Wiederaufstieg fest im Blick  Dino Borssum korrigiert den Betriebsunfall

| | 08.11.2022 15:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Brian Wienekamp (rechts) gehört bei Tabellenführer BW Borssum zu den absoluten Leistungsträgern. Fotos: Jens Doden/Emden
Brian Wienekamp (rechts) gehört bei Tabellenführer BW Borssum zu den absoluten Leistungsträgern. Fotos: Jens Doden/Emden
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Beim Bezirksliga-Absteiger Borssum läuft es wie am Schnürchen. In der Ostfrieslandliga rangiert das Team souverän der Spitze. Bei einem Punkt muss Trainer Thilko Boekhoff ein wenig Schmunzeln.

Borssum - Nach dem letzten Spieltag in der vergangenen Saison war BW Borssum in einem Schockzustand. Der ewige Fußball-Bezirksligist musste nach mehr als 20 Jahren nach dem 1:1 gegen die SpVg Aurich den bitteren Gang in die Ostfrieslandliga antreten, der Auricher Traditionsverein hielt dadurch die Klasse. Aber auf die erste große Enttäuschung folgte schnell eine „Jetzt-erst-recht“-Stimmung. Die spiegelt sich auch nach 13 absolvierten Partien in der Tabelle wider. Mit 35 Zählern, einem Torverhältnis von 56:17 und ungeschlagen grüßen die Blau-Weißen souverän von der Tabellenspitze.

„Unser Ziel ist ganz klar der direkte Wiederaufstieg. Vor der Saison habe ich den Mund vielleicht ein wenig zu voll genommen, als ich sagte, wir wollen mit Karacho durch die Ostfrieslandliga stürmen“, meinte der Sportliche Leiter Christian Fraas ein wenig selbstkritisch. Er habe schon Sorge gehabt, dass ihm seine Aussagen um die Ohren fliegen könnten. Diese Überlegungen waren allerdings komplett unbegründet.

Schon zwölf Siege

Denn nach dem 1:1-Auftakt gegen Aufsteiger TuS Hinte zeigte das Team ein sehr souveränes Gesicht. Nur einmal noch musste sich die Mannschaft von Thilko Boekhoff mit einem Remis (3:3 bei Frisia Emden) begnügen, ansonsten stehen 12 Siege auf der Habenseite. Während die Spieler den Abstieg schnell abgehakt hätten, hatte Fraas an dem Abstieg schon stark zu knabbern gehabt. Und macht es immer noch: „Es ist schon ein Unterschied, ob man nach Esens oder Großefehn zu gestandenen Bezirksligisten fährt oder halt jetzt in der Ostfrieslandliga unterwegs ist. Unter normalen Umständen wären wir ja nie abgestiegen“, hadert Fraas schon ein wenig mit dem Schicksal. Borssum verpasste nur knapp die Aufstiegsrunde, in die Abstiegsrunde wurden nur die Punkte gegen die direkten Konkurrenten mitgenommen, davon hatten die Blau-Weißen dann am Ende einen zu wenig.

Der große Vorteil der Borssumer war, dass die Mannschaft fast komplett zusammengehalten werden konnte. Mit Ibrahim Balhas und Maximilian Beccard (beide TuS Middels) verließen nur zwei Stammkräfte den Klub. „Bei uns gibt es schon eine sehr große Verbundenheit zum Verein. Von einigen Spielern habe ich noch die Bambini-Fotos“, verweist Fraas auf den starken Zusammenhalt.

Wienekamp ein Spieler für die Landesliga

„Natürlich sind wir auch froh, dass Brian Wienekamp den Schritt mitgemacht hat. Er würde auch in der Landesliga bei jedem Verein eine gute Rolle spielen können“, erklärt Fraas. Trainer Thilko Boekhoff blieb dem Verein erhalten und habe nach dem Abstieg das Team optimal weiterentwickelt, lobt Fraas. Boekhoff hätte sich auch vorstellen können, weiterhin als Co-Trainer und Sportlicher Leiter tätig zu sein. „Manchmal entwickeln sich die Dinge ja auch. Mir macht die Aufgaben jedenfalls sehr großen Spaß“, so Boekhoff, der in seiner Karriere unter anderem für Kickers Emden, TuS Pewsum, Germania Leer und zum Abschluss eben für BW Borssum auflief.

Trainer Thilko Boekhoff ist mit BW Borssum klar auf Kurs.
Trainer Thilko Boekhoff ist mit BW Borssum klar auf Kurs.

Junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs (Jendrick Engelke, Mirco Tempel, Paul Heinze) und von Kickers Emden (Ryan Iroegbulem, Rico Rieger und Marvin Utzelmann) wurden schnell integriert, zudem stehen mit Kevin Böse oder Timo Goldenstein erfahrene Bezirksliga-Spieler im Kader. „Die Entwicklung ist schon sehr erfreulich. Zum Beispiel kam Leon van Scharrel mit 17 Jahren im letzten Jahr zu uns, er ist mittlerweile eine feste Größe“, freut sich der 37-jährige Boekhoff.

Noch viel Entwicklungspotenzial

Der Coach sieht aufgrund der Altersstruktur in seinem Kader noch viel Entwicklungspotenzial. Aufgrund der jungen Mannschaft könne es aber natürlich immer auch passieren, dass Spieler aus beruflichen Gründen oder auch studienbedingt den Verein verlassen müssten. Manchmal läuft es aber auch umgekehrt. So wie bei Eimo Smidt. Der Grundschullehrer fand eine Stelle an der Constantia Schule in Emden, kehrte zu seinem Heimatverein zurück und ist mit neun erzielten Treffern der beste Schütze seiner Mannschaft.

Apropos Angriff: Mit 56 erzielten Toren hat BW Borssum eine beeindruckende Quote, mehr als vier Tore pro Spiel. „Bei mir muss nicht immer die Null stehen, wir möchten immer ein Tor mehr schießen. Ich gewinne lieber mit 4:3 als mit 1:0 gegen Süderneuland“, erklärte Boekhoff. Lächelnd erzählt er, dass seine Mannschaft diese Vorgabe sowohl offensiv als auch defensiv optimal umsetze.

Nach der Partie bei der Zweitvertretung vom TuS Esens stehen mit dem Auswärtsspiel beim TuS Hinte und im Heimspiel gegen TuRa 07 Westrhauderfehn noch zwei Partien gegen Verfolger an. „Jetzt müssen wir erst nach Esens, aber die Vorfreude auch auf das Derby in Hinte ist schon riesengroß. 18 Uhr, Flutlicht, viele Zuschauer. Das wird für die jungen Spieler schon ein Prüfstein“, glaubt Boekhoff. Solch eine Partie fühlt sich ja fast schon wieder an wie die Bezirksliga.

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