Glücklicher 1:0-Heimsieg Germania Leer besiegt Holtland mit „Kacktor des Monats“
Solch ein Gegentor hat Jann Hellmers noch nie kassiert. Ein Platzfehler sorgte für ein Tor, das das Zeug hätte, es ins Fernsehen zu schaffen. Die Niederlage war aber auch selbst verschuldet.
Leer - Frank Bajen redete gar nicht lange drumherum: „Der Sieg war glücklich, auch das Zustandekommen“, sagte der Trainer des Fußball-Bezirksligisten Germania Leer nach dem 1:0-Erfolg vor rund 200 Zuschauern gegen den SV Holtland. In der siebten Minute landete eine harmlose Flanke von Adnan Zeneli nach einem Platzfehler über dem verdutztem SVH-Torwart Jann Hellmers hinweg im Tor. „Du hättest schon 0:2 zurückliegen können und führst dann durch ein ,Kacktor des Monats‘ aus dem Nichts 1:0“, so Bajen. Weil die Gäste weitere Chancen ungenutzt ließen, war dieser kuriose Treffer auch der Siegtreffer.
Würde es Videomaterial von dem Tor geben, hätte das Zeneli-Flankentor gute Chancen auf den Titel „Kacktor des Monats“, das Arnd Zeigler in seiner TV-Sendung (WDR) „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ einmal im Monat kürt. Dabei werden kuriose oder unglückliche Gegentreffer aus der ganzen Republik gezeigt.
Plötzlich springt der Ball hoch
„So ein Gegentor habe ich auch noch nicht kassiert, das ist extrem bitter und unglücklich“, ärgerte sich der völlig machtlose Hellmers. Holtlands erfahrener Torwart war in der siebten Minute schon bereit, den Ball nach der Flanke locker mit beiden Händen aufzunehmen, als das Spielgerät plötzlich eine andere Flugbahn einnahm und über Hellmers hinweg ins Tor sprang. Der Ball sprang urplötzlich so hoch, als sei er auf ein Trampolin geworfen worden. Das „Trampolin“ war in dem Fall ein kleines Erdloch. Ein Platzfehler brachte Leer letztlich drei Punkte.
Das war aber nicht alleine der Grund für die Niederlage Holtlands im Nachbarschaftsduell, das besonders für Lukas Berghaus, Daniel Diekmann und Max Schrock-Opitz noch spezieller war. Sie wechselten im Sommer aus Leer nach Holtland. „Wir müssen uns auch an die eigene Nase fassen. Trotz des unglücklichen Gegentores hätten wir zur Pause auch 3:1 führen müssen, haben leider unsere Chancen nicht genutzt“, sagte Kapitän Jann Hellmers.
Leer steigerte sich
Lukas Berghaus (2.) und Maurice Bombach (7.) vergaben zwei Großchancen für die Gäste. Nach dem kuriosen 1:0 (7.) fand Holtland schnell wieder zu seiner Linie, dominierte die Partie und hatte durch Jelmer van Dijk eine weitere Großchance und Halbchancen. Auf der anderen Seite sorgten bei Entlastungsangriffen ein Schuss von Kassem Mdayhli und ein Kopfball von Adnan Zeneli für Gefahr. Nach dem Wechsel war das Chancenplus für den Gast nicht mehr so klar, wenngleich zweimal das 1:1 hätte fallen müssen. Erst scheiterte Lars Diemel an Germania-Keeper Tom-Lukas Bünting (54.), dann schoss der etwas überraschte Jelmer van Dijk nach einer Freistoßflanke aus fünf Metern am Tor vorbei (67.).
„Wir haben in der zweiten Halbzeit aber auch für mehr Entlastung gesorgt“, sagte Leer-Trainer Frank Bajen. Hellmers parierte zweimal gegen Mdayhli. Holtland mühte sich weiter. Doch oft fehlte die Präzision, bei einer tollen Flanke von Tobias Schlink Mitspieler Lars Diemel Zentimeter, um an den Ball zu kommen.
Das sagt der Ex-Germane
So sorgte ein 1:0-Heimsieg von Germania bei Max Schrock-Opitz erstmals in seinem Leben für Frust. Er hatte bis zum Sommer sein ganzes Fußball-Leben für den VfL gespielt und wechselte aufgrund vieler Querelen den Verein. „Es war ein komisches Gefühl in diesem Stadion als Gast aufzulaufen. Für mich ist die Niederlage heute doppelt bitter.“
Dass der Germania-Sieg glücklich war, räumte Frank Bajen ein. Wenngleich er auch sagte: „Glück muss man sich manchmal auch erarbeiten. Und meine Jungs haben heute alles gegeben“, sagt der frühere Physiotherapeut von Kickers Emden, der zu Drittligazeiten beim BSV aktiv war und an einen Satz des ehemaligen Kickers-Trainers Marc Fascher erinnerte: „Im Videotext stehen bei den Spielergebnissen nur zwei Zahlen zwischen dem Doppelpunkt. Und das ist das entscheidende.“