In Holtland endete eine Ära  Fast 17 Jahre Trainer – Janssen toppt sogar Volker Finke

| | 15.06.2023 16:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Jörn Janssen war fast 17 Jahre das Gesicht des SV Holtland. Foto: Doden/Emden
Jörn Janssen war fast 17 Jahre das Gesicht des SV Holtland. Foto: Doden/Emden
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Eine lange Reise beim SV Holtland ging für Jörn Janssen nun zu Ende. Der Trainer-Abschied war emotional, der Start in der Saison 2006/07 ebenfalls. Die Erfolgsgeschichte begann mit einer Feier im Pool.

Holtland - Volker Finke hält im deutschen Profifußball noch immer den Rekord mit der längsten Amtszeit. Von 1991 bis 2007 war er 16 Jahre lang ununterbrochen Trainer des SC Freiburg. Als Finke gerade seine letzte Spielzeit im Breisgau absolvierte, da begann in der 1. Kreisklasse Leer eine ostfriesische Trainer-Ära, die nun erst endete. Mit 16 1/2 ununterbrochenen Trainer-Jahren toppt die Amtszeit von Jörn Janssen sogar jene vom ewigen Volker Finke.

Nach den Aufstiegen gab es auch mal die eine oder andere Bierdusche. Das Bild entstand nach der A-Klassen-Meisterschaft im Mai 2017. Archivfoto: Doden/Emden
Nach den Aufstiegen gab es auch mal die eine oder andere Bierdusche. Das Bild entstand nach der A-Klassen-Meisterschaft im Mai 2017. Archivfoto: Doden/Emden

Finke machte aus dem Breisgau-Klub einen Bundesligisten – Janssen aus seinem Heimatverein SV Holtland einen inzwischen etablierten Bezirksligisten. „Nach so vielen Jahren ist es jetzt mal an der Zeit durchzuschnaufen“, sagt der erst 43-jährige Janssen. In einem Alter, in dem andere ihre Trainer-Laufbahn starten, hat er schon eine lange Reise hinter sich, die im Winter 2006 begann und nun im Juni 2023 auf eigenen Wunsch endete.

Zwei Briefe zum Abschied

Der ehemalige Fußballer von Germania Leer und Concordia Ihrhove musste wegen schweren Knie-Verletzungen früh seine Spieler-Laufbahn beenden und wurde mit 26 Jahren Trainer beim SVH. Die Mannschaft befand sich im Abstiegskampf der 1. Kreisklasse Leer, als er übernahm. „Am letzten Spieltag haben wir mit einem 1:0-Sieg in Hollen die Klasse noch gehalten“, erinnert sich Janssen an den Start und eine nette Anekdote von den spontanen Feierlichkeiten zurück. „Wir sind noch direkt in Hollen in einen angrenzenden Pool gesprungen.“

Mit Jelmer van Dijk (rechts) feierte Jörn Janssen viele Erfolge. Archivfoto: Doden/Emden
Mit Jelmer van Dijk (rechts) feierte Jörn Janssen viele Erfolge. Archivfoto: Doden/Emden

Einige „Holtlander Jungs“, die seinerzeit woanders spielten, kehrten danach heim zum SVH, der sich sportlich stabilisierte und in den nächsten Jahren andere Ziele verfolgen konnte. Spieler Jens Fokken, Torwart Harald Fecht und der langjährige Betreuer Jan Haats waren unter anderem Wegbegleiter, die rund um seinen Abschied im letzten Bezirksliga-Spiel gegen Germania Wiesmoor am 3. Juni für Rührung bei Jörn Janssen sorgten. Weil sie alle nicht live dabei sein konnten, schrieben sie ihm einen persönlichen Brief: „Das hat mich sehr gefreut, ebenso der Brief von Johann Janßen.“

„Das ist unbezahlbar“

Der 1. Vorsitzende Janßen ist ein langer Webegleiter, ebenso Kumpel Ingo Groß. Der erste stellvertretende Vorsitzende war im Winter 2006 schon im Vorstand tätig, als die Idee mit Jörn Janssen als Trainer entstand. „Das, was Jörn für uns in all den Jahren geleistet hat, ist unbezahlbar und wird es in dieser Form vermutlich auch nicht nochmal geben“, sagt Groß.

Auch bei einem Aufstieg 2011 ließen ihn seine Spieler hochleben. Foto: Archiv
Auch bei einem Aufstieg 2011 ließen ihn seine Spieler hochleben. Foto: Archiv

Mit Holtland gelang der Kreispokalsieg, Aufstieg in die Kreisliga und nach der Ligareform 2013 von 2016 bis 2018 mit zwei Meisterschaften der Doppel-Aufstieg von der A-Klasse bis in die Bezirksliga. Es ging zwar direkt wieder runter, aber 2020 auch wieder hoch. Krönung war die Spielzeit 2021/2022 mit dem dritten Platz in der Meisterrunde. Nach einem Mittelfeldplatz hat Janssen sein über die Jahre verstärktes Team nun als gefestigten Bezirksligisten an Nachfolger Stefan Marx übergeben.

Zum Abschied ein Lied umgedichtet

Jörn Janssen unterstützt weiter im Hintergrund. Auch, weil er zudem noch zweiter stellvertretender Vorsitzender ist. Auch bei der Kaderplanung für die neue Saison war er noch sehr aktiv beteiligt. „Künftig freue ich mich, als Zuschauer und Fan des SV Holtland die Erste-Herren-Spiele zu sehen“, sagt Janssen, der bei seinem Abschied im letzten Saisonspiel nicht groß im Rampenlicht stehen wollte – doch nach fast 17 Trainer-Jahren konnte ihm diese Bitte natürlich nicht erfüllt werden.

Janssen bekam reichlich Abschiedsgeschenke und nach der Partie gegen Wiesmoor Anfang Juni bei einem Spalier langen, langen Applaus. „Dann wurde auch noch ein Lied für mich gesungen, bei dem man eigens einen Text entwarf“, so Janssen. Er wollte eigentlich nicht so einen großen „Bahnhof“ zum Abschied. „Doch da musste er durch. Wir wollten ihm einfach danke sagen, auch mit dem getexteten Lied“, erklärt Ingo Groß.

Tanzen mit Lynn, Fußball mit Mila

Da hatte mancher lange Wegbegleiter feuchte Augen. So wie auch die beiden Töchter, die er künftig auch noch mehr bei ihren Hobbys unterstützen kann. Die zehnjährige Lynn ist in einer Tanzschule in Aurich aktiv, die elfjährige Mila spielt Fußball und wechselt nun zum SV TiMoNo.

Papa Jörn wird irgendwann vielleicht auch mal wieder Trainer sein. Aber das ist derzeit noch weit weg. Nach 16 1/2 Jahren als Trainer und in vielen weiteren Rollen ist nun erstmal Pause angesagt – auch wenn diese angesichts von Vorstandsarbeit beim SV Holtland sicherlich nicht für Langeweile sorgt.

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