Borkumer Vereinsserie  DLRG Borkum – Generationen lernten hier das Schwimmen

| | 30.03.2023 07:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit Leib und Seele DLRGler auf Borkum: Britta und Rudi Erdwiens. Foto: Ferber
Mit Leib und Seele DLRGler auf Borkum: Britta und Rudi Erdwiens. Foto: Ferber
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Die meisten Borkumer Kinder dürften bei der Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft schwimmen gelernt haben. Britta und Rudi Erdwiens und ihre Mitstreiter sind mit Leib und Seele dabei.

Borkum - Den Nichtschwimmer zum Schwimmer und den Schwimmer zum Rettungsschwimmer ausbilden. Soweit das Ideal. Die Realität sieht oftmals anders aus. „Wir freuen uns schon, wenn wir die Kinder solange bei uns haben, dass sie sicher schwimmen können. Bis sie andere Hobbys entdecken, die Jungs meist Fußball, die Mädchen die Pferde“, erklärt Rudi Erdwiens (63), Vorsitzender der Borkumer Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Manko sei ebenfalls das Abwandern der Jugendlichen ins Internat nach Esens – „ab da, wo man sie richtig gebrauchen kann“. Auf weiterführenden Schulen sind sie „für uns meist verloren“, bestätigt Gattin und Schatzmeisterin Britta Erdwiens.

Entmutigen oder die Laune verderben lassen sich die beiden nicht. Das wird im Gespräch in der „Middelhüsche“, dem Vereinsheim in Strandnähe, deutlich. Denn „die, die wirklich Interesse haben, bleiben, die kann man auch für andere Sachen gewinnen“, sagt Rudi Erdwiens. Er und seine Frau führen mit den rund 350 Mitgliedern die Borkumer DLRG-Tradition – die Ortsgruppe wurde 1952 gegründet – fort. Rettungsschwimmer hat es aber schon vorher auf der Insel gegeben.

Rettungsschwimmer halten die Stellung am Nordbad (Aufnahme von 1954). Foto: DLRG Borkum
Rettungsschwimmer halten die Stellung am Nordbad (Aufnahme von 1954). Foto: DLRG Borkum

Altes Schwimmbad passte besser

Es dürfte wohl kaum jemanden auf Borkum geben – aktuell sind es über 120 Kinder, nicht wenige vermutlich schon mit der Geburt angemeldet –, der in den vergangenen Jahrzehnten nicht Schwimmunterricht bei den Erdwiens hatte. Oder bei jemand anderem aus dem derzeit zwölfköpfigen Trainerteam. Früher ging‘s in Europas seinerzeit größtes Meerwasserwellenhallenbad – „eckig und ehrlich“, ohne Hubboden, überhaupt von der Ausstattung her für die Ansprüche der DLRG besser geeignet, räumt Britta Erdwiens ein. Heute wird im Spaßbad Gezeitenland geübt. Im Sommer auch mal draußen, berichtet Rudi Erdwiens, am Strand, auf dem Rettungsbrett, mit dem Boot, im Wellengang.

Beigebracht wird bei der DLRG „alles, was dazu gehört“, erklärt der Vorsitzende – Seepferdchen, Jugendschwimmabzeichen in Bronze, Silber, Gold, Tief- und Weittauchen, Herz-Lungen-Wiederbelebung, Rettungsschwimmabzeichen. Weiteres Standbein ist die Ausbildung von Sanitätern. Die Badeaufsicht an Borkums überwachten Stränden wird vom zentralen Wasserrettungsdienst der DLRG in Bad Nenndorf koordiniert und besetzt; die Ortsgruppe hilft hin und wieder bei Wachwechsel aus. Schwimmunterricht auf Borkum gibt es in festen Gruppen, die alle Fischnamen haben, in die man aufsteigt bis zum „Wal“ und jeweils Neues dazulernt. „Bis sie uns verlassen und wir aus Esens hören, ,Mensch, da haben wir wieder tolle Borkumer Schwimmer‘. Das ist toll, aber wir hätten sie auch gerne hier“, sieht Rudi Erdwiens die Erfolge mit einem lachenden und weinenden Auge.

Voller Einsatz beim Weihnachtsschwimmen 2016. Foto: DLRG Borkum
Voller Einsatz beim Weihnachtsschwimmen 2016. Foto: DLRG Borkum

Corona-Nachwirkungen sind spürbar

Eher zum Weinen sind die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, als Schwimmunterricht lange Zeit nicht möglich war. „Da sind zwei Jahre verloren gegangen, bei den Kindern haben sich große Lücken aufgetan“, hat Britta Erdwiens festgestellt. Was man eigentlich mit sechs Jahren lerne, lerne man jetzt erst mit acht oder neun. „Die Kinder sind nicht mehr so frei in dem Alter. Wenn sie jünger sind, sind sie risikobereiter. Sie sehen noch nicht so die Gefahr.“ Wer sein Seepferdchen gemacht habe, müsse eigentlich unmittelbar weiter schwimmen, sonst verlerne man es wieder. Sie rechne damit, so die 61-Jährige, die seit ihrem zehnten Lebensjahr in der DLRG ist, dass noch fünf Jahre ins Land gehen, „ehe wir die Lücke geschlossen haben“. Gleichwohl: Das Interesse am Schwimmen ist ungebrochen. Britta Erdwiens: „Wir haben immer eine Warteliste. Viele Eltern sagen, ,wir leben auf einer Insel, umgeben von Wasser, und meine Kinder müssen schwimmen lernen‘.“

Das werden sie, wie die Generationen vor ihnen, in den nächsten Jahren wohl weiterhin auch bei Rudi und Britta Erdwiens – wenngleich Letztere, wie sie schmunzelnd einräumt, einmal gesagt hat: „Wenn ich das erste Enkelkind auf dem Brett stehen habe zum Springen, höre ich auf.“ Bis 2025 sind beide noch gewählt. Und dann? Es sei schön, als Ehepaar ein gemeinsames Hobby zu haben, so stehe man ganz anders da hinter. Die DLRG bestimme aber auch ihr Privatleben in den letzten 20 Jahren massiv, gibt Britta Erdwiens zu. Es sei sicher nicht leicht, Ersatz zu finden, der die viele Arbeit übernehmen wolle. „Ich möchte aber nicht, dass ich oder mein Mann mit über 70 Jahren mit den Beinen voraus aus dem Schwimmbad getragen werden.“

Die Drei haben gute Laune beim Training (Foto von 2009). Foto: DLRG Borkum
Die Drei haben gute Laune beim Training (Foto von 2009). Foto: DLRG Borkum

Leuchte Augen sind der Lohn

Aber dann sind da wieder die Erinnerungen an die leuchten Augen, wenn die Kinder ihr Seepferdchen geschafft haben, die Urkunde bekommen, sich endlich trauen, vom Dreier zu springen. Das sei alle Mühen wert und der schönste Lohn, versichern Rudi und Britta Erdwiens. Auch im (Extrem)-Fall des Mädchens aus einem Mutter-Kind-Haus, das im Unterricht auffallend klammerte und wo sich hinterher herausstellte, dass es in einer Regentonne fast ertrunken wäre. Trotz dieser Negativ-Erfahrung traute es sich am Ende, zumindest an der Hand zu schwimmen.

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