Emder 1:2 gegen HSV II Kuriose Flutlichtpanne und ein dunkles Kickers-Kapitel
Pech und Pannen kennzeichneten die über weite Strecken glanzvolle Emder Partie gegen den HSV. Ein Akteur war am Ende besonders verzweifelt, ein anderer gehört derzeit zu den Lichtblicken im Team.
Emden - Bei Fußball-Regionalligist BSV Kickers Emden gehen nach der 1:2-Niederlage gegen HSV-Reserve bei mindestens 15 Punkten Rückstand auf die rettende Zone und nur noch zwölf Partien die Regionalligalichter endgültig aus. Am Freitag gegen die Hamburger U21-Auswahl gingen die Lampen aber gar nicht richtig an. Eines der spannendesten, besten und unglücklichsten Emder Saisonheimspiele erwies sich deshalb nicht erst beim Abpfiff als ein besonders dunkles Kapitel der Emder Viertligahistorie.
Die 1114 Zuschauer konnten zwar alle Szenen auf dem Spielfeld erkennen, doch je nach Areal und Flutlichtmast spielten sich die Aktionen im grell erleuchteten Viertel an der Nordseite der Stehplatztribüne, im schattigen Dämmerlicht der Spielfeldmitte oder im düsteren Bereich der Nordseehallenseite ab.
Sturm stoppte Lampen-Montage
„Das war leider nicht mehr zu ändern“, sagte der stellvertretende BSV-Vorsitzende Albert Ammermann. Schuld am skurrilen Romantiklicht war ganz allein der Sturm über Tag. Der BSV Kickers hatte den guten Vorsatz, die Beleuchtung rechtzeitig für die Partie gegen den namhaften Tabellenzweiten auf die energieschonende LED-Variante umzustellen. Doch die Monteure mussten am Freitag ihre Arbeiten abbrechen, ehe das Werk vollendet war.
„Bei dem Sturm konnten die Steiger nicht mehr den Mast hochklettern“, erklärte Ammermann. „Das wäre viel zu gefährlich gewesen.“ So kam es, dass die Flutlichtmasten mit unterschiedlich vielen Lampen bestückt waren und somit natürlich alles andere als eine einheitliche Strahlkraft entwickelten.
1:1 fiel im düsteren Bereich
Möglicherweise besaßen die unzureichenden Lichtverhältnisse sogar entscheidenden Anteil am Spielausgang. Denn ob nach herausragenden 50 Emder Minuten und einer verdienten 1:0-Führung der Ausgleichstreffer der Hamburger auch bei perfekter Beleuchtung gefallen wäre, lässt sich zumindest in Frage stellen. Denn beim Dribbling des zur Pause eingewechselten Ayukayoh Mengot an der Emder Außenlinie, wähnten die Kickers-Akteure den Ball jenseits des Spielfeldes. „Der war klar im Aus“, sagte BSV-Kapitän Tido Steffens nach der Partie.
„Slapstick“-Gegentor und strittige Elfmeter-Entscheidungen
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Doch erkennen ließ sich das im trüben Lichtbereich wohl weder eindeutig aus der Linienrichterperspektive noch von der Platzmitte aus, wo der Lübecker Schiedsrichter Max Rosenthal postiert war. Und nachdem Mengot den Ball aus spitzem Winkel Richtung Tor bugsiert hatte, mag der mangelnde Durchblick der BSV-Abwehr vielleicht auch der ein oder anderen fehlenden LED-Lampe geschuldet gewesen sein. So lenkte André N‘Diaye den Ball leicht mit dem Fuß ab, ehe er zum Entsetzen der so euphorischen Fans durch die Beine von Torhüter Malte Schuchardt ins Netz kullerte. „Das war Slapstick“, sagte Kapitän Tido Steffens.
Torwart untröstlich
Nachdem der Gast per Elfmeter noch das 2:1 erzielt hatte, war Unglücksrabe Schuchardt untröstlich. Beim Abpfiff verließ der Torwart mit glasigen Augen, verzweifeltem Blick und Flüche murmelnd das Spielfeld. Restlos enttäuscht wirkten auch seine Teamkollegen. Die knapp verpasste Sensation gegen den Tabellenzweiten und das Erlöschen des letzten Fünkchens Hoffnung auf den Klassenerhalt ließ sie alle verzweifelt auf dem Feld zurück . „Ich bin riesig, riesig enttäuscht“, sagte Abwehrmann Marvin Eilerts. „Es ist zum K . . .“
Der 24-Jährige, der vor ein paar Wochen noch abgeschoben werden sollte, ehe Trainer Stefan Emmerling doch einen Rückzieher machte, zeigt nach seiner Beinahe-Ausbootung herausragende Leistungen. Auch gegen den HSV grätschte, köpfte und blockte er in der Abwehrmitte in vorbildlicher Manier. „Ich kann befreit aufspielen“, sagte er. „Stefan Emmerling und ich haben einen Schlussstrich unter die Sache gezogen. Nun macht es mir richtig Spaß in der Regionalliga zu spielen.“ Keine Frage, Eilerts ist derzeit ein Lichtblick im Emder Team. Aber egal, wie sich die Beleuchtungssituation rund ums Spielfeld entwickelt, für den Emder Klassenverbleib sieht es zappenduster aus.