Ärger um Nachwuchsfußball in Leer  Germania-Aus beim JFV Leer wäre für den VfL ein Tiefschlag

| | 28.02.2023 14:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Im Jugendförderverein Leer spielen derzeit in zehn Mannschaften von der D- bis zur A-Jugend 190 Kinder. Unser Foto zeigt eine Szene von einem D-Jugend-Spiel zwischen dem JFV und Werder Bremen. Foto: Rauch
Im Jugendförderverein Leer spielen derzeit in zehn Mannschaften von der D- bis zur A-Jugend 190 Kinder. Unser Foto zeigt eine Szene von einem D-Jugend-Spiel zwischen dem JFV und Werder Bremen. Foto: Rauch
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Germania akzeptiert den „Rauswurf“ aus dem JFV Leer nicht. Der JFV-Vorstand hält an seinem Beschluss fest, bewertet die Rechtslage anders. Ein JFV-Aus im Sommer hätte für Germania drastische Folgen.

Leer - Zwölf Jahre nach der Gründung des JFV Leer kommt es im Sommer vermutlich zum Abschied eines Gründungsmitglieds. Das drohende Aus für den VfL Germania Leer im Jugendförderverein, das Ende Januar öffentlich wurde, könnte für den VfL drastische Folgen haben. Momentan stellt der Männer-Bezirksligist 70 der 190 Spieler im JFV Leer. Diese können ab Sommer weiter für den JFV spielen – dazu müssten sie dann aber den VfL Germania Leer verlassen und zu den anderen beiden JFV-Stammvereinen Frisia Loga oder Borussia Leer wechseln. Germania könnte auf einen Schlag 70 Jugendfußballer verlieren. Es wäre ein Tiefschlag für den taumelnden Traditionsverein.

2011 gründeten die Stadtrivalen Frisia Loga und Germania Leer den JFV Leer, um ab der D-Jugend die Kräfte zu bündeln. Trotz einiger sportlicher Erfolge war die Gemeinschaft auf Funktionärsebene eher eine Zweckgemeinschaft als eine Liebesbeziehung. Es ist ein offenes Geheimnis, dass beide Klubs mit ihren Beitragszahlungen an den eigenständigen Verein oft in Rückstand gewesen waren. Die Trennung stand schon einige Male im Raum, letztlich raufte man sich wieder zusammen – oder besser gesagt überwies das fehlende Geld. Oft mit Verspätung.

Germania Leer zahlte zu spät

Auch diesmal landeten fest vereinbarte Beiträge wieder verspätet auf dem JFV-Konto. Diesmal mit Konsequenzen. Weil Germania Leer die Frist vom 15. Januar verpasst hatte, entschied der Vorstand des JFV Leer in einer Sitzung am 16. Januar, dass der „Kündigungs“-Passus diesmal umgesetzt wird. Eine nicht fristgerechte Bezahlung bis zu diesem Stichtag ist laut Kooperationsvertrag gleichbedeutend mit einer Kündigung zum 30. Juni.

Die Vorstände der Stammvereine Frisia Loga (Gründungsmitglied) und Borussia Leer (kam vor ein paar Jahren dazu) unterstützten die Entscheidung gegen Germania Leer.

Nur eine Seite kann recht haben

Doch Germania Leer will weiter Teil des JFV Leer sein. „Germania ist in dem JFV Leer und wird auch künftig über den 1. Juli 2023 hinaus im JFV Leer bleiben. Das ist auch der Stand, welchen der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) genauso sieht“, erklärte Germania nun in einer Mitteilung. „Warum jetzt die beiden Stammvereine das als Kündigung von Germania sehen wollen, obwohl in der Vergangenheit der eine oder andere auch nachweislich verspätet bezahlt hat, ist uns nicht verständlich.“

Auch der 1. JFV-Vorsitzende Heino Müller bedauert als Freund des Leeraner Fußballs und früherer Spieler und Trainer von Germania Leer die Entwicklung mit dem JFV-Aus für Germania. Es sei ein schleichender Prozess gewesen, viel Vertrauen war verloren gegangen. Der Jugendförderverein würde sich mit der Entscheidung aber im rechtssicheren Raum bewegen. „Wir haben uns im Vorfeld der Entscheidung auch beim NFV rückversichert. Der Kündigungs-Passus im Kooperationsvertrag ist wasserdicht“, sagt Müller, der sich seit einigen Jahren im Jugendförderverein engagiert. Alles andere sei Sache des JFV, habe der NFV mitgeteilt. Damit widerspricht der JFV Germanias Aussage komplett.

Gesprächsfaden ist längst gerissen

In seiner nun veröffentlichten Pressemitteilung beklagt sich Germania Leer zudem nochmals darüber, dass der Verein nicht zu der Abstimmungssitzung eingeladen worden war. „Die geheime Sitzung, die der Vorstand des JFV Leer mit den anderen beiden Stammvereinen durchgeführt hat, ist nicht rechtens. Der JFV Leer als eigenständiger neutraler Vorstand hätte rechtmäßig alle Stammvereine zu einer Sitzung einladen müssen und nicht nur ausgewählte, die über den anderen entscheiden. Die getroffene Entscheidung ist daher auch nichtig.“ Auch in diesem Punkt widerspricht der JFV Leer, der den Beschluss auch ohne Germania-Beisein als rechtens ansieht.

Germania wirft den Stammvereinen vor, Gesprächsangebote in den vergangenen Wochen nicht angenommen zu haben. Offensichtlich ist auf beiden Seiten viel Porzellan zerschlagen worden, der Gesprächsfaden längst gerissen.

JFV Leer bleibt bestehen

Dabei dürften auch Ereignisse aus dem Erwachsenenfußball nicht zu mehr Miteinander geführt haben. Kürzlich wechselten sechs Spieler von Frisia Loga II zu Kickers Leer, der wiederum eine Spielgemeinschaft mit Germania Leer hat. Sie wurden alle gesperrt. Und im Herbst gab es nach einem Spielabbruch zwischen Borussia Leer und Kickers Leer II auch Ärger und unterschiedliche Sichtweisen. Dazu muss man wissen, dass Germanias 2. Vorsitzender Ferhat Özdemir auch Klubchef von Kickers Leer ist.

Und was passiert nun mit den Kindern und Jugendlichen, um die es im Jugendförderverein geht? „Der JFV wird auch nächste Saison ganz normal weiter bestehen, nur eben ohne Germania Leer“, sagt Heino Müller. Von den zehn JFV-Jugendteams von der A- bis zur D-Jugend würde auch kaum noch ein Team auf den Sportplätzen des VfL Germania Leer trainieren oder spielen, so Müller.

Verlassen 70 Jugendkicker Germania?

Sollte Germania Leer im Sommer tatsächlich austreten müssen, müssten die 70 Kinder, die ihren Spielerpass bei Germania Leer haben, zu Frisia Loga oder Borussia Leer wechseln, um weiter beim JFV spielen zu können. Das steht eindeutig in der Jugendordnung des NFV.

Das sind formelle Akte, die einigen bis vielen Eltern und Spielern möglicherweise nicht schwer fallen würden, da inzwischen der JFV Leer „ihr“ Verein ist und die Kinder vermutlich weiter in den bestehenden JFV-Teams und Spielklassen agieren wollen.

Germania Leer könnte all das ins Mark treffen. Aus dem Nichts eine Jugendabteilung oberhalb der E-Jugend aufzubauen, wäre nur mit enormem Einsatz von Jugendtrainern und Funktionären möglich. Der Posten des Jugendwarts ist laut Homepage derzeit aber vakant, der dort noch aufgeführte Mario Rauch ist längst nicht mehr im Amt und im Verein tätig. Und Germanias Jugendtrainer-Legende Lambert Tergast befindet sich längst im verdienten Ruhestand. Momentan hat Germania laut dem offiziellen Portal Fussball.de eine F- und eine E-Jugend im Spielbetrieb – plus die 70 Spieler im JFV Leer. Nur wie lange noch?

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