Ausblick auf neue Saison Kickers Emden spielt in der stärksten Oberliga seit Jahren
Vier Regionalliga-Absteiger und vier Landesliga-Meister sind neuer Bestandteil der 5. Liga, in der Schöningen mit besonderen Transfers für Aufsehen sorgte. Der Trainer erklärt die Hintergründe.
Emden - Nach dem direkten Abstieg aus der Fußball-Regionalliga Nord ist der BSV Kickers Emden nun wieder in der Oberliga zuhause. Statt auch gegen Teams aus Schleswig-Holstein, Hamburg oder Bremen geht es ab August „nur“ noch gegen Mannschaften aus Niedersachsen. Die höchste Liga des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV) hat sich gegenüber der vergangenen Spielzeit massiv verändert. Weil mit Kickers Emden, Atlas Delmenhorst, VfV Hildesheim und BSV Rehden vier Niedersachsen aus der Regionalliga abstiegen, stiegen gleich sieben (!) von 18 Mannschaften aus der Oberliga ab. Mit dem SV Meppen II, SV BW Bornreihe, STK Eilvese und SSV Vorsfelde (holte 97 von 102 Punkten) sind zudem die Meister der vier Landesligen neu in der 5. Liga, die vermutlich so stark besetzt ist wie viele Jahre nicht mehr.
„Es gibt viele Mannschaften mit Ambitionen. Ein Top-Favorit lässt sich in diesem starken Feld noch nicht ausmachen“, sagt Emdens Trainer Stefan Emmerling. Die Emder selber gehören nach einigen Transferaktivitäten und mit großer Aufbruchsstimmung im Team und Umfeld auch zu dem Kreis der Vereine, die im oberen Tabellendrittel erwartet werden. „Das gilt aber für einige Mannschaften.“
Ehemaliger Grenzposten ist zu sehen
Dazu zählt neben den vier Regionalliga-Absteigern auch der letztjährige Vizemeister Lupo Martini Wolfsburg, der in den Relegationsspielen gegen den Bremer SV knapp am Aufstieg gescheitert ist. Aber auch die in der Tabelle nachfolgenden Teams 1. FC Germania Egestorf-Langreder (3.), TuS Bersenbrück (4.), FSV Schöningen (5.), Heeslinger SC (6.) und VfL Oldenburg (7.) sind zu beachten. „Das ist schon eine starke Liga“, sagt Stefan Emmerling.
Die weiteste Tour führt die Emder fast nach Sachsen-Anhalt, ins 342 Kilometer entfernte Schöningen. „Von unserem Stadion kann man den drei Kilometer entfernten früheren Grenzposten zur ehemaligen DDR sehen“, berichtet Bastian Breves. Der 39-Jährige ist seit einem Jahr Trainer des FSV Schöningen, nun auch Sportlicher Leiter – beides hauptamtlich. Der Klub aus der 12.000-Einwohner-Stadt im Landkreis Helmstedt wurde in seiner allerersten Oberliga-Spielzeit Fünfter. „Das war viel mehr als wir erwartet hatten, Ziel war der Klassenerhalt“, sagt Breves. „Diese Saison haben wir uns dann auch höhere Ziele gesteckt, Platz vier bis acht.“
Der Transfercoup mit Beck
Das untermauert der erst 2011 gegründete und vom Groß-Gastronomen Karsten Kräcker (auch 1. Vorsitzender) unterstützte Klub auch mit zwei besonderen Transfers. So wurde Anfang Juni die Verpflichtung von Stürmer Christian Beck bekannt gegeben. Der Torjäger kommt vom Nordost-Regionalligisten BFC Dynamo Berlin, wurde beim FC Magdeburg zwischen 2013 und 2021 zur Klublegende. Auch dank seiner Tore stieg der Klub von der 4. Liga bis in die 2. Bundesliga auf. „Bei diesem Transfer profitieren wir von unserer Nähe zu Magdeburg“, sagt Schöningen-Trainer Bastian Breves. „Mit dem Auto sind das 35 bis 40 Minuten Fahrzeit.“
Beck wird laut Breves nach dem Ende seiner Profizeit einen Job beim FC Magdeburg antreten. „Und bei uns noch ambitioniert Fuballspielen.“ Auch die Verpflichtung von Christian Skoda lässt aufhorchen. Der Mann aus Ahlen blickt auf 340 Regionalliga-Spiele. „Er hat seinen Lebensmittelpunkt wieder bei uns in der Region und arbeitet nun bei Volkswagen.“
Bargfrede zurück nach Heeslingen
Der Klub profitiere von der guten Lage zu den Profiklubs in Wolfsburg, Braunschweig und Magdeburg. Gut ausgebildete Nachwuchskräfte, für die die Tür im Profibereich nicht aufging, sind ein „Beuteschema“ der Schöninger. „Wir haben aber auch acht Schöninger Jungs, die schon zu Bezirksliga-Zeiten dabei waren. Unter anderem unser Kapitän.“
Ebenfalls für Aufsehen sorgte in dieser Woche der Name Philipp Bargfrede. Der heute 34-Jährige spielte von 2009 bis 2020 in der Bundesliga für Werder Bremen und hatte bis zuletzt als Führungsspieler bei Werders U23 agiert. Von Heeslingen war der Mittelfeldspieler als C-Jugendlicher in die Werder-Jugend gewechselt – nun kehrt er zu seinem Heimatverein Heeslingen zurück. „Ich will Spaß haben, aber natürlich möchte ich auch Erfolg haben“, wird Philipp Bargfrede im „Weser Kurier“ zitiert. „Es ist auf jeden Fall eine sehr interessante Liga.“ Bargfrede wird bei Werder weiter sein Trainee-Programm absolvieren und auch als Co-Trainer der U17 agieren.
18 Teams umfasst diese. Mindestens vier steigen am Saisonende ab. Der Meister wiederum steigt direkt in die Regionalliga Nord auf, der Vizemeister bekommt über eine Aufstiegs- bzw. Relegationsrunde noch eine Chance. Mit Atlas Delmenhorst (gegen FC St. Pauli) und TuS Bersenbrück (Borussia Mönchengladbach) sind auch zwei Teams im DFB-Pokal vertreten. Der letztjährige Vierte Bersenbrück beschäftigte sich mit der Verpflichtung von Marc Heider. Der 37-Jährige beendete seine Profi-Laufbahn als Kapitän des VfL Osnabrück mit dem Zweitliga-Aufstieg, sagte dem TuS nun aber ab – er wäre der nächste Farbtupfer in einer bunten Oberliga gewesen.