2:1-Sieg beim TuS Holtriem Jheringsfehn bleibt Bezirksligist – ein Joker ist Relegationsheld
Der Gastgeber führte verdient mit 1:0 und hatte lange alles Griff. Doch dann wendete sich das Blatt plötzlich. Dabei bewies SV-Trainer Uwe Welzel in seinem letzten Spiel mehrere glückliche Händchen.
Westerholt - Happy End für den SV Jheringsfehn/Stikelkamp/Timmel: Nach wochenlangen Rückschlägen gelang dem Fußball-Bezirksligisten über den Umweg Relegation der Klassenerhalt. „Das ist für uns wie eine Meisterschaft, dass wir das mit unseren eigenen Jungs aus unserem Verein geschafft haben“, sagte Trainer Uwe Welzel nach dem entscheidenden 2:1-Sieg im Rückspiel beim Ostfrieslandliga-Dritten TuS Holtriem. „Ich bin einfach nur stolz auf die Mannschaft.“
Die hatte es auch dem glücklichen Händchen ihres Trainers zu verdanken, dass sich das Blatt für den SV am Sonntag auf dem Kunstrasen in Westerholt noch wendete. Lange Zeit sah es nach dem 1:1 im Hinspiel nach einem Sieg der Holtriemer und Aufstieg des TuS aus, die dem 2:0 näher waren als der Gast dem 1:1. Doch mit der Einwechslung von Timo Reimers (69.) und „Sturmtank“ Simon Ihler (66.) sowie der Umpositionierung von Tjado Kruse auf die rechte Außenbahn wurde der Gast präsenter. Direkt gab es die erste Großchance. Und kurz darauf „klingelte“ es auch schon. Nach einer guten Einzelleistung von Kruse wurde dieser im Strafraum gefoult. Ihler verwandelte den fälligen Elfmeter zum 1:1 (78.), drei Minuten später ließ er mit einem überragenden Kopfball nach Freistoß-Flanke von Tammo Albers das 1:2 folgen. Der Kopfball mit der Wucht eines Torschusses sprang von der Latte, auf die Linie und dann ins Tor. Stimmung und Spiel waren gedreht.
Ihler machte alle Aufstiege mit
„Die beiden Treffer gehören natürlich mit zu den wichtigsten in meiner Laufbahn“, sagte der 26-jährige Ihler, der bei den Aufstiegen in die A-Klasse, Ostfrieslandliga und Bezirksliga in den vergangenen Jahren schon einige entscheidende Treffer erzielt hatte. Die vergangenen Wochen, in denen der SV aus den letzten sieben Ligaspielen nur drei Remis holte, fehlte der wuchtige Angreifer mit einer Wadenverletzung. „Seine Luft reicht auch noch nicht für 90 Minuten. Wir sind auch schon ins Risiko gegangen, als wir ihn schon nach 66 Minuten eingewechselt hatten. Es hätte ja noch eine Verlängerung geben können.“
Die Gäste mussten auch etwas riskieren. Denn in der ersten Halbzeit spielte sich das Geschehen überwiegend in der Hälfte des SV Jheringsfehn ab, Holtriem gab den Ton an. Der TuS, der vor einem Jahr noch um den Klassenerhalt bangen musste, spielte Richtung Bezirksliga. Malte Frerichs besaß zwei Möglichkeiten, Thorsten Lettau ebenfalls. Mit der bis dahin größten des Spiels scheiterte der Torjäger an Karsten Buss im SV-Tor. Zudem traf er in der Nachspielzeit nach einem Freistoß aus 18 Metern die Latte. Nach 57 Minuten sahen die mehr als 500 Zuschauer dann das verdiente 1:0. Leon Wübbenhorst flankte, Alexander Schmittendorf köpfte wuchtig ins Tor.
Frust bei den Holtriemern
„Wir waren wie im Hinspiel lange die bessere Mannschaft – und dann verlieren wir noch. Das tut uns allen jetzt weh, das müssen wir erstmal verarbeiten. Das Wie schmerzt bei dieser Niederlage sehr“, sagte TuS-Trainer Mario Friedrichs nach der Partie, die mit Wechseln und Umstellungen beim Gast nochmal einen lange nicht zu erwartenden Spielverlauf nahm. „Ich habe immer an uns geglaubt. Weil ich weiß, dass uns vieles nicht umwirft“, sagte Uwe Welzel, der das Traineramt nun in die Hände seines Bruders Matthias und bisherigen Co-Trainers Sven Kleemeyer gibt. Uwe Welzel ist aber weiter Klubchef.
Allerdings hatte der SV am Ende noch brisante Momente zu überstehen. Unmittelbar nach dem 1:1 hatte sich Thorsten Lettau die Chance zum 2:1 geboten. In der Schlussphase und fast achtminütigen Nachspielzeit gab es einige Strafraumszenen – das 2:2 lag in der Luft, fiel aber nicht. So richtete Mario Friedrichs im Holtriemer Spielerkreis einige Minuten nach Abpfiff aufbauende Worte an sein Team. In der anderen Hälfte schrie sich Simon Ihler als „Humba“-Vorsänger im Jubelkreis die Seele aus dem Hals. Dann gab es das erste Klassenerhalts-Bier. „Wie gleich noch gefeiert wird, müssen wir nun spontan sehen“, sagte Relegations-Held Ihler.
Spieldaten
TuS Holtriem: Eilers, Sjuts (82. Hesse), Müller, Lueken, Rinjes, M. Lettau, Boden, Wübbehorst, Schmittendorf (73. Janßen), T. Lettau.
SV Jheringsfehn: Buss; Kruse, Abbas, Baumann, Albers, Schoon (69. Akyol), Fokken (69. Reimers), N. Karstan (90. Bloem), Freudenberg, Tope (66. Ihler), K. Karstan.
Tore: 1:0 Schmittendorf (57.), 1:1/1:2 Ihler (Foulelfmeter, 78./81.).