Matthias Goosmann verlässt Viertligisten Abschied von Kickers Emden – „Goosi“ öffnet sein Fußballherz
Das Nein zu Kickers und Ja zum VfL Oldenburg hat sich der 30-Jährige gut überlegt. Der Mittelfeldspieler nennt einige Gründe für den emotionalen Abschied am Saisonende nach neun Jahren.
Emden - Der vergangene Freitag war für Matthias Goosmann ein spezieller Tag. Nicht nur, weil er mit seinem 30. einen besonderen Geburtstag feierte. Beim Training des BSV Kickers Emden teilte er der Mannschaft mit, dass seine Zeit bei Kickers im Sommer enden wird. „Dieser Entschluss ist mir sehr schwer gefallen. Aber für mich persönlich ist es der richtige Zeitpunkt zu gehen“, sagte der aus Remels stammende Ostfriese im Gespräch mit unserer Zeitung.
Als ihn im Laufe des Freitagvormittages neben zahlreichen Glückwünschen auch die Nachricht der Spielabsage für das Tags darauf geplante Heimspiel gegen Holstein Kiel II erreichte, kam dem Fußballer nicht einmal in den Sinn, nach einem „Geburtstagsfrei“ zu fragen. Auf den zuverlässigen, taktisch klugen und zweikampfstarken Mittelfeldspieler ist einfach Verlass – in jeder Situation. Deshalb hätte das Regionalliga-Schlusslicht den Vertrag auch gerne verlängert. „Ich habe lange drüber nachgedacht. Wenn man neun Jahre für einen Verein spielt, trifft man so einen Entschluss nie über Nacht. Er ist in den letzten Monaten lange gereift.“
„Sportlich kein Rückschritt“
Mehrere Teilaspekte gaben für ihn den Ausschlag für das Nein zu Kickers und Ja zum Oberligisten VfL Oldenburg, der kommende Saison der Gegner von Kickers sein wird. Emdens Abstieg ist nicht mehr zu verhindern.
„Ich möchte nochmal eine neue sportliche Herausforderung suchen. Ich bin nun 30 Jahre alt und fühle mich noch topfit. Jetzt ist aus meiner Sicht der richtige Zeitpunkt, dies zu wagen“, so Goosmann. Beim etablierten Oberligisten Oldenburg findet er dafür ein perfektes Umfeld. „Das ist sportlich auch kein Rückschritt für mich.“ Der VfL gehört zu den Spitzenteams in der Oberliga, baut Jahr für Jahr viele junge Talente ein. „Goosi“ soll unter dem neuen Trainer Patrick Degen mit seinen 30 Jahren deshalb auch eine Führungsrolle einnehmen.
Nur Steffens ist länger bei Kickers
Die VfL-Offerte war auch deshalb so lukrativ, weil sie für ihn nach Jahren der Pendelei nun auch ein Fußballspielen „vor der Haustür“ ermöglicht. Drei- oder manchmal viermal Training bedeuteten zwischen Abfahrt nach Emden und Rückkehr nach Oldenburg fünf Stunden Abstinenz. Künftig spart er sich die zweistündige Fahrzeit für Hin- und Rückfahrt. „Ich kann nun mit dem Fahrrad zum Training fahren, in zehn Minuten.“ Zudem wird der Unternehmensberater einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ab dem 1. April auch beruflich mehr Verantwortung tragen. Er steigt zum Prokuristen auf.
Matthias Goosmann hat sich bewusst jetzt schon entschieden, als erster Spieler aus dem Kickers-Kader, der sich im Sommer verändern dürfte. „Ich wollte es auch direkt verkünden und kein tam, tam davon machen“, sagt Goosmann. Nun freut er sich auf die letzten zwei Monate im Kickers-Trikot. Trotz der sportlich diese Saison schwierigen Situation. Bisher absolvierte er 20 Regionalliga-Spiele. „Ich hoffe, dass wir noch den einen oder anderen Sieg feiern und Favoriten ärgern können“, sagt der neben Heiko Visser dienstälteste Spieler im Kickers-Kader nach Tido Steffens. Goosmann und Visser kamen 2014 nach Emden: der Remelser Goosmann von Germania Leer, der Krummhörner Visser vom TuS Pewsum. In der Jugend hatten die beiden schon erfolgreich beim VfL Oldenburg gespielt – eine Saison sogar in der Jugend-Bundesliga.
Aufstiege und Freundschaften
Lässt man diese Spielzeit etwas außen vor, prägten Goosmanns Kickers-Zeit ebenfalls viele Erfolge. Persönlich wurde er mit 21 Jahren auf Anhieb Stammspieler, dann Leistungsträger. Mit dem Team gelang nach Jahren in der Spitzengruppe der Landesliga 2019 der Aufstieg in die Oberliga, 2022 gar der Sprung in die Regionalliga. „Es waren tolle und wunderbare Jahre, eine sensationelle Zeit. Und die letzten Monate der vergangenen Saison war eine ganz krasse Zeit im positiven Sinne. Es gab nur noch Arbeit und Fußball.“ Der Lohn für diesen Fokus war der märchenhafte Aufstieg am 1. Juni in Oberneuland.
Aber auch menschlich nimmt Goosmann viel mit aus den neun Kickers-Jahren. „Da sind viele Freundschaften entstanden.“ Zu manchen Ex-Mitspielern wie Hendrik Diekmann oder Torben Lange. Und natürlich auch zu einigen Weggefährten, die mit ihm den langen Weg bei Kickers gegangen sind. Mit ihnen stieß er am vergangenen Freitag nach dem Training und bei einem Bowling-Teamabend noch an. „Da das Spiel ausfiel, konnte ich tatsächlich spontan feiern mit den Jungs.“ Mitspieler Benjamin Friesen übernahm zum Glück die Rolle des Fahrers.
Noch zünftiger und emotionaler dürfte es am 27. Mai werden. Dann bestreitet Kickers sein letztes Saisonspiel: in Emden gegen Rehden. Für Goosmann wird es das Abschiedsspiel werden. „Dieser Tag wird sicherlich ganz besonders werden.“
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