Friesen hofft auf Einsätze Kickers-Spieler hat nach Island-Abenteuer den Profi-Traum
Sportlich wird Benjamin Friesen die Klasse mit Kickers Emden in der Fußball-Regionalliga wohl nicht mehr halten können. Mit seinen 19 Jahren hat er schon jede Menge Mut bewiesen.
Emden - Er würde sich selber sicher nicht als Draufgänger beschreiben. Aber wer mit 17 Jahren sein Elternhaus verlässt, um in Island an einer möglichen Fußball-Profikarriere zu feilen, der bringt schon viel Selbstvertrauen und Risikofreudigkeit mit. Jetzt möchte Benjamin Friesen gerne den nächsten Schritt machen. Dazu hofft er beim BSV Kickers Emden in den verbleibenden Partien auf so viele Einsatzzeiten wie möglich.
Bisher wurde er in drei Regionalliga-Partien eingewechselt, beim Auswärtsspiel beim Bremer SV durfte er von Beginn an ran. „Ich habe mich ja erst kurz vor Transferende für Kickers entschieden, dadurch hatte ich praktisch keine richtige Vorbereitung und musste erst das System und die Mannschaft kennenlernen. Mittlerweile glaube ich, dass ich in Emden angekommen bin und freue mich, dass ich jetzt mehr und mehr meine Chancen bekomme“, so Benjamin Friesen. So hofft er, sich auch beim Auswärtsspiel bei Phönix Lübeck (Sonntag, 14 Uhr) beweisen zu können.
Mit 17 Jahren nach Island
Noch weiß er nicht, wie es im Sommer sportlich bei ihm weitergehen wird. Aber Benjamin Friesen spricht schon klar aus, dass sein großer Traum der Profifußball ist. Um diesen Traum zu verwirklichen, hat er sich auch fürs Ausland-Abenteuer entschieden, um sich weiterzuentwickeln. In der Hochphase der Corona-Pandemie stand der Fußballamateurbetrieb teilweise komplett still. Also nahm Friesen das Angebot an und kam über den englischen Trainer Christopher Brazell zum Island-Projekt. Dieser wollte mit jungen Spielern in Reykjavik eine Mannschaft aufbauen. Zunächst spielte Friesen in der U19, später in der zweiten isländischen Liga für ÍF Grótta.
„Ich konnte täglich unter perfekten Bedingungen trainieren“, blickt er gerne auf seine Zeit in Island zurück. Untergebracht war er bei einer Gastfamilie, sämtliche Kosten wurden vom Verein getragen. „Für mich gab es bei diesem Projekt eigentlich überhaupt kein Risiko“, so Friesen. Ihm war nur wichtig, sein Fachabitur in Oldenburg abzuschließen, was er während der Zeit auch geschafft hat.
Wasserfälle, Vulkane, Nordlicht
„Mich hatte damals einfach die Perspektive gereizt, ich wollte alles auf Fußball setzen und habe mich in Island auch sehr wohlgefühlt.“ Menschlich habe er nur Positives erlebt. „Das Land ist atemberaubend, schon sehr, sehr cool. Bei Ausflügen oder Auswärtsspielen haben ich schon sehr viel sehen können“, konnte er auch die Naturschönheiten genießen. Spektakuläre Wasserfälle, lodernde Vulkane, sprudelnde Geysire oder das Nordlicht hat Friesen alles erleben dürfen.
Aufgrund des strengen Klimas geht die Saison in Island vom Frühjahr bis in den Spätsommer. So entschied sich Friesen, ab dem Winter wieder in Deutschland sein Glück zu versuchen. Seine Vermittlungsagentur Kick Off um den ehemaligen Fußball-Profi Holger Wehlage hatte über eine Kontaktperson einen engeren Draht zu Kickers-Trainer Stefan Emmerling, so kam der Transfer kurz vor Ende der Periode zustande.
Rückkehr nach Island
Da Friesen wieder bei seinen Eltern in Sandkrug nahe Oldenburg wohnt, bildet er aktuell eine Fahrgemeinschaft mit den weiteren „Kickers-Oldenburgern“ (Matthias Goosmann, Nick Köster und Heiko Visser). „Ich muss mir demnächst Gedanken machen, wie es bei mir weitergeht. Wenn ich die Chance bekomme, möchte noch alles auf den Fußball setzen. Wenn es damit nicht klappen sollte, werde ich sicherlich eine Ausbildung anfangen“, hofft Friesen, dass er ab dem Sommer vielleicht eine Chance bekommen könnte.
Unser Tipp
1. FC Phönix Lübeck - Kickers Emden 1:1.
Bei Phönix Lübeck war zuletzt Feuer unterm Dach. Die Jahreshauptversammlung wurde abgebrochen, der Vorstand nicht entlastet. Am Donnerstag gab der Verein bekannt, dass der Vertrag mit Trainer Oliver Zapel gleich bis 2026 verlängert wurde, langfristig ist die 3. Liga das Ziel. Davon ist Schlusslicht Kickers Emden meilenweit entfernt. Für die Spieler geht es darum, sich für die kommende Saison zu empfehlen. Bis auf die Langzeitverletzten Yanic Konda, Marc Auge und Milad Faqiryar sind alle dabei. Ein Remis könnte für die Emder bei optimalem Spielverlauf drin sein.
„Er ist sehr ehrgeizig und hat den Blick Richtung Profifußball. Sicher muss er sich noch in vielen Punkten verbessern, er möchte die Regionalliga nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen“, meinte Trainer Stefan Emmerling. Wo auch immer Benjamin Friesen ab dem Sommer landen wird, eines steht für ihn in jedem Falle fest. Schon bald möchte er wieder nach Island fliegen. Denn aus dem großen Abenteuer sind auch feste Freundschaften entstanden.
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