Imke Wübbenhorst zwischen zwei Welten  Beamtin oder Fußballtraum – Trainerin aus Aurich hat Qual der Wahl

| | 18.01.2023 13:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Berner Wankdorfstadion ist seit dem vergangenen Sommer das Zuhause von Imke Wübbenhorst. Fotos: Privat
Das Berner Wankdorfstadion ist seit dem vergangenen Sommer das Zuhause von Imke Wübbenhorst. Fotos: Privat
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Die Auricherin ist nur noch bis 2024 von der Schule freigestellt. Die Fußballlehrerin von YB Bern hat schon eine Vorstellung, ob sie dann ins Klassenzimmer zurückkehrt.

Bern/Aurich - Ostfriesland, Sri Lanka, Bern, Freiburg, Alicante, München, Dortmund – die aktuellen Winterstationen sind ein Beleg für das bewegte Leben von Fußballlehrerin Imke Wübbenhorst. Als Familienmensch genoss die Auricherin den Weihnachtsbesuch in der Heimat und den anschließenden Abenteuerurlaub mit Mutter Kerstin in Sri Lanka. Als Fußball-Profi freut sie sich auf das Testspiel mit den Schweizer Eliteliga-Frauen von Young Boys Bern am Freitag beim SC Freiburg und das Trainingslager ab Sonntag in Spanien. Und als Expertin plant sie schon ihre Fernsehauftritte bei Sky oder Sport 1.

Imke Wübbenhorst und Mutter Kerstin genossen die Natur in Sri Lanka.
Imke Wübbenhorst und Mutter Kerstin genossen die Natur in Sri Lanka.

„Ich habe dabei gar nicht das Gefühl zu arbeiten“, sagt die 34-Jährige. Doch zwischen all diesen Einsätzen wälzt sie immer wieder die Gedanken über die Zukunft. In einem Jahr endet die Freistellung aus dem Job als Gymnasiallehrerin. Dann muss sie sich endgültig entscheiden – zwischen der Sicherheit im Beamtenstatus und den Freiheiten im Fußball-Karussell.

Eltern wollen Sicherheit

„Ich mag meinen Lehrerberuf gerne“, sagt Imke Wübbenhorst. Doch ob sie wirklich in Bad Zwischenahn ins Klassenzimmer und die Turnhalle zurückkehrt, um die Jugend Biologie zu lehren und ihr Sportlektionen beizubringen, scheint fraglich. „Ehrlich gesagt, tendiere ich zum Fußballjob“, erklärt sie. „Dann müsste ich zwar auf die Benefits eines Beamten verzichten, habe dafür aber die Freiheit.“

Ihre Eltern würden die Tochter lieber im abgesicherten Beamtenleben sehen. Im Sri-Lanka-Urlaub bemühte sich die Mutter, die Sichtweise der Tochter zumindest zu verstehen. Während Vater Johann zu Hause Hunde und Pferde hütete, führte das Mutter-Tochter-Gespann in den elf Tagen nicht nur intensive Gespräche, sondern lernte Land, Leute, Berge, Strand und Sonne lieben. „Es war ein toller Urlaub“, sagt Imke Wübbenhorst. „Meine Mama ist immer ein bisschen vorsichtig.“ Aber sie ließ sich von der forschen Tochter gerne zu Abenteuern überreden.

Keine Armut in Bern

Am 7. Januar trennten sich am Flughafen in Düsseldorf wieder ihre Wege. Für die Fußballtrainerin stand am nächsten Tag die erste Übungseinheit des Jahres mit ihren Schützlingen in Bern auf dem Programm.

Nach der munteren Urlaubsatmosphäre tauchte sie wieder in die heile Welt der Schweizer ein. Die hohe Lebensqualität dort schätzt die Ostfriesin sehr. Es gibt laut Wübbenhorst weder Typen, die am Bahnhof rumhocken, noch Tafeln, die sich um arme Menschen kümmern müssen. „Alle sind nett, fleißig und lieb, aber nicht unbedingt locker und offenherzig.“

Höflicher Stephane Chapuisat

So duzt Imke Wübbenhorst bei Young Boys Bern sogar den Präsidenten. Wirkliche Scherze kommen ihren Gegenübern aber eher nicht über die Lippen – auch nicht dem berühmten Stürmer-Trainer und Dortmunder Ex-Torjäger Stephane Chapuisat bei Gesprächen auf dem Flur im Stadiongebäude. „Er ist immer überaus höflich, aber eben zurückhaltend.“

Die Fußballlehrerin aus Aurich ist eine junge Frau, die die Freiheit genießt. Das bekam auch die Mutter im Urlaub zu spüren.
Die Fußballlehrerin aus Aurich ist eine junge Frau, die die Freiheit genießt. Das bekam auch die Mutter im Urlaub zu spüren.

Gleichzeitig hat die Frau aus dem norddeutschen Flachland das Gefühl, dass ihre offene Art in der 130.000-Einwohner-Stadt zwischen den Bergen gut ankommt. „Mein Naturell finden sie offenbar alle gut.“ Auch manch Berner Mann, wie sie erzählt. Als ihrer Hündin Bailar im Herbst ein Zeh amputiert werden musste, kümmerte sich der Tierarzt nicht nur rührend um den Dalmatiner, sondern suchte danach häufiger den Kontakt zu Bailars Frauchen. „Er war aber ein typischer Schweizer – angepasst und bemüht, allen gerecht zu werden“, sagt Imke Wübbenhorst und lacht. „Also eher nichts für mich.“

Großer Erfolg mit Young Boys Bern

Sie konzentriert sich derzeit ohnehin ganz auf ihr Team – und das mit Erfolg. Im Vorjahr belegte YB Bern Rang sieben von zehn Teams der Abschlussrunde. Es gab doppelt so viele Pleiten wie Siege und ein Torverhältnis von 12:26.

Die Ostfriesin hievte die Frauen aus dem Hauptstadtklub nun mit 21:14 Toren nach zehn Spielen auf Rang vier gleich hinter dem Toptrio Servette Genf, FC Zürich, und Grashoppers Zürich. Und das mit einem Team-Durchschnittsalter von 20 Jahren und einem Kader, bei dem 14 der 18 Spielerinnen aus der eigenen Jugend stammen.

Imke Wübbenhorst tut auf dem Rasen alles dafür, dass ihr bis Sommer 2024 geltender Vertrag verlängert wird. „Aber ein Trainer bleibt nie zehn Jahre“, weiß sie. „Die nächsten Stationen wären vielleicht Wien, Barcelona, Potsdam oder Amerika.“ Möglicherweise aber auch die Schule in Bad Zwischenahn. „Entschieden habe ich mich noch nicht. Aber eigentlich würde ich dem Fußball gerne treu bleiben.“

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