Kickers-Macher im Interview Rießelmann über Ziele, Finanzen und Marek Janssen – auch im Video!
Beim Fußball-Regionalligisten Kickers Emden ist ganz viel im Wandel. Der neue Macher Henning Rießelmann spricht im Interview auch über sein Verhältnis zu Trainer Stefan Emmerling.
Emden - Der neue Kickers-Macher Henning Rießelmann scheint in Ostfriesland schon so richtig angekommen zu sein. Genüsslich beißt er nach dem Interviewtermin in ein Fischbrötchen. Im großen Interview nimmt er Stellung zu den aktuellen Themen.
Frage: Kickers steigt abgeschlagen in die Oberliga ab. Statt Katerstimmung herrscht Aufbruchstimmung. Wie haben Sie das in den letzten Wochen geschafft?
Rießelmann: Ich glaube, dass wir jetzt nach vorne schauen müssen. Die Saison war hart für jeden Beteiligten. Jeder sehnt sich dem Ende entgegen. Es hat auch Gründe, warum es nicht gepasst hat. Wir wollen eine Aufbruchstimmung erzeugen, da gehört eine neuformierte Mannschaft dazu. Es ist wichtig, dass wir einen Cut machen. Wir können schnell eine Euphorie entfachen, trotz eines Abstiegs.
Frage: Was hat Sie an Kickers Emden besonders gereizt? Sie hatten nach dem Ausstieg in Lohne auch andere Angebote, warum Ostfriesland?
Rießelmann: Es war jetzt nicht so, dass ich nach meinem Ausscheiden in Lohne sofort wieder etwas gesucht habe, weil ich auch mit meiner Familie und meiner Firma reichlich zu tun habe. Ich hatte in der Tat einige Gespräche mit einigen Vereinen. Am Ende war für mich und mein Team klar, dass wir gerne etwas machen möchten mit Tradition, mit Fankultur. Und wir möchten gerne auch an einem Verein arbeiten und nicht nur in einem Verein. Ich wollte immer auch die Infrastruktur mit ankurbeln, neue Wege gehen. Dazugehören gute Plätze und ein gutes Auftreten. Trainer Stefan Emmerling hatte mich damals angerufen, das war wie Kai aus der Kiste. Die ersten Treffen waren ganz unverbindlich. Ich war schon immer als Spieler und Trainer gerne hier im Stadion. Das Gesamtpaket war einfach reizvoll.
Frage: Fast täglich vermeldet Kickers hochkarätige Neuzugänge, die oft Regionalliga- und teilweise auch Drittliga-Erfahrung haben. Wie konnten Sie die nach Emden locken?
Rießelmann: Mir macht es unheimlich Spaß, eine Mannschaft zusammenzustellen. Wir reden immer von einem Konzept. Was wollen wir eigentlich: Wir wollen professionelle Strukturen schaffen. Wir wollen die Infrastruktur verbessern. Wir möchten nicht, dass die Spieler für Kickers Emden den Wohnort wechseln. Da haben wir uns erst einmal das Einzugsgebiet angesehen. Das ist in Ostfriesland nicht so einfach: Ostfriesland, das Emsland und der Oldenburger Raum sind für uns maßgeblich. Wir haben ambitionierte, realistische Ziele. Das beste Marketing machen die Spieler selber. Einige Spieler hatten auch ein paar schwierige Phasen in ihrem Fußballer-Leben und haben etwas weniger gespielt. Sie möchten wieder Spaß am Fußball haben.
Frage: Kickers will in der nächsten Saison also wieder angreifen und oben mitspielen?
Rießelmann: Ein Wort benutze ich immer: Demut. Wir müssen schauen, wo wir herkommen. Wir sind sang- und klanglos aus der Regionalliga abgestiegen. Wir müssen uns komplett neu aufstellen. Jetzt kann Jeddeloh noch absteigen, wir haben Delmenhorst, wir haben Rehden, da sind gefühlt zehn Mannschaften. Dann müssen wir schauen, wie der Kader am Ende aussieht. Ich möchte keinen künstlichen Druck aufbauen, wir sind hier schon angetreten, um erfolgreich zu sein. Die Fans in Ostfriesland lechzen wieder nach Siegen. Wir wollen alles dafür tun, um oben mitzuspielen.
Frage: Momentan sind 17 Spieler unter Vertrag. Wie viele werden noch hinzustoßen?
Rießelmann: Wir werden mit ungefähr 20 Feldspielern und zwei, drei Torhütern in die Saison starten. Wir brauchen Häuptlinge und Indianer und Spieler, die die Oberliga annehmen. Aus der Liga rauszukommen, ist schon brutal. Wir sind in den finalen Zügen.
Frage: Wie wird die neue Mannschaft finanziert? Bringen Sie auch Sponsoren mit? Engagieren Sie sich mit Ihrer Firma?
Rießelmann: Grundsätzlich ist es wichtig, einen Finanzplan zu haben. Den haben wir für die nächsten drei Jahre aufgestellt. Wir haben eine Bestandsaufnahme gemacht. Was ist da? Kickers hat 86 Sponsoren, das ist nicht unerheblich. Natürlich ist es unsere Aufgabe, neue Sponsoren mitzubringen. Wir machen keinen Hehl daraus, es sind noch Verbindlichkeiten da. Ich habe gesagt, ich möchte mit einem weißen Blatt Papier starten. Wir sind von unserem Netzwerk bekannt, dass wir eine Kontaktstruktur haben, um neue Sponsoren mitzubringen, die langfristig hier etwas machen wollen. Wir haben auch schon neue mit reingebracht für den neuen Haushaltsplan. Wir sind nicht das FC Bayern München der Oberliga, wir haben auch viele günstige Spieler und stellen uns sehr gesund auf.
Frage: Sie geben selber keine Gelder?
Rießelmann: Das eine schließt das andere nicht aus. Wenn noch einmal eine Lücke im Etat ist, dann sind wir auch in der Lage, diese zu schließen. Wir wollen externe Sponsoren dazu holen.
Frage: Ziel ist, dass Kickers in das neue Projekt schuldenfrei geht.
Rießelmann: Korrekt, dem kann ich nichts hinzufügen. Es kann nicht sein, dass wir eine Ausgliederung machen und es sind noch Schulden im eingetragenen Verein. Da sind wir mit dem Wirtschaftsbeirat Klaus von Ahrens und Eckhard Sanders, mit Stefan Emmerling und dem Vorstand in regem Austausch. Ein sauberer Neustart ist essentiell wichtig für den Verein.
Frage: Wie hoch ist der Etat für die neue Saison?
Rießelmann: Der Gesamtetat für die Oberliga mit allem drum und dran wird sicher um die 250.000 Euro liegen. Wir bezahlen nicht über, wir bezahlen nicht unter, wir haben eine gute Mischung.
Frage: Wie klappt die Zusammenarbeit mit Trainer Stefan Emmerling?
Rießelmann: Super, Stefan und ich sind schon während der Zeit als Trainer Freunde geworden. Wir haben ein sehr vertrauensvolles Verhältnis, telefonieren fast täglich. Stefan ist ein sehr angenehmer Mensch, von dem ich auch noch viel lernen kann. Zwischen uns passt kein Blatt Papier.
Frage: Sie haben selber keine Trainerambitionen mehr?
Rießelmann: Ich bin super gerne Trainer. Aber ich habe eine Familie, zwei kleine Kinder und eine Agentur. Ich muss auch sagen, die Agentur ist meine Basis, damit verdiene ich mein Geld. Ich habe es in Lohne vier Jahre ehrenamtlich gemacht. Ich mache es hier bei Kickers Emden ehrenamtlich, weil ich den Fußball liebe. Aber jeden Tag auf dem Platz zu stehen, gerade auch in der Vorbereitung, das würde der Zeitumfang nicht mehr zulassen. Ich bin froh, dass Stefan da ist. Wir wollen noch einmal neuen Spirit reinbringen, auch ins Trainerteam. Wir wollen einen neuen Spielstil auf die Fahne schreiben, und ich glaube, da ist Stefan genau der richtige Mann dafür.
Frage: Eine Voraussetzung für Ihren Einstieg ist ja die Ausgliederung der ersten Mannschaft? Wie ist da der Zeitplan?
Rießelmann: Es müssen alle abgeholt werden. Als Mitglied habe ich ein Anrecht darauf, wieso, weshalb, warum, ich möchte wissen, was passiert da gerade. Dafür laden wir die Mitglieder ein, dafür holen wir sie ab. Dafür können wir die Fragen klar beantworten, das werden wir auf einem Infoabend dann auch tun.
Frage: Sie würden dann mit Ihrer Firma auch Anteile an der neuen GmbH übernehmen wollen?
Rießelmann: Das ist der Plan. Es entsteht noch einmal ein anderes Wir-Gefühl, wenn man daran beteiligt ist. Wir wollen ja auch nicht in zwei Jahren wieder die Koffer packen und weiterziehen, das ist etwas Langfristiges.
Frage: Wollen Sie mit Kickers Emden irgendwann einmal Geld verdienen?
Rießelmann: Nein, das ist utopisch. Erklär mir gerne wie. Es ist nicht unsere Intention, die Anteile irgendwann zu verkaufen. Wir wissen schon, dass es Geld kostet, bei aller Romantik. Ich bin null geldgetrieben. Wir sind fußballverrückt. Ich mähe einfach gerne den Rasen.
Frage: Im Vertrag wird also nicht zum Beispiel drin stehen, sollte Kickers mal irgendwann TV-Einnahmen einnehmen - davon sind wir noch ganz weit weg - werden die nicht an Ihre Firma gehen?
Rießelmann: Nein, dann fließen die in die GmbH. Da haben wir klare Regeln, klare Strukturen. Wenn wir irgendwann einmal TV-Gelder einnehmen, brauchen wir diese auch wieder, um sie zu reinvestieren in Spieler oder in die Struktur.
Frage: Wo ist Kickers Emden in fünf Jahren, was wäre das Wunschziel?
Rießelmann: Wir können alles dafür tun, um eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen. Du hast keine Garantie, dass Du aufsteigst. Wir sind heiß, wir haben Ambitionen. Wir wollen einen geilen, leidenschaftlichen Fußball spielen, wir wollen vorne stark pressen. Das haben wir in Lohne auch geschafft. In den nächsten Jahren wieder in die Regionalliga zu kommen, wäre ein tolles Ziel. Man kann mit ein, zwei Kniffen, mit ein, zwei guten Entscheidungen auch mehr als nur in der Regionalliga mitspielen. Und wenn wir in drei Jahren oben in der Regionalliga mitspielen, vielleicht auch mal um den Aufstieg spielen, dann wäre das eine tolle Sache. Wie schnell so etwas gehen kann, ist schwierig zu sagen.
Frage: Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Kickers-Vorstand?
Rießelmann: Sehr konstruktiv und offen. Es war mal wichtig, die Hosen komplett runterzulassen. Der Vorstand ist sehr selbstkritisch. Es wurden Fehler gemacht. Jeder macht das ehrenamtlich. Man darf auch mal den Finger in die Wunde legen, ein Weiter so kann es nicht geben, das weiß aber auch der Vorstand. Wir sind an einem Punkt, wo eine Wende eingeleitet werden muss. Von daher wir einen sehr sauberen und offenen Austausch.
Frage: Jetzt haben Sie auch beste Kontakte zu Profimannschaften. Kommen denn auch Vereine in der Vorbereitung ins Ostfrieslandstadion?
Rießelmann: In dieser Saison ist das noch sehr schwierig, weil wir sehr kurzfristig sind. Bevor wir auch die Bundesliga zu Gast haben, müssen wir noch ein bisschen etwas an der Infrastruktur machen. Die ganz große Fußball-Bühne wird es noch nicht werden.
Frage: Am Ostfriesland-Cup werden Sie in der Saison nicht teilnehmen?
Rießelmann: Das ist keine Entscheidung gegen den Ostfriesland-Cup, ich finde das Turnier toll. Ich habe mit Manfred Bloem zusammengesessen. Es sind in Summe auch vier, fünf Spiele. Wir haben noch alte Verpflichtungen, es wäre einfach zu viel gewesen. Super Turnier, super für die Region, es hat nicht ganz reingepasst.
Frage: Sie haben eine Beratungsagentur oder hatten eine und betreuen auch Marek Janssen?
Rießelmann: Weder noch. Mich haben mal Spieler und Vereine gefragt, Henning, kannst Du mal einen Kontakt herstellen. Damit habe ich nie einen Cent mit verdient. Marek Janssen habe ich zum SV Meppen gebracht.
Frage: Aber Marek Janssen kommt nicht zurück nach Ostfriesland?
Rießelmann: Marek und ich sind auch Freunde, wir telefonieren täglich. Er hat noch einen Vertrag in Meppen, auch für die nächste Saison. Wer weiß, er ist ein Jemgumer Junge. Unser Anspruch ist es, Ostfriesen auch in Ostfriesland spielen zu sehen. Ich bleibe da dran, wir sind da hartnäckig. Es ist ja jetzt auch vermessen. Marek kann mehr als Oberliga. Schauen wir mal, was die Zukunft bringt. Ich würde ihn natürlich gerne hier in Emden sehen, weil er einfach ein super Kerl ist.
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