Bildung auf der Insel  Auch Borkums Grundschule fehlen die Lehrkräfte

| | 26.12.2022 14:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Bild täuscht: An Schülerinnen und Schülern mangelt es Borkums Grundschule auch in den nächsten Jahren nicht. Foto: Ferber
Das Bild täuscht: An Schülerinnen und Schülern mangelt es Borkums Grundschule auch in den nächsten Jahren nicht. Foto: Ferber
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Rektor Jörg Deisinger hat jüngst im Schulausschuss auf die prekäre Personallage hingewiesen, die sich 2023 weiter zuspitzen könnte. Im Januar soll derweil die Technik aufgerüstet werden.

Borkum - An Schülerinnen und Schülern mangelt es nicht, dafür an Lehrkräften. Dies ist vor Kurzem im Borkumer Schulausschuss deutlich geworden, in dem Rektor Jörg Deisinger unter anderem einen Überblick über die momentane Personallage an der Grundschule gab. Am Ende des Schuljahres, berichtete er, gehen zwei Kollegen in den Ruhestand. Zudem habe er einen Versetzungsantrag auf dem, Tisch, der wahrscheinlich im nächsten Jahr genehmigt werde. „Wir haben auch eine Stelle ausgeschrieben, es hat sich aber keine einzige Person drauf beworben.“ Wenn die Stelle nicht besetzt werden könne, stehe man 2023 „mit dem Rücken an der Wand“, mahnte Deisinger.

Die derzeit acht Klassen der Borkumer Grundschule würden von neun Lehrkräften unterrichtet, von denen aber zwei momentan im Wiedereingliederungsverfahren seien und daher nur mit wenigen Stunden zur Verfügung stünden. Zudem, erklärte der Schulleiter, gebe es einen Förderschullehrer und Unterstützung durch vier pädagogische Mitarbeiter, die stundenweise beschäftigt seien. „Wir sind eine verlässliche Grundschule von 7.40 Uhr bis 12.40 Uhr, deshalb dürfen wir die Schüler nicht nach Hause schicken, sondern müssen sie immer betreuen, egal, wie die personelle Versorgung aussieht“, skizzierte Deisinger. Dies gehe momentan nur, indem man Klassen zusammenlege, wobei 40 bis 50 Kinder, die in einem Raum sitzen, eine extreme Belastung für alle seien.

Jörg Deisinger ist Leiter der Borkumer Grundschule. Foto: Grundschule
Jörg Deisinger ist Leiter der Borkumer Grundschule. Foto: Grundschule

Lob für die Leiterin der Jugendherberge

Eine zusätzliche Herausforderung: die geflüchteten Kinder aus der Ukraine, die derzeit in der Borkumer Jugendherberge leben, und die die Zahl der Grundschülerinnen und Grundschüler Anfang Dezember von 133 auf 149 ansteigen ließen. Von 21 schulpflichtigen Kindern, berichtete Deisinger vom ersten Tag, seien 16 an der Schule angemeldet worden, und sechs dann tatsächlich morgens auch vor Ort gewesen – mit strahlenden Augen und Gesichtern. „Wir hatten mit dem Landkreis Leer abgeklärt, dass wir zwei Eltern als Begleitpersonen mit in die Schule nehmen dürfen.“ Denn, so Deisinger, es seien auch Erstklässler dabei gewesen, die weder Ukrainisch schreiben noch lesen könnten.

Es fehle, monierte der Schulleiter, eine Schulsozialarbeitsstelle, die das Land nicht vorsehe. So müsse man alles mit Bordmitteln stemmen, sprich mit den Lehrkräften, die im Moment zur Verfügung stehen, auffangen. Sollten mehr Flüchtlingskinder auf die Insel kommen – etwa nochmal 20 – „werden wir personell und organisatorisch ganz stark an unsere Grenzen stoßen“, prognostizierte Deisinger. Der Schulleiter nutzte in diesem Kontext seinen Vortrag für ein explizites Lob an Petra Bötcher, Leiterin der Borkumer Jugendherberge. „Danke an Frau Bötcher, die eine unermüdliche Arbeit da draußen leistet, die uns mit allem unterstützt, wo sie nur kann und immer für Gespräche bereitsteht.“

Haptisches Lernen in den Klassen 1 und 2

Im Januar, blickte Jörg Deisinger voraus, stehe die Ausstattung der Grundschule mit acht neuen digitalen Tafeln an – vier finanziert aus dem Digitalpakt des Bundes, vier aus dem Haushalt der Stadt. Des Weiteren bestehe die Möglichkeit, über den Digitalpakt iPads zu bekommen. Geplant sei, so Deisinger, zwei Klassensätze für die Klassen drei und vier anzuschaffen. „In den ersten beiden Klassen liegt der Schwerpunkt noch auf dem haptischen Lernen. Es ist ganz wichtig, dass die Kinder erstmal lernen, mit Stift und Papier umzugehen, um dann in den Klassen 3 und 4 die Medien intensiver nutzen zu können.“

Frank Pahl, Leiter der Haupt- und Personalabteilung bei der Stadt, skizzierte im Ausschuss die Entwicklung der Grundschülerzahlen. „Die statistisch prognostizierte Schülerentwicklung bis zum Jahr 2028 ist einigermaßen stabil. Sie wird jährlich neu berechnet über das Einwohnermeldeamt“, erläuterte der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters. Demnach seien für das Schuljahr 2022/2023 38 Einschulungen vorhergesagt worden, so Pahl, was sich auch punktgenau bewahrheitet habe. Die weiteren prognostizierten Einschulungen: 2023/24: 39 Schülerinnen und Schüler, 2024/2025: 39, 2025/2026: 30, 2026/2027: 32 und 2027/2028: 46.

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