Finanzen Auf Borkum boomt das Bargeld
Die Sparkasse Leer-Wittmund registrierte an ihren Automaten auf der Insel im vergangenen Jahr 170.000 Abhebungen. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Borkum/Landkreis Leer - „Bargeld lacht“, heißt es im Volksmund – und geht es danach, hat man auf Borkum offenbar besonders gute Laune. Jedenfalls wenn man die Nutzer-Frequenz an den drei Geldautomaten der Insel-Filiale der Sparkasse Leer-Wittmund betrachtet. Frank Fastenau, stellvertretender Pressesprecher, beziffert die Anzahl der Abhebungen im vergangenen Jahr auf 170.000, ein Niveau ungefähr wie in den Vor-Corona-Jahren 2018 und 2019. Interessant: 75,5 Prozent stammten 2022 von Nicht-Sparkassen-Kunden, die also die anfallende Gebühr in Kauf nahmen. „Das können natürlich Einheimische sein, im Wesentlichen werden es aber die Touristen sein“, schätzt Fastenau. Eine Gesamtsumme der abgehobenen Geldbeträge dürfe er aus Sicherheitsgründen nicht nennen.
Die Pandemie-Zeit, so der Sprecher weiter, müsse man bei den Betrachtungen ausklammern. „Da war das Zahlungsverkehrsverhalten der Menschen komplett anders. Es gab ja mal eine Zeit, wo gesagt wurde, Bargeld könne auch Corona übertragen.“ Und was sind die Ursachen für den „Bargeld-Boom“ auf Borkum? „Auf der einen Seite ist Borkum ein Tourismusgebiet und da werden noch gerne Bargeschäfte gemacht. Deswegen ist Bargeld immer gefragt. Es gibt natürlich auch Menschen, die Karten und Geldautomaten nicht so vertrauen, sondern lieber Bargeld in der Tasche haben“, erläutert Frank Fastenau. Zudem, deutet er an, gebe es wohl auch einen Zusammenhang mit der noch nicht allzu verbreiteten Infrastruktur auf der Insel in Sachen Kartenzahlung. Ein weiterer Faktor: der Rückzug der Konkurrenz, etwa der Oldenburgischen Landesbank (OLB) Ende 2021.
Geringes Risiko für Automaten-Sprengungen
Apropos: Wie sicher ist der Geldautomaten-Standort Borkum bei der Sparkasse Leer-Wittmund? Frank Fastenau: „Ich kann nicht in die Glaskugel gucken, ob wir in fünf Jahren nur noch zwei haben oder vier. Auf jeden Fall werden wir auf der Insel Borkum mit der SB-Technik vor Ort bleiben“, versichert er. Das Thema Sicherheit – erst kürzlich wurde der Geldautomat bei Multi Nord in Leer zerstört – behalte man derweil auch auf Borkum im Blick, schätzt das Risiko dort für Automaten-Sprengungen aber als überschaubar ein. Denn es sei für die „Lumpen“ schwieriger, von der Insel runterzukommen, so Fastenau.
In Leer haben der Vorstandsvorsitzende Carsten Rinne und Stellvertreter Ingo Fortkamp die Jahresbilanz der Sparkasse Leer-Wittmund vorgestellt. Diese ist unterm Strich um fünf Prozent auf 2,92 Milliarden Euro gestiegen. An Unternehmen und Selbstständige richtete die Sparkasse im vergangenen Jahr 276 Millionen Euro an Krediten aus. Im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum um 13 Prozent. „Wir sind besonders stolz darauf, dass es Firmenkunden aus der Region sind“, sagt Rinne. Die Kreditbestände sind ebenfalls um zwölf Prozent auf nun rund 1,1 Milliarden Euro angestiegen. „Die Zahlen zeigen, dass unsere mittelständischen Kunden besser als erwartet durch die Krisen gekommen sind“, berichtet Ingo Fortkamp. Gleichzeitig bemerke man eine Vorsicht bei den Unternehmen. Sie wollten das Geld erst einmal zusammenhalten.
Einlagen wachsen auf ein Rekordhoch
Auch im privaten Sektor war die Sparkasse Leer-Wittmund, die insgesamt 479 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt, aktiv. Hier wurden neue Kredite in Höhe von 46 Millionen Euro vergeben. Ein Plus von 23 Prozent. Der Trend der steigenden Kundeneinlagen reduzierte sich im Jahr 2022 erstmals wieder etwas. Die Einlagen wuchsen zwar um weitere 163 Millionen Euro auf ein Rekordhoch von knapp 2,38 Milliarden Euro an – mit einer Steigerung von 7,36 Prozent ist das jedoch im Vergleich zu den Vorjahren ein deutlich geringeres Wachstum. Nun schaut man auf das Jahr 2023 – mit etwas sorgenvollem Blick.
Etliche Menschen wüssten schon heute nicht mehr, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Verfestige sich die Inflation und stiegen die Energiepreise noch weiter, würden viele in Schwierigkeiten kommen. Das gelte auch für Betriebe und Selbstständige. „Am Ende des Tages muss die Politik weiterhin gezielt Entlastungen schaffen, die vor allem die Menschen und Betriebe erreichen, die durch den Preisauftrieb am stärksten betroffen sind“, sagt Ingo Fortkamp. Man wolle jedoch optimistisch bleiben und fühle sich für die Herausforderungen gut aufgestellt. „Es wird anspruchsvoll. Aber, wir kriegen das hin“, gibt sich der Vorstandsvorsitzende Carsten Rinne zuversichtlich. Und meint dabei seine Sparkasse in Kombination mit den Menschen und Betrieben der Region.