Vereinsserie - 1. Teil  Heimatverein hält Borkums Geschichte lebendig

| | 19.01.2023 11:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gruppenfoto nach der ersten Vorstandsrunde des Jahres im Toornhuus: Klaas Bakker (von links), Jürgen Müller, Schatzmeister Peter Scheidig, Markus Stanggassinger, Sabine Homering, Inga Ohlsen (erste Schriftführerin), Museumsleiter Dr. Helmer Zühlke, Eike Müller (Archiv), Hans Donat (stellvertretender Museumsleiter) und Joachim Bakker (zweiter Schriftführer). Foto: Ferber
Gruppenfoto nach der ersten Vorstandsrunde des Jahres im Toornhuus: Klaas Bakker (von links), Jürgen Müller, Schatzmeister Peter Scheidig, Markus Stanggassinger, Sabine Homering, Inga Ohlsen (erste Schriftführerin), Museumsleiter Dr. Helmer Zühlke, Eike Müller (Archiv), Hans Donat (stellvertretender Museumsleiter) und Joachim Bakker (zweiter Schriftführer). Foto: Ferber
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Seit über 100 Jahren gibt es den Heimatverein der Insel Borkum. Neben der Vergangenheit haben die Heimatfreunde aber auch die Zukunft im Blick. Vor allem ein Großprojekt wird dabei forciert.

Borkum - Neues Jahr, neue Serie: Wir von der Borkumer Zeitung möchten künftig in jeder Donnerstagsausgabe einen Borkumer Verein vorstellen – und von denen gibt es zahlreiche. Wird doch ehrenamtliches Engagement vielerorts auf der Insel groß geschrieben. Wir starten unsere Serie mit einem der sicherlich bekanntesten Vereine: dem Heimatverein der Insel Borkum.

Wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach erweitert: das Heimatmuseum "Dykhus". Foto: Ferber
Wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach erweitert: das Heimatmuseum "Dykhus". Foto: Ferber

Es ist die erste Vorstandsrunde im neuen Jahr und der Vorsitzende Markus Stanggassinger und sein Team haben im Toornhuus schon wieder eine ganze Reihe an Themen zu besprechen – sei es die Organisation für den Neujahrsempfang im Heimatmuseum „Dykhus“, die Stelle einer Reinigungskraft, die sich mangels Rückmeldungen nicht besetzen lässt, oder der neue Scanner im Archiv. Letzterer, berichtet Archivleiter Klaas Bakker, mache einen „super Eindruck“ und sei „ein wirklicher Gewinn. Damit können wir die Digitalisierung ein Stück weit nach vorne bringen“, ist er sicher.

Im Heimatmuseum "Dykhus" erfährt der Besucher viel über die Geschichte Borkums. Foto: Ferber
Im Heimatmuseum "Dykhus" erfährt der Besucher viel über die Geschichte Borkums. Foto: Ferber

Vorsitzender will „alle Klaviere spielen“

Bewegt sich die Anschaffung des Scanners finanziell im fünfstelligen Bereich, sind bei den geplanten Baumaßnahmen am Alten Leuchtturm, der Anfang der 1980er Jahre von der Stadt an den Heimatverein übergeben wurde, ganz andere Summen im Spiel. Hier stehen über eine Millionen Euro im Raum. Der geschichtsträchtige, derzeit gesperrte „Olde Baas“ soll mit modernem Brandschutzkonzept, Aussichtsplattform und Rettungsbalkon wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – ein ambitioniertes Vorhaben, das ohne Fördermittel kaum gelingen dürfte.

Pflichttermin am Anfang des Jahres: der Vereinsvorsitzende Markus Stanggassinger hält eine Ansprache beim Neujahrsempfang – natürlich auf Platt. Foto: Ferber
Pflichttermin am Anfang des Jahres: der Vereinsvorsitzende Markus Stanggassinger hält eine Ansprache beim Neujahrsempfang – natürlich auf Platt. Foto: Ferber

Kein Wunder, sind Markus Stanggassinger und seine Mitstreiter wie der stellvertretende Schatzmeister Jürgen Müller bereits emsig dabei, nach potenziellen Landes-, Bundes- und Stiftungsmitteln Ausschau zu halten und diese anzuzapfen – möglichst ohne allzu große Stückelung, um den damit verbundenen Verwaltungsaufwand zu umgehen. „Wir spielen auf jeden Fall alle Klaviere“, versichert der Vorsitzende. Alles, was Ministerrang habe und in den vergangenen zwei, drei Jahren die Insel besucht habe, sei mit dem Thema vertraut gemacht worden. Weitere Informationen sind für die Jahreshauptversammlung im März angekündigt.

So hat man früher geschlafen – zu besichtigen im Heimatmuseum. Foto: Ferber
So hat man früher geschlafen – zu besichtigen im Heimatmuseum. Foto: Ferber

Wichtige Quellen für die Heimatforschung

Informieren ist das Stichwort. Das hat sich der Borkumer Heimatverein ebenfalls auf die Fahnen geschrieben – zum Beispiel bei Führungen durch das exponatenreiche Heimatmuseum an der Roelof-Gerritz-Meyer-Straße (ein 3D-Rundgang findet sich auf der Homepage). Dort kann man anhand verschiedener Themenschwerpunkte wie Ortsgeschichte, Tourismus, Walfängerzeit oder Seefahrt und Seenotrettung tief in die Historie der Insel eintauchen. Gleiches ist – auf Anfrage – auch im Archiv im ehemaligen Leuchtturmwärterhaus (heute Toornhuus) möglich. Hier bewahrt der Verein nicht nur zahlreiche alte Ausgaben der Borkumer Zeitung seit den 1880er Jahren auf, sondern auch diverse Bücher, Bilder, Dokumente und Urkunden mit Borkum-Bezug. Allesamt wichtige Quellen, etwa für Familienkunde, Börkumer Platt oder Militärgeschichte.

Hier wird der Tee für die Teestunden vorbereitet. Foto: Ferber
Hier wird der Tee für die Teestunden vorbereitet. Foto: Ferber

Weitere Aufgaben (und teilweise auch Einnahmequellen) des Vereins, der rund 580, meist ältere Mitglieder zählt, sind laut Markus Stanggassinger neben dem Heimatmuseum und der ehrenamtlichen Archivarbeit unter anderem die Bewahrung der plattdeutschen Sprache, Unterhalt und Pflege der Zäune aus Kieferknochen von Grönlandwalen in Leuchtturmnähe sowie Teestunden im Toornhuus mit Gottfried Sauer. Auch auf Facebook und Instagram ist der Heimatverein aktiv. „Hier geht es darum, wahrgenommen zu werden“, erklärt Stanggassinger.

Was stand früher so in der Borkumer Zeitung? Im Archiv lässt es sich nachlesen. Foto: Ferber
Was stand früher so in der Borkumer Zeitung? Im Archiv lässt es sich nachlesen. Foto: Ferber

„All old Gaud van frauger“

Wobei, wahrgenommen wird der Verein eigentlich schon seit mittlerweile über 102 Jahren. Seit seiner Gründung am 9. Januar 1921 durch die Lehrer Thomsen und Scharphuis und eine große Anzahl Gleichgesinnter, wie in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen von 2021 nachzulesen ist. Erstes wertvolles Stück des Vereins war demnach die Jacob Bakker‘sche Sammlung der einheimischen Vögel. Und dabei sollte es nicht bleiben. Denn die damalige Aufforderung an die Bevölkerung, „all old Gaud van frauger“ herzugeben, blieb nicht ungehört, wie ein Blick ins Heimatmuseum zeigt.

Weitere Informationen: www.heimatverein-borkum.de

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