Jonas Petersen wird Pewsum-Trainer Vom Bundesligisten in die ostfriesische Bezirksliga
Mehr als vier Jahre arbeitete Petersen hauptberuflich beim FC Augsburg. Nun kehrte er nach Pewsum zurück und wird mit 26 Jahren der jüngste Trainer der Bezirksliga. Wie kam es dazu?
Pewsum - Fußball, Fußball, Fußball: Jonas Petersen durfte seine Leidenschaft zum Beruf machen. Und das nicht irgendwo. Mehr als vier Jahre lang arbeitete der Ostfriese beim Bundesligisten FC Augsburg, leitete die Fußballschule und trainierte Talente im Nachwuchsleistungszentrum. Das alles hat er vor einigen Monaten bewusst aufgegeben, kehrte in seine Heimat nach Pewsum zurück und trat dort vor wenigen Wochen eine neue Arbeitsstelle in der Freien Wirtschaft an. Auch sportlich geht es für ihn weiter, wenn künftig auch anders. Im Sommer wird der 26-Jährige bei seinem Heimatverein TuS Pewsum Trainer der 1. Herren und damit jüngster Coach der Männer-Bezirksliga.
Sein junges Alter sieht Petersen nicht als Hindernis an, ein Männerteam zu trainieren, in dem mancher Akteur auch älter sein wird als er. „Wichtig ist: wie kommuniziere ich, wie bin ich inhaltlich? Da ist das Alter egal“, sagt der Rückkehrer, von dem sich der Vorstand des TuS Pewsum so viel verspricht, dass dieser eine Zusage für den derzeitigen erfolgreichen Trainer Bernd Buß (53 Jahre) für die neue Saison nochmal zurückgenommen hatte. Das sorgte für Aufsehen in Ostfriesland.
Rasanter Aufstieg in Augsburg
Bei seinem Heimatverein TuS Pewsum begann auch früh seine Trainer-Laufbahn. Vor rund zehn Jahren. Innerhalb eines Jahres riss ihm als B- und A-Jugendlicher im Trikot von Kickers Emden zweimal das Kreuzband. Ein einschneidender Moment. Mit 16 Jahren übernahm er – zunächst noch unterstützt von seinem Vater Wilhelm – die C-Junioren des JFV Krummhörn. „Ich war direkt Feuer und Flamme für den Trainerjob.“ Er machte auch schnell seine erste Lizenz (C). Mancher Akteur von damals wie Hauke Ulferts, Nico Eden oder Ole de Vries trifft er nun als Herrenspieler wieder.
Und sie treffen ihren ehemaligen Trainer wieder, in dessen Fußballleben viel passiert ist. Er verließ als junger Erwachsener Ostfriesland, studierte Sport-Management in Salzgitter und durfte als Jugendtrainer bei Eintracht Braunschweig weitere Erfahrungen sammeln und Lizenzen ablegen. Mit dem abgeschlossenem Studium im Gepäck und der B+-Lizenz ging es im Februar 2018 hauptberuflich zum FC Augsburg. Sein Trainee-Programm ging relativ schnell in eine leitende Funktion über. So übernahm er Monate später schon die Leitung der Fußballschule.
Weg vom Job im Profifußball
„Die Fußballschule in Augsburg ist etwas anders geregelt als bei vielen anderen Profiklubs. Der FCA bietet auch die üblichen Ferien- und Wochenendcamps an, fördert gleichzeitig über die Fußballschule aber auch 600 Talente pro Woche aus der Umgebung“, berichtet Jonas Petersen. Drei Vollzeitkräfte und 100 nebenberufliche Trainer kümmern sich um den großen Apparat, dessen Chef Petersen bis zum Herbst war. Dabei hielt er auch diverse Vorträge für Trainer in Augsburg und Umgebung.
Doch in ihm reifte der Gedanke, in die mehr als 800 Kilometer entfernte Heimat zurückzukehren und auch beruflich etwas anderes machen zu wollen. „Es war eine intensive Zeit in Augsburg, für die ich auch super dankbar bin“, sagt Petersen. „Ich wollte zurück in die Heimat und mich auch beruflich für die Zukunft anders aufstellen.“ Bei einem Bundesligisten im Hintergrund zu arbeiten bedeutet auch keine langfristige Planungssicherheit. Bei einem Abstieg wird an vielen Enden gespart.
Petersen führt Videoanalyse ein
Er kündigte, arbeitete noch bis zum Ende seiner Kündigungsfrist für den FCA und zog vor einigen Monaten zurück nach Ostfriesland. „Da musste ich erstmal durchschnaufen.“ In der Heimat fand er nun auch eine Arbeitsstelle in leitender Funktion in der Freien Wirtschaft, die gar nichts mit Fußball zu tun hat. „Das wollte ich auch ganz bewusst.“
Aber ohne Fußball will der Mann, der beim FC Augsburg auch zusätzlich Nachwuchsteams bis zur U14 trainierte, eben auch nicht. Einige Spiele seiner künftigen Herren-Mannschaft des TuS Pewsum hat er sich schon angeschaut, sich der Mannschaft auch schon vorgestellt. „Das ist eine junge und wissbegierige Mannschaft, auf die ich mich freue“, so der 26-Jährige. Über kurz- bis mittelfristige sportliche Ziele mit dem Bezirksliga-Team wolle er noch nicht sprechen. „Das muss sich entwickeln, das muss man auch gemeinsam besprechen. Ich versuche auf jeden Fall, die Spieler noch besser zu machen.“
Dabei helfen sollen auch die Erfahrungen als Nachwuchstrainer in Braunschweig und Augsburg. Die Videoanalyse nach Spielen gehört dort zum Alltag. „Das wird künftig auch bei uns in Pewsum ein wichtiger Baustein sein“, sagt Jonas Petersen. Filmen, sichten, schneiden: All das macht der jüngste Trainer der Bezirksliga selbst und künftig von Spielen in Holtland, Wiesmoor und Larrelt statt von Partien in München, Nürnberg oder Fürth.
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