Langjähriger Emder Spieler Holger Wulff „Es tut noch weh, wie ich bei Kickers behandelt wurde“
Im Oktober trennte sich der Regionalligist plötzlich vom Stammspieler. Der Vertrag wurde nun erst aufgelöst. Jetzt äußert sich Wulff zur Ausbootung, seiner Gefühlslage und der Großefehn-Zukunft.
Aurich/Emden - Holger und Kim Wulff haben ihr Einfamilienhaus in Aurich liebevoll eingerichtet und es sich richtig gemütlich gemacht. Im großen Wohnzimmer hängen an einer Wand auch einige Fotos von Urlaubsreisen – tolle Erinnerungen. In einer anderen Ecke befinden sich auch Bilder von Holger Wulff im Trikot von Kickers Emden. Jubelbilder, mal alleine, mal mit Mitspielern. Erinnerungen an eine sportlich lange wunderbare Reise, die nach mehr als sechs Jahren im Oktober abrupt endete.
„Es tut mir noch immer weh, wie es für mich bei Kickers zu Ende ging und wie ich behandelt wurde. Ich bin Großefehner. Aber ich war so lange hier, dass auch Kickers für mich zu einem Herzensverein geworden ist“, sagt der 33-Jährige. Erst wenige Tage sind vergangen, seit sein Vertrag beim Fußball-Regionalligisten nun aufgelöst wurde und er offiziell zu seinem Heimatverein SV Großefehn in die Bezirksliga zurückgekehrt ist. Er freut sich, wieder auf dem Platz zu stehen – der Abschied in Emden beschäftigt ihn aber noch immer.
Wulff noch immer sehr enttäuscht
Mitte Oktober baten Vorstand und Trainer Stefan Emmerling Mittelfeldspieler Holger Wulff, der auch Teil des Mannschaftsrates war, zum „Perspektivgespräch“. „Mir wurde da mitgeteilt, dass man ab sofort sportlich nicht mehr mit mir plane“, erzählt der Soldat des Taktischen Luftwaffengeschwaders in Wittmund. Für Wulff ein Schock. „Sportlich lief es bei uns allen natürlich nicht, da kann ich mich auch nicht von freisprechen. Aber ansonsten hatte ich mir nichts zu Schulden kommen lassen. Dann mitten in der Saison aussortiert zu werden, habe ich nicht verstanden und schmerzt heute noch. Das war gerade zu Beginn keine einfache Zeit. So einen Abschied wünscht man sich nicht von einem Verein, mit dem man so verbunden ist.“
Er hatte seit dem Sommer 2016 für Kickers gespielt, war auf dem Weg vom Landesliga-Spitzenteam (6. Liga) zum überraschenden Regionalliga-Aufsteiger Stammspieler und Leistungsträger. In der 4. Liga musste auch er feststellen, dass man nun in einer sportlich anderen Welt gelandet ist. Bis zu seinem Ende im Oktober hatte er in elf von zwölf Spielen mitgewirkt, achtmal von Beginn an. Letztmals am 1. Oktober beim 0:3 gegen Phönix Lübeck. Es folgte am Mittwoch darauf das Ostfriesland-Cup-Finale gegen Firrel (2:3) mit einer Auswechslung zur Pause, eine Trainingseinheit, ein spielfreies Wochenende – und das plötzliche Aus, zu dem alle Beteiligten bisher weitestgehend schwiegen. Der langjährige Stammspieler spricht nun erstmals über seine Ausbootung. Gesprächs-Anfragen lehnte er in den vergangenen Monaten immer ab. Sein Vertrag lief noch.
Vertragsauflösung dauerte lange
Neben seinem Aus mitten in der Hinserie sorgte eben auch die erst so späte Vertragsauflösung für Aufsehen. Erst kurz vor Ende der Wechselfrist Ende Januar kam es zwischen Wulff und dem stellvertretenden Kickers-Vorsitzenden Albert Ammermann zu einem klärenden Gespräch. Zuvor war er von Verantwortlichen oft vertröstet worden. Dabei hatte es offensichtlich auch im Vorstand Kommunikationsprobleme gegeben. Dabei wollte sich Kickers ja von Wulff trennen – nicht umgekehrt.
Im Gespräch mit Ammermann wurde auch der Umgang mit offenen Zahlungen von Kickers an Wulff geklärt. Dass Emden finanzielle Probleme und oft Außenstände hat, ist kein Geheimnis. Als Holger Wulff dann seinen Auflösungsvertrag unterschrieben hatte, konnte auch endlich die Rückkehr nach Großefehn besiegelt werden. „Ich hatte Anfragen einiger Vereine“, sagt Holger Wulff. Doch für den Mittelfeldspieler stand schon vor Wochen fest, dass er nach Großefehn zurückkehrt.
Vater freut sich über Rückkehr
Dort spielte er bis auf zwei kurze einjährige Gastspiele bei der SpVg Aurich und Kickers Emden die gesamte Jugendzeit und entwickelte sich als junger Herrenspieler in der Bezirks- und Landesliga schnell zum Leistungsträger. 2015, mit 25 Jahren, ging es dann zu Germania Leer, ehe seine Kickers-Zeit ein Jahr später begann.
„Ich hatte mich die letzten Monate selber fit gehalten, freue mich jetzt aber auch wieder auf Fußball- und Mannschaftstraining“, sagt der 33-Jährige. Neben früheren Weggefährten – Tamme Bölts (Sportlicher Leiter), Bi Le Tran (Trainer), Stefan Hinrichs (Co-Trainer) – und dem Team freut sich besonders sein Vater Rewert über die Rückkehr. „Das ist wunderbar“, sagt der 67-Jährige, der seit zwölf Jahren Betreuer bei der 1. Herren ist. „Schön, dass er fußballerisch wieder zuhause ist. Ich habe immer gehofft, dass wir nochmal zusammen in einem Team sind.“
Rückkehr zu Kickers denkbar?
Aus der Mannschaft sind noch einige wenige Spieler dabei, mit denen er 2015 noch zusammengespielt hatte. Auch auf Jannik Swieter hätte das zugetroffen. Doch der musste vor einigen Monaten kurz vor seinem 30. Geburtstag aus Verletzungsgründen seine Laufbahn beenden. „Das tut mir sehr leid für Jannik. Ich hätte gerne nochmal mit ihm gespielt.“ Wulff übernimmt nun die Nummer seines Kumpels – die 7 ist auch die Lieblingsnummer von Wulff.
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In Großefehn will und soll Wulff künftig auch mehr sein als ein Spieler. Er schaut den Trainern über die Schulter, soll nach und nach mehr eingebunden werden. „Ich habe Lust, nach der Spielerlaufbahn als Trainer zu arbeiten“, verrät der Blondschopf.
Doch erstmal wird er nun seinen Heimatverein, immerhin Bezirksliga-Zweiter, vor allem als Fußballer verstärken. Das Kapitel Kickers Emden ist seit wenigen Tagen offiziell beendet, emotional aber noch nicht. Und das soll es auch nicht, vielleicht würden sich die Wege irgendwann nochmal kreuzen, so Wulff. „Ich hatte zu 90 Prozent eine überragende Zeit bei Kickers, die auch überwiegend sehr erfolgreich war. Bei den tollen Fans und vielen Weggefährten auf und neben dem Platz möchte ich mich für alles bedanken“, sagt Wulff. „All das werde ich nie vergessen.“