…
Wolf: Jahre später, als die Corona-Pandemie kam, kriegte das Buch einen besonderen Hype. Als ich in der Talkshow „3 nach 9“ zu Gast war, war das Erste, was Moderatorin Judith Rakers mich fragte: „Klaus-Peter, hast du hellseherische Fähigkeiten?“ (lacht)
Zurück zu Ihrem aktuellen Werk: Darin tauchen real existierende Personen mit ihren echten Namen auf, zum Beispiel ein Supermarkt-Betreiber und eine Vermieterin von Ferienwohnungen. Warum benutzen Sie keine Pseudonyme?
Wolf: Warum soll ich Figuren erfinden, wenn ich von so originellen Menschen umgeben bin? Ich beobachte Leute, höre sie sprechen und wenn ich sie spannend finde, frage ich sie: „Darf ich dein Leben fiktionalisieren? Das heißt, ich werde einen Charakter schaffen, der heißt wie du, der sieht aus wie du, der redet wie, der ist mit deiner Frau verheiratet, der fährt dein Auto, aber er wird Dinge erleben, die wirst du nie erleben.“ Und wenn ich die Genehmigung kriege, mache ich das. Ansonsten bekommt die Figur einen anderen Namen.
Wenn Sie zum Beispiel Bürgermeister Jürgen Akkermann erschießen (lassen) würden, würden Sie vorab sicher auch um Erlaubnis fragen.
Wolf: Ich habe das Prinzip, dass ich real existierende, lebende Personen kein Verbrechen begehen lasse, und ich lasse sie auch nicht sterben. Damit würde man Leute möglicherweise zutiefst erschrecken.
Verlosung
Die Borkumer Zeitung verlost von „Ein mörderisches Paar – Das Versprechen“ drei Romane und drei Hörbücher sowie drei Kinderbücher von Bettina Göschl. Bei Interesse einfach eine Mail mit Angabe der Adresse und was man haben möchte an vertrieb@borkumer-zeitung schicken. Die Losfee entscheidet. Da Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl ihre Werke noch signieren möchten, wenn sie auf Borkum sind, sind die Gewinne erst Ende des Monats abholbar/versendbar.
Was ist für Sie „typisch Borkum“?
Wolf: Ich liebe euer Wasser. Wenn wir ankommen, gehen wir ins Hotelzimmer, machen erstmal den Hahn auf und trinken ein großes Glas. Das Wasser hat einen ganz eigenen Geschmack, nirgendwo schmeckt es wie auf Borkum. Und ich mag die Strandpromenade. Auf der einen Seite das donnernde Leben, auf der anderen Seite kommt man in Kontakt mit den Gewalten der Natur, weil die Nordsee so nah ist.
Wie erklären Sie sich Ihren enormen Erfolg?
Wolf: Ich habe etwa 40 Jahre lang als Schriftsteller gearbeitet, viele Drehbücher für „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ geschrieben. Der große Erfolg kam mit den Ostfrieslandkrimis. Viele Leser wussten gar nicht, wo Ostfriesland liegt, und lernten es über die Bücher kennen. Was sie vor allem fasziniert, ist das Personenensemble. Dass sich jeder mit irgendeiner Figur identifizieren kann, alles nah an einer Wirklichkeit ist, die wir erleben. Ich bin angetreten mit der Idee, ein großes Gesellschaftspanorama zu erzählen, angelegt auf viele Tausend Seiten, sodass man später einmal sagen kann, so haben die damals gelebt. Was mich und meine Frau erdet, sind die vielen Veranstaltungen, Lesungen, der ständige Kontakt mit dem Publikum.
Sie sind äußerst produktiv. Gehen Ihnen die Ideen nie aus?
Wolf: Wenn ich schreibe, übernehme ich die Perspektive der Figuren, mal die Sicht des Täters, mal die des Opfers. Ich sitze praktisch mit dem Füller da und schreibe in dicke Kladden, was mir die Figuren erzählen. Kriminalliteratur ist für mich die eigentliche Gesellschaftsliteratur dieser Zeit, weil man einen tiefen Einblick in den Riss bekommt, der durch die menschlichen Seelen geht, und dahin, wo in der Gesellschaft etwas nicht stimmt.
In Ihrem aktuellen Buch wählen Sie erneut die Perspektive eines Serienkillers.
Wolf: Dr. Bernhard Sommerfeldt ist kein Lustmörder. Er hat das Gefühl, dass er an der Verbesserung der Gesellschaft arbeitet, weil er Leute aus dem Verkehr zieht, die aus seiner Sicht schlimme Dinge tun. Ein Beispiel: Zu ihm kommt eine Mutter mit Kind. Das Kind ist zum dritten Mal die Treppe runtergefallen, die Mutter hat wieder ein blaues Auge. Er behandelt erst das Kind, dann die Mutter und später macht er nachts einen unangekündigten Hausbesuch und „behandelt“ den Vater.
Ihr Stil kommt offenbar an, auch im Ausland.
Wolf: Ja, es gibt zahlreiche Übersetzungen. Eine Übersetzerin schrieb mir mal, dass es in ihrer Sprache keine Formulierung für „ins Watt gehen“ gibt. Eine andere wunderte sich, dass in der Polizeiinspektion in meinen Romanen morgens immer Tee mit Kluntjes getrunken wird. Sie fragte: „Kluntjes, ist das ein landestypischer Schnaps?“. Gut, dass sie sich erkundigt hat. Sonst hätten die im Ausland gedacht, die Ostfriesen sind nur besoffen im Dienst. (lacht)
Viele Ihrer Bücher wurden bereits erfolgreich verfilmt. Wann darf sich Borkum auf einen Dreh freuen?
Wolf: Im letzten Gespräch mit dem ZDF und der Filmproduktion ging es bereits um Planungen. Auf Borkum wäre das Drehen nicht so schwierig wie auf autofreien Inseln, weil das Equipment ja mit Lastwagen transportiert werden könnte. Es braucht aber auch die nötige Unterstützung vor Ort.