Taneni will Profi werden Mit 16 aus Barßel zum Nationalteam von Namibia
Lukas Taneni verließ im Jugendalter für seinen großen Fußballtraum seine Heimat und Eltern in Swakopmund. Auch der Sportliche Leiter von Kickers Emden hatte seine Finger im Spiel.
Barßel - Lukas Taneni sah sich in den vergangenen Monaten gleich mit der doppelten Dosis Schulunterricht konfrontiert. In Präsenz besucht er die 10. Klasse an der IGS Barßel. Online belegt er auch noch die Fächer in seiner afrikanischen Heimat. Dabei betrachtet er Formeln, Fremdsprachen und Fachliteratur eher als lästige Pflicht an, denn als Wegbereiter seiner beruflichen Zukunft. Denn für seinen Traumjob sind gute Noten eher zweitrangig. „Ich möchte einmal Fußballprofi werde“, sagt der 16-Jährige.
Um neue Trainingsmethoden und stärkere Gegenspieler kennenzulernen, verließ er im Sommer den Südwesten Afrikas und wechselte in den Nordwesten Deutschlands. Dieser Schritt hat sein Ansehen und seine Chancen im Heimatland offenbar gesteigert. Der B-Junioren-Verteidiger des in Barßel beheimateten JFV Nordkreis wurde erstmalig für die U17-Nationalmannschaft von Namibia nominiert. Am Mittwoch flog er in Namibias Hauptstadt Windhoek und von dort weiter nach Sambia, um beim COSAFA-Cup zwei Qualifikationsspiele für den Afrika-Cup 2023 zu bestreiten. „Ich hoffe, dass ich erstmals das Nationaltrikot von Namibia tragen darf“, sagt Lukas Taneni.
Kontakte über Carsten Herzog
Um seinem Fußball-Traum ein Stückchen näher zu kommen, nahm er eine Menge in Kauf. Er verließ seine Heimatstadt Swakopmund, seine drei Geschwister und seine Eltern, um das Abenteuer im fernen Deuschland zu starten. Das Sprungbrett nach Europa war für ihn der Barßeler Fußballtrainer Carsten Herzog. Dieser ist nicht nur Vorsitzender des JFV Nordkreis und Sportlicher Leiter des Regionalligisten BSV Kickers Emden, sondern hat einst auch viele Jahre in Afrika verbracht.
Herzog war als Torwarttrainer unter anderem in Malawi, Sambia und eben auch in Namibia tätig. „Ich habe noch viele Kontakte nach Afrika“, erklärt Carsten Herzog. Auch der Technische Direktor des namibischen Küstenklubs SFC Swakopmund hatte offenbar noch Herzogs Rufnummer gespeichert. „Er hat mich gefragt, ob wir hier ein Talent unterbringen könnten.“ Gemeint war Lukas Taneni.
Kein Heimweh
Herzog bot an, den B-Jugendlichen zunächst für den Kreisligisten JFV Nordkreis spielen zu lassen und kümmerte sich zudem um Schule, Unterkunft und Formalitäten. So wohnt Lukas Taneni nun im Seminarhaus in Nordloh, besucht die Schule in Barßel und trug in den vergangenen Wochen tatkräftig dazu bei, dass seine Mannschaft den Staffelsieg in der Kreisliga feierte.
„Es gefällt mir sehr gut in Deutschland“, sagt der Rechtsverteidiger. „Heimweh habe ich jedenfalls nicht. Jeden Tag erhalte ich einen Videoanruf von meinen Eltern.“ Dort berichtet der Sohnemann vom Leben im mittlerweile kühlen Norden, von der Schule und natürlich von seiner sportlichen Entwicklung. „Bei uns ist er natürlich ein Leistungsträger“, sagt Carsten Herzog. „Jetzt sind wir gespannt, wie es weitergeht.“
Bayer und City als Lieblingsklubs
Denn der JFV Nordkreis soll schließlich nicht die Endstation des Supertalents sein. Herzog liegen bereits Anfragen für seinen Kicker aus der Niedersachsenliga und der Regionalliga vor. Beim Niedersachsenligisten BSV Kickers Emden absolvierte der 16-Jährige kürzlich ein Training und hat über Carsten Herzog auch Kontakte zur Regionalligamannschaft geknüft. So hat sich Kickers-Akteur Ayo Adeniran, dessen Großeltern aus Nigeria stammen, schon mehrfach privat mit dem Schüler aus Barßel getroffen. Am Samstag folgte nun der Gegenbesuch. Herzog nahm Lukas Taneni mit zum Regionalligaspiel zwischen Kickers Emden und Teutonia Ottensen. „Es war ein gutes Spiel, aber ein schlechtes Ergebnis“, resümierte Lukas Taneni nach der Emder 1:2-Pleite.
Die deutschen Ligen oberhalbg der Regionalliga verfolgt er natürlich via Fernsehen und Internet. „Mein persönlicher Favorit ist hier Bayer Leverkusen.“ Allerdings hängt sein Herz gar nicht allzu sehr am Werksklub. „In Namibia blicken wir vor allem auf die englische Premier League.“ Und dort ist auch der wahre Lieblingsklub von Lukas Taneni beheimatet: „Manchester City.“ Er selber freut sich nun auf die Reise zum Nationaltem und anschließend die Weihnachtszeit in Swakopmund. „Wir feiern so ähnlich wie in Deutschland“, erzählt er. „Mit Weihnachtsbaum und Geschenken.“
Wie es im neuen Jahr sportlich für ihn weitergeht, steht noch nicht fest. Möglicherweise kehrt er zurück nach Deutschland, um in einer höheren B-Junioren-Spielklasse sein Talent zu fördern. Vielleicht bleibt er aber auch in seiner Heimat. Lukas Taneni hat noch keine Entscheidung getroffen und wartet nun erstmal gespannt die Spiele im Nationalteam ab.