Rosenboom reist mit Werders U23 an Mittwoch Training mit Füllkrug – Samstag Spiel in Emden
Die U23 von Werder reist mit einem Ostfriesen zu Kickers. Lasse Rosenboom freut sich auf viel Unterstützung auf der Tribüne. Auch Vater Andre kommt. Er hat sogar eine eigene Werder-Vergangenheit.
Bremen - Mittwoch noch Training mit Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug, danach wieder Viertliga-Fußball: Lasse Rosenboom bewegt sich gelegentlich zwischen zwei Fußball-Welten. Die eine führt den Ostfriesen im Trikot von Werder Bremen II am Samstag in seine ostfriesische Heimat nach Emden. In der anderen schnuppert der 20-Jährige immer mal wieder im Training oder in Trainingslagern Bundesliga-Luft. Und zwischendurch drückt er seinem 13 Monate älteren Bruder Finn am Spielfeldrand beim Bezirksligisten TuS Esens die Daumen.
„Ich freue mich sehr auf das Spiel, da auch meine Familie und viele Freunde auf der Tribüne dabei sein werden“, sagt der Rechtsverteidiger vor Werders Gastspiel beim Regionalliga-Schlusslicht Kickers Emden (Samstag, 14 Uhr). Neben Papa Andre, Mama Katrin und Bruder Finn aus dem Elternhaus in Willmsfeld in der Samtgemeinde Holtriem werden sich weitere Familienmitglieder, Freunde und Bekannte aus der Umgebung auf den Weg nach Emden machen. „Das ist quasi ein Heimspiel für uns“, sagt auch Vater Andre, der selbst eine Werder-Vergangenheit hat.
Auch der Vater lebte im Werder-Internat
Nach der B-Jugend wechselte Andre Rosenboom 1987 vom TuS Esens in die A-Jugend des SV Werder und zog nach Bremen. Auch damals besaß Werder schon ein Internat. Aber noch nicht in der Ostkurve des Weserstadions integriert, sondern in einem Haus in der Brautsraße 10. „Wir haben dort mit etwa zehn Spielern gelebt. Herr und Frau Lange waren unsere Herbergseltern“, erinnert sich der 52-Jährige. „Es war eine tolle Zeit.“ Manch ein Mitspieler wie Andree Wiedener wurde später auch Profi.
Beim Mittagessen im Restaurant „Glocke“ speiste er gelegentlich auch mit dem späteren Europameister Dieter Eilts. Der sechs Jahre ältere Hager schaffte in den Jahren den Sprung vom Amateur-Team in die Bundesliga-Mannschaft. Für Rosenboom ging es nach zwei A-Jugend-Jahren, in denen auch eine Saison Thomas Schaaf sein Trainer war, 1989 zum damaligen „Farmteam“ des SV Werder, dem OSC Bremerhaven. Dort parkte Werder Talente, die es nicht direkt zu den Amateuren schafften. Von dort führte der Weg den Holtriemer dann in der Winterpause zurück zum TuS Esens in die 1. Herren, der damals in der Amateur-Oberliga spielte.
Mit den Profis im Zillertal
28 Jahre später schlug Sohn Lasse (Jahrgang 2002) denselben Weg ein. Über den TuS Holtriem, JFV Norden und JFV Nordwest folgte 2017 der Wechsel in die U16 (B-Jugend) des SV Werder, einige Monate später der Einzug ins Internat. Der Defensivspieler avancierte zum Jugendnationalspieler und erhielt nach dem Ende der U-Zeit im Sommer 2021 einen Vertrag für die U23 – mit der Perspektive Profikader.
Dort darf er immer mal wieder im Training mitmischen. „Im Sommer war ich mit im Profi-Trainingslager im Zillertal und auch bei Testspielen dabei. Das sind tolle Erfahrungen“, sagt der U20-Nationalspieler, der mit der U23 fünf- bis sechsmal die Woche trainiert – außer Profitrainer Ole Werner bittet ihn und manch anderes Talent wie Jascha Brandt – Bruder von Nationalspieler Julian Brandt (Borussia Dortmund) – mal dazu. „Sporadisch darf ich auch bei den Profis mittrainieren. So wie am vergangenen Mittwoch.“
Mit 20 Jahren schon einer der Ältesten
Der Alltag ist aber die Regionalliga Nord. Dort steht Werder mit 15 Punkten, aber auch bis zu drei weniger ausgetragenen Partien als die Konkurrenz knapp vor den Abstiegsrängen. „Wir sind mit Platz 13 natürlich nicht zufrieden. Aber wir haben auch schon einige gute Spiele gemacht. Grundsätzlich wollen wir natürlich so gut wie möglich abschneiden. Wir als U23 sind eine sehr junge Mannschaft, bei der die Weiterentwicklung aber auch eine große Rolle spielt“, erklärt Lasse Rosenboom, der mit seinen 20 Jahren schon zu den älteren Spielern im Team zählt. Elf Akteure aus dem Kader sind 2003 geboren, sieben wie Rosenboom 2002 und zwei 2001.
Zu den „Opas“ zählen Ersatztorwart Ole Springer (30) und Philipp Bargfrede. Der 33-Jährige gehörte elf Jahre lang zum Profiteam und ist mit seiner Erfahrung von 205 Bundesliga-Spielen seit Oktober 2020 Führungsspieler des „Werder-Kindergartens“. Dort ist der schon mit einem Profi-Vertrag ausgestattete Oldenburger Fabio Chiarodia (Jahrgang 2005) mit 17 Jahren das Küken.
So erlebt Rosenboom Ducksch und Füllkrug
Ob sich die Tür für Lasse Rosenboom, der sich in Bremen voll auf den Fußball konzentrieren kann, bei Werder nach ganz oben noch mal irgendwann einen Spalt weiter öffnet, ist schwer abzusehen. Sein Kumpel Nick Woltemade war schon einen Schritt weiter, sammelt nun bei Drittligist Elverbserg Spielpraxis, die der Stürmer im Bundesliga-Team nicht bekommen konnte. Leihgeschäfte zu Zweit- und Drittligisten sind eine gängige Praxis für Erstligisten.
Für Lasse Rosenboom steht diese Saison auf jeden Fall noch Regionalliga-Fußball mit Werder II und gelegentliches Training mit den Profis um das derzeit heißeste Stürmer-Duo Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug an. Die beiden seien sehr authentisch, so der Ostfriese. „Sie haben uns jungen Spieler schon im Sommer super aufgenommen. Das sind sehr nette und coole Typen.“
Während die Top-Scorer der Bundesliga Samstag um 15.30 Uhr den FSV Mainz empfangen, tritt Rosenboom 90 Minuten früher mit Werders U23 bei Kickers Emden an. Der letzte Besuch des heimatverbundenen jungen Mannes in Ostfriesland liegt knapp einen Monat zurück. Danach war er mit der U20-Nationalmannschaft fast zehn Tage lang unterwegs und mit Werder II gefordert. „Auch deshalb freue ich mich so sehr auf das Spiel, weil ich auf einen Schlag so viele Leute von mir sehe.“
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