OHV spielt 27:27 gegen Hannover WM-Effekt? 1480 Fans sorgen für Auricher Saison-Rekord
Seit Monaten kämpft der OHV darum, wieder mehr Fans in die Halle zu bekommen. Sonntag gelang dies eindrucksvoll. Die 1480 Zuschauer sollten ihr Kommen nicht bereuen.
Aurich - Die so erfrischenden Auftritte der Nationalmannschaft bei der WM in Polen sorgen derzeit für Handball-Euphorie in den deutschen Wohnzimmern. Zwischen Niederlande-Sieg am Samstag und Norwegen-Topspiel am Montag bekam auch der Drittligist OHV Aurich ein kleines Stück vom WM-Kuchen ab. Sicher war es auch etwas der Geist von Kattowitz, der für so volle Tribünen wie schon lange nicht mehr in der Auricher Sparkassen-Arena gesorgt hatte. Die Saison-Rekordkulisse von 1480 Zuschauern erlebte am Sonntag dann beste Unterhaltung im Krimi-Format, die in der Schlussphase beim 27:27 das Zeug zum Thriller hatte.
„Die Stimmung war toll, richtig toll“, freute sich OHV-Kapitän Kevin Wendlandt, der diese wegen einer Erkältung in der Woche erst in den letzten zehn Minuten auf dem Feld genoss. Er hatte nicht ein einziges Mal trainieren können. „Gerade die jungen Spieler kann so eine Atmosphäre auch noch mal extrem beflügeln.“
100 Larrelter und 50 Marienhafer
Einer von ihnen war Jonas Wark, der ein starkes Spiel zeigte. Nicht nur wegen seiner sieben Treffer. Der wendige Rückraumspieler blickte nach der Partie in zwei Blöcke, in denen jeweils große Gruppen von Jugendabteilungen saßen. „Solche Aktionen sind klasse, gerne mehr davon. Für die Jugendteams macht das großen Spaß – und wir können so auch vielleicht neue Fans gewinnen.“
Spieldaten
Aurich: Kuksa, Jungvogel; de Buhr (nicht eingesetzt), Wendlandt (2), Vorontsov (5/ davon zwei Siebenmeter), M. Pliuto (5), N. Pliuto (4), Wark (7), Hertlein (1), Crnic 2/1) Radjenovic (1), H. Stoehr, Meinke, S. Stoehr, Tuinmann (alle n.e.)
Siebenmeter: OHV 5/2 verwandelt; HSV 6/4
Zeitstrafen: OHV: 4; HSV: 4
Torfolge: 1:2 (5.), 4:4 (12.), 7:8 (20.), 11:8 (24.), 15:14 (30.), 19:14 (35.), 21:21 (44.), 23:24 (54.), 25:25 (58.)
Mehr als 100 Personen der Sportfreunde Larrelt saßen in ihren grünen Vereinsoutfits auf der einen Seite, mehr als 50 von TuRa Marienhafe in ihren blauen Trainingsanzügen auf der anderen Seite. Sie alle machten mächtig Stimmung. Die Larrelter Nachwuchshandballer agierten auch als Einlaufkinder. „Und sicherlich waren heute auch ein paar Leute mehr da, weil der Handballsport durch die WM derzeit sehr präsent ist“, sagte der 21-jährige Wark.
OHV mit schwierigen Vorzeichen
Mit dem Torewerfen ließen sich die Teams allerdings etwas Zeit. Nach acht Minuten waren erst drei Treffer gefallen. Mit dem 2:2 durch Aurichs Evgeny Vorontsov (9.) nahm das Ganze an Fahrt auf. Zuvor hatten die Torhüter und Abwehrreihen dominiert. Die Partie wog hin und her. Eine Auricher Drei-Tore-Führung war so schnell verspielt wie sie erarbeitet worden war.
Dennoch gingen die Ostfriesen mit einem guten Gefühl in die Halbzeit. Das lag nicht nur am 15:14-Treffer vom guten Kreisläufer Nikita Pliuto zwei Sekunden vor Ende der Zeit. „Wir sind angesichts der Umstände heute mit defensiveren Erwartungen in das Spiel gegangen“, sagte Co-Trainer Eric Hettmann nach der Partie. Petar Puljic fehlt bekanntlich verletzt, Wilke Buhr schnupperte nach langer Pause erstmals Kader-Luft (ohne Einsatzminute), Kevin Wendlandt war nur für einen Mini-Einsatz fähig und Jannes Hertlein spielte mit Knie-Problemen.
Schlussphase hat es in sich
„Die Jungs haben aber super gekämpft“, lobte der 32-jährige Wendlandt sein junges Team, das sich nach der Pause in einen kleinen Rausch spielte und plötzlich 19:14 führte (35.) – Auszeit Hannover.
Das 21:17 von Jonas Wark sollte dann kurz darauf für zwölf Minuten das letzte OHV-Tor gewesen sein. Einige falsche OHV-Entscheidungen und zwei Zeitstrafen für Aurich später hieß es dann 21:21. Alles auf null. Inzwischen hatte der 21-jährige Torwart Marten Jungvogel den Platz vom lettischen National-Torwart Edgars Kuksa eingenommen. Er hielt direkt den ersten Wurfversuch von Außen – die Halle tobte. Und beflügelte ihn und den OHV. Die ersten vier Würfe auf sein Tor gingen nicht hinein. Und als Jonas Wark dann die Offensivflaute mit dem 22:21 beendet hatte (49.), begann eine nervenaufreibende Schlussphase.
Udo musste ohne Wilke kommen
Die hatte alles zu bieten, was den Handball so spannend macht. Und dann, die letzte Minute: Ein tolles Wark-Zuspiel verwertet Linksaußen Maxim Pliuto zum 26:25 für Aurich. Sebastian Czok antwortet 36 Sekunden vor Schluss mit dem 26:26. Als dann Wark und Pliuto wie beim 26:25 für das 27:26 sorgen, steht die Halle elf Sekunden vor Schluss Kopf. Ein letzter Czok-Wurf schlägt zwei Sekunden vor der Sirene aber tatsächlich noch zum 27:27 ein.
Der Czok-Schock sitzt aber nicht tief. „Es war ein gerechtes Remis, unter schwierigen Vorzeichen für uns“, sagt Wark, während er zufrieden auf die vollen Tribünen blickte. Dort saß auch Udo Tesch mit drei Kollegen vom Fußballverein SuS Steenfelde. Der Platzwart, der im Internet wegen spaßiger Videos eine kleine Berühmtheit ist, war mit dem anderen bekannten SuS-Gesicht Wilke Zierden eingeladen worden. Auch damit wollte der OHV noch den einen oder anderen Fan mehr mal in die Halle locken. Wilke Zierden musste wegen Problemen mit den Weisheitszähnen absagen. Schade für ihn. Er hat richtig was verpasst.
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