Zuschauerrekord und neue Gesichter Aufstiegshelden sitzen bei Kickers nun auf der Bank
Kickers Emden zeigt im neuen Jahr starke Auftritte. Das lockt viele Fans an und sorgte gegen den HSV II sogar für Bratwurstzoff. Dafür standen aber nur noch drei Ostfriesen in der Startformation.
Emden - Als Trainer Stefan Emmerling vom BSV Kickers Emden bei der Pressekonferenz nach der 1:2-Niederlage gegen den Hamburger SV II die Zuschauerzahl vorgelegt bekam, umfasste sein treffender Kommentar nur ein Wort: „Wow!“ Der so gut wie abgestiegene Regionalliga-Tabellenletzte stellte am Freitag nach nur einem Sieg in den elf Heimspielen zuvor mit 1114 zahlenden Gästen völlig überraschend einen Besucherrekord auf, der auch den Chefcoach verblüffte: „Ich hatte auf vielleicht 800 gehofft.“
Trotz der unglücklichen Niederlage werden die Fans ihr Kommen nicht bereut haben. Offene Kritik gab es via Facebook nur an einem Zustand weit jenseits des Spielfelds. Die Bratwürste sollen zur Pause viel zu spät auf den Grill gelegt worden seien, so dass sich lange Schlangen bildeten und manch ein Fußballgast hungrig blieb.
Gründe für Zuschauerandrang
Offenbar wurden die Wurstverkäufer vom Massenandrang ebenso überrascht wie der Trainer, der hinterher über die Gründe der voll besetzten Tribünen spekulierte: „Es war ein Flutlichtspiel und der Name HSV hat offenbar immer seinen Reiz“, sagte Emmerling. „Aber vermutlich waren die Fans auch neugierig, weil wir in den ersten beiden Spielen des Jahres gepunktet haben.“
Die Stadiongäste wurden schon nach 89 Sekunden mit dem frühesten Kickers-Tor der laufenden Saison und anschließend mit einer überaus starken Leistung belohnt. Gegenüber der 1:6-Pleite im Hinspiel und den Auftritten vor dem Jahreswechsel war Kickers kaum wiederzuerkennen. Dabei hatte der Trainer abgesehen von Torhüter Malte Schuchardt nur drei Winterneuzugänge aufgeboten (Leon Kugland, Ismet Osmani und Ilyas Bircan). „Die insgesamt sechs Neuzugänge haben einen frischen Geist in die Mannschaft gebracht“, sagt der Coach. „Das merkt man auch beim Training. In der Hinrunde haben wir oftmals lethargisch agiert.“
Ostfriesische Ersatzbank
Hinzu kommt mit dem niederländischen Freitag-Torschütze Rico Cordes, der sich erst kurz vor Jahresende in die Startformation spielte, ein weiterer Quasi-Neuzugang. Die neuen Gesichter auf dem Feld verdrängen derzeit die Freundesclique aus Landesligazeiten aus der Startformation. Holger Wulff hat Kickers bereits verlassen. Milad Faqiryar saß verletzt auf der Tribüne. Heiko Visser, Bastian Dassel, Matthias Goosmann und Yanic Konda hockten gegen den HSV auf der Ersatzbank.
Weitere Akteure wie Corvin Braun (Bunde), Tade Niehues (Ihlow) und Isaak Djokovic (Emden) oder Gabriel Bamezon (Moordorf) vervollständigten die Ostfriesenbank. Von den Helden des Doppelaufstiegs standen nur noch Torjäger Tido Steffens und Marvin Eilerts in der Startformation. Sie bildeten mit Nachwuchsmann Dirk Frerichs das verbliebene Ostfriesen-Trio in der BSV-Startelf.
Planungen für neue Saison laufen
„Natürlich fällt es mir sehr schwer, verdiente Stammspieler auf die Bank zu setzen“, sagt der Trainer. Sein Job aber sei es nun einmal, die bestmögliche Elf auflaufen zu lassen. Für Emmerling ist es keine Option nach dem so gut wie besiegelten Abstieg, unabhängig von der Leistung die regionalste Elf aufs Feld zu schicken, weil neue Akteure wie Bircan oder Osmani im Sommer schnell wieder verschwunden sein könnten.
„Wir haben auch bei unseren Ostfriesen keine Garantie, dass sie weitermachen“, sagt der Trainer und verweist darauf, dass der Aufwand für etliche von ihnen aufgrund der beruflichen oder familiären Situation schon lange grenzwertig sei. „Und vielleicht hätten im Falle des Abstiegs auch Leute wie Bircan oder Osmani Lust, am Projekt Wiederaufstieg mitzuwirken.“
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Solch engagierte Auftritte wie im neuen Jahr bereiten laut Emmerling auf jeden Fall allen mehr Spaß am Fußball. Und die weitaus positivere Außenwirkung beflügelt die Planungen für die neue Saison. „Natürlich haben wir schon Gespräche geführt – auch mit möglichen Neuzugängen“, sagt Emmerling. Der eindeutige Tabellenstand hat dabei einen Vorteil: Kickers muss nicht zweigleisig planen, sondern eine starke Oberligamannschaft basteln.