Inselschule auf Borkum  Schulleiter lässt die junge Generation ran

| | 16.12.2022 15:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Johannes Akkermann wird im nächsten Jahr zum letzten Mal einen Abschlussjahrgang verabschieden. Foto: Ferber
Johannes Akkermann wird im nächsten Jahr zum letzten Mal einen Abschlussjahrgang verabschieden. Foto: Ferber
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Johannes Akkermann verkündet seinen Rückzug als Rektor der Borkumer Inselschule. Der Schulleiter gibt außerdem einen Überblick über die aktuelle Situation.

Borkum - Am Ende seines Sachstandsberichtes hatte Johannes Akkermann, Leiter der Borkumer Inselschule, kürzlich im Schulausschuss etwas in eigener Sache zu verkünden: seinen Rückzug im Sommer. „Streng genommen“, lässt er auf Nachfrage wissen, „habe ich bislang lediglich den Antrag auf Eintritt in den Ruhestand zum 1. August 2023 gestellt.“ Das Ausscheiden erfolge demnach vorbehaltlich des Bescheides auf Grundlage der dann gültigen Rechtslage. „Das Amt des Schulleiters an der Inselschule übe ich seit dem 1. Februar 1998 (zunächst kommissarisch) aus. Das werden also am Ende dieses Schuljahres 25 Jahre sein. Weil ich dann 64 Jahre alt sein werde, ist es Zeit, an die junge Generation zu übergeben“, begründet Akkermann den Schritt. Die Stelle werde hoffentlich im Januar öffentlich im Schulverwaltungsblatt ausgeschrieben.

Die Borkumer Inselschule bekommt im nächsten Jahr eine neue Leitung. Foto: Ferber
Die Borkumer Inselschule bekommt im nächsten Jahr eine neue Leitung. Foto: Ferber

Johannes Akkermann gab vorweg in seinem Bericht einen Überblick über die aktuelle Situation an der Borkumer Inselschule. Er sprach unter anderem…

…über die Anzahl der aus der Ukraine geflüchteten Schülerinnen und Schüler an der Inselschule:

„An der Inselschule Borkum werden zurzeit 245 Schülerinnen und Schüler in zwölf Klassen unterrichtet, von 23 Lehrkräften. In dieser Zahl enthalten sind 15 schulpflichtige Kinder aus der Ukraine, die zurzeit ihren Aufenthaltsort an der Reede haben“, berichtete Akkermann dem Schulausschuss. Diese Kinder seien laut Regionalem Landesamt für Schule und Bildung in Osnabrück schulpflichtig und offiziell angemeldet. Stand diese Woche werden laut Rektor acht von ihnen auch tatsächlich beschult; die Fluktuation sei bisher hoch gewesen. „Wir gehen davon aus, dass diejenigen, die nicht erscheinen, Online-Unterricht direkt aus der Ukraine erhalten.“

…über den Unterricht mit den ukrainischen Schülerinnen und Schülern:

„Um die Kinder aufzufangen, haben wir eine Art Sonderstundenplan entwickelt: Zwei Stunden am Tag werden von der Schulsozialarbeit betreut, zwei Stunden gibt es Deutsch als Zweitsprache und zwei Stunden, bis auf freitags, nehmen die ukrainischen Schülerinnen und Schüler am Regelunterricht teil“, erläuterte Johannes Akkermann. Dabei handele es sich meist um Fächer wie Musik oder Kunst, wo die Sprachbarrieren möglichst gering sind. Aktuell müsse der Sonderstundenplan aber tagesaktuell angepasst werden, da der Krankenstand bei den Lehrkräften sehr hoch sei, teilte der Schulleiter in dieser Woche mit.

…über den Lehrkräftemangel, der auch die Inselschule betrifft:

Das Problem des Lehrkräftemangels, ob nun in Deutschland, Niedersachsen und auch auf Borkum, werde seiner Meinung nach teilweise immer noch unterschätzt, erklärte Akkermann. „Wir haben eine Stelle ausgeschrieben zum 1. Februar, worauf auf der ganzen Bewerberliste eine einzige Person auftaucht, die aber alles andere als Interesse daran hat, auf eine Insel zu gehen“, teilte der Schulleiter den Schulausschussmitgliedern mit. Konsequenz: „Wir werden in den nächsten Schuljahren wahrscheinlich wirklich Stress bekommen, die Lehrerstellen zu besetzen.“ Die häufigsten Gründe, nicht dauerhaft auf der Insel zu bleiben, seien zu teure Wohnungen und Immobilien, Rückkehr zum Partner/zur Partnerin oder pflegebedürftige Angehörige auf dem Festland.

…über Maßnahmen gegen den Lehrkräftemangel:

„Unsere einzige Taktik, die wir dagegen haben, ist, dass wir versuchen, möglichst viele Ex-Schülerinnen und Schüler unser Schule, von denen wir wissen, dass sie auf Lehramt studieren, an uns zu binden über Praktika, und sie möglichst früh auch an unsere Schule zu holen“, führte Johannes Akkermann aus. Das sei relativ erfolgreich und seiner Meinung nach im Moment das einzige Rezept, „um wirklich dauerhaft die Unterrichtsversorgung zu sichern. Zurzeit arbeiten neun Lehrkräfte an unserer Schule, die ehemals Schülerinnen und Schüler unserer Schule waren“.

…das erste Schuljahr nach der Corona-Krise:

Der Beginn des Schuljahres habe in erster Linie unter dem Motto gestanden, die Schülerinnen und Schüler emotional und psychosozial aufzufangen und teilweise inhaltliche Defizite aufzuarbeiten, erläuterte Akkermann. An erster Stelle stehe dabei, Normalität herzustellen. Das heiße, Gemeinschaftserlebnisse, die wieder erlaubt sind, durchzuführen. Und so zu versuchen, den Zusammenhalt und soziale Interaktion hinzubekommen, die in der Corona-Krise ziemlich hinübergefallen seien. „Man hat da einer Generation von Schülerinnen und Schülern wirklich etwas angetan und das versuchen wir aufzuarbeiten.“ Momentan gebe es keine Corona-Maßnahmen mehr an der Inselschule und man werde, soweit es keine neuen Verordnungen gebe, auch keine verhängen. Maske könne tragen, wer möchte.

Der zahlenmäßig bisher kleinste Jahrgang der Inselschule nahm 2022 seinen Abschied. Foto: Ferber
Der zahlenmäßig bisher kleinste Jahrgang der Inselschule nahm 2022 seinen Abschied. Foto: Ferber

…über die Abgänge und Abiturerfolge 2022:

Mit 30 Schülerinnen und Schüler war in diesem Jahr der zahlenmäßig schwächste Inselschul-Jahrgang aller Zeiten verabschiedet worden. Alle haben einen Abschluss bekommen, 60 Prozent davon den erweiterten Sekundarabschluss I, der zum Übergang aufs Gymnasium berechtigt, wie Johannes Akkermann berichtete. Und fünf Borkumer Schülerinnen und Schüler – vier in Esens, einer in Bad Bederkesa – hätten 2022 eine 1 vor dem Komma im Abitur geschafft. „Wir schließen daraus, dass die Vorbildung bei uns nicht ganz so schlecht gewesen sein kann“, so Akkermann.

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