Kickers hat mentales Problem  Rätselraten um kurioses Emder 0:2-Pausensyndrom

| | 13.11.2022 15:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf Torhüter Isaak Djokovic war bei Kickers Verlass. Er zeigte erneut eine starke Leistung. Fotos: Wagenaar
Auf Torhüter Isaak Djokovic war bei Kickers Verlass. Er zeigte erneut eine starke Leistung. Fotos: Wagenaar
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Die Emder verloren fünf der vergangenen sieben Spiele. Dabei gab es verblüffende Parallelen. Auch ein Experiment im Sturm konnte das 1:2 nicht verhindern.

Emden - Fußball-Regionalligist BSV Kickers Emden offenbarte auch im letzten Heimspiel der Hinrunde gegen Teutonia Ottensen ein mentales Problem. Das 0:2-Pausensyndrom hat den Aufsteiger einsam ans Tabellenende abstürzen lassen. Den fast obligatorischen Halbzeitstand haben die aufopferungsvoll kämpfenden Ostfriesen auch gegen Teutonia Ottensen nicht egalisieren können. Sie unterlagen vor 376 zahlenden Zuschauern mit 1:2.

In fünf der vergangenen sieben Partien verließ der BSV als Verlierer das Feld. Und jedes Mal hieß es nach 45 Minuten 0:2. „Nach dem 0:1 gingen die Köpfe wieder runter. Der Glaube war nicht mehr da“, suchte auch Trainer Stefan Emmerling die Gründe der Niederlage auf psychischer Ebene. Kapitän Bastian Dassel pflichtete ihm bei: „Die richtige Körpersprache ging nach dem Tor verloren. Das war der Knackpunkt.“

Kickers begann stark

Dabei begann Kickers so dominant wie seit dem 3:0 über den Bremer SV nicht mehr. Erst strich ein Schuss von Tido Steffens am Tor vorbei (4.), dann scheiterte Marvin Eilerts aus acht Metern an Torhüter Marius Liesegang (8.) und schließlich stand Steffens nach einer hoch abspringenden Flanke alleine vor Liesegang, bekam per Kopf aber nicht genug Druck hinter den Ball, so dass erneut der Schlussmann stark parierte. „Unser Torwart hat zweimal richtig gut gehalten“, negierte auch Teutonia-Trainer David Bergner keinesfalls den starken Kickers-Start. „Und dann machen wir mit unserer ersten Aktion das 1:0.“

Alagie Jabbie (rechts) gab beim BSV Kickers am Sonnabend seine Comeback nach fast dreimonatiger Leidenszeit.
Alagie Jabbie (rechts) gab beim BSV Kickers am Sonnabend seine Comeback nach fast dreimonatiger Leidenszeit.

Bei diesem Tor fehlte dem drei Monate lang verletzten Alagie Jabbie bei seinem Comeback offenbar noch die Spielpraxis. Er ließ eine Lücke in der Innenverteidigung, durch die der Ball zu Maik Lukowicz gelangte, der den Gast jubeln ließ.

Vom 0:1 geschockt

Der Emder Beginn war von reichlich Pech gekennzeichnet. Nach dem 0:1 folgte der mentale Niedergang. Es reihte sich Fehler an Fehler. Von einer Sekunde auf die andere wich die Kampfstärke ängstlicher Zurückhaltung. Zu allem Überfluss musste Kapitän Bastian Dassel auch noch mit einer Oberschenkelverletzung das Feld verlassen. Teutonia erspielte sich Chance um Chance und hätte sogar mehr Tore erzielen können als das 0:2 durch Diamant Berisha.

Dieses Tor kassierte Kickers diesmal in der 43. Minute. Gegen Delmenhorst fiel das 0:2 vor einer Woche in der 37. Minute, davor gegen Lohne ebenfalls in der 43., gegen Werder II in der 26. und gegen Phönix Lübeck war es die 36. Minute. „Wir dürfen unsere Spielweise nach einem 0:1 nicht verändern“ ärgerte sich Emmerling. „Aber ich hatte das Gefühl, dass der Schock zu groß war.“

Anschlusstor per Elfmeter

Immerhin gelang es dem Coach in der Pause wieder einmal, den Akteuren das Zittern aus den Beinen zu vertreiben. „Ich habe deutliche Worte Richtung Körpersprache und Haltung auf dem Platz gewählt.“

Milad Faqiryar (links) bewies als Stürmer seine Kopfballstärke.
Milad Faqiryar (links) bewies als Stürmer seine Kopfballstärke.

So übernahm der BSV direkt nach dem Pausenpfiff das Kommando. Und nach einem Foul an André N‘Diaye verkürzte Tido Steffens per Elfmeter sogleich auf 1:2 (48.). „Wir hätten den Rückstand noch wettmachen können“, sagte hinterher Milad Faqiryar. Die besten Chancen vergaben Ayo Adeniran per Kopfball (53.) und Tido Steffens, der zweimal nur knapp das Tor verfehlte. Keine echte Chance besaß hingegen der spielstarke Faqiryar, der wegen Jabbies Rückkehr ins Abwehrzentrum die überraschende Position in der Angriffsspitze neben Tido Steffens zugewiesen bekommen hatte. „Wir haben vorne schon viel probiert. So richtig hat alles nicht funktioniert“, erklärte Emmerling das Experiment.

Statistik

Emden: Djokovic, Jabbie, Eilerts, Konda (85. Cordes), Dassel (37. Niehues), Goosmann (70. Visser), Sillah, N‘Diaye, Adeniran, Faqiryar, Steffens.

Tor: 0:1 Lukowicz (25.), 0:2 Berisha (43.), 1:2 Steffens (Foulelfmeter, 48.).

Faqiryar hatte sich bereits vor sechs Jahren in Cloppenburg als Regionalliga-Stürmer probiert. „Ich mag das gerne. Aber ich habe diesmal zu wenige Bälle bekommen.“ Der Trainer attestierte ihm trotzdem eine gute Leistung. „Milad hat mit Tido Steffens gut harmoniert. Das könnte man öfter so machen.“

An der Niederlage konnte aber auch Faqiryar nichts ändern. Allerdings hatten die Gäste auch mehrfach das 1:3 auf dem Fuß. BSV-Torwart Isaak Djokovic parierte mehrmals großartig. Und einmal stand ihm das Glück Pate, als ein Fernschuss von Pascal Steinwender vom rechten oberen Innenpfosten an den linken prallte und dann zurück ins Feld. So blieb es beim 1:2. Ohne das Emder 0:2-Pausensyndrom hätte es auch anders ausgehen können.

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