Schulspeisung auf Borkum Mittagstisch im Notfall: Wo wäre das möglich?
Normalerweise gehen Borkumer Grundschüler im Seniorenhuus Mittagessen. Doch wenn da, wie jüngst, Corona ausgebrochen ist, fehlt es an räumlichen Alternativen. Diese zu finden ist nicht leicht.
Borkum - Der jüngste Corona-Ausbruch im Borkumer Seniorenhuus In‘t Skuul hatte nicht nur Auswirkungen für die Bewohnerinnen und Bewohner und das Personal. Auch diejenigen Grundschüler, die werktags am außerschulischen Mittagstisch im Speisesaal der Einrichtung teilnehmen, waren davon betroffen. So konnte das Angebot, das die Grundschule in Zusammenarbeit mit dem Seniorenhuus und der Stadt Borkum ermöglicht, pandemiebedingt vor den Herbstferien zuletzt nicht stattfinden.
Auf die Problematik hatte Markus Wilken (Borkums freie Liste) bereits in der jüngsten Ratssitzung hingewiesen. Er betonte die Wichtigkeit des Angebots, das derzeit rund 40 Mädchen und Jungen wahrnehmen, und drängte darauf, dass die Stadt für Lagen wie diese eine Ausweichmöglichkeit schaffe, wo die Betreuung sichergestellt sei – zumal es die Situation coronabedingt in der Vergangenheit auch schon einmal gegeben habe. Und, so Wilken, er habe auch immer wieder gehört, dass manche Kinder gar kein Frühstück mitkriegten, und für manche die Mahlzeit im Seniorenhuus die einzig warme sei, die sie bekämen.
Viele Gespräche mit den Behörden
Problem erkannt – Problem gebannt: So leicht ist das in diesem Fall nicht, wie Frank Pahl, Leiter des Haupt- und Personalamtes und unter anderem zuständig für Schulangelegenheiten, erklärt. „Dass die Situation so massiv wieder eingetreten ist, ist für uns überraschend gekommen. Ein Plan B ist nicht so einfach“, hatte er im Rat eingeräumt. In der Übergangszeit seien die Eltern angehalten worden, ihren Kindern mehr Essen mitzugeben. Was, so Pahl, wie ihm von den begleitenden Personen berichtet worden sei, auch recht gut funktioniert habe. Doch gesucht werde eine Raumlösung für Situationen, wenn aufgrund von Corona oder anderer Dinge im Seniorenhuus kein Essen ausgegeben werden könne.
Er habe viele Gespräche über das Thema geführt, erklärt der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters, etwa mit dem Landkreis Leer, dem Veterinär- und Gesundheitsamt. Auch mit Leitung von Schule und Seniorenhuus stehe man in regelmäßigem und engem Austausch. Ziel sei es, für die Zukunft gut aufgestellt zu sein – wo und ab wann indes, ist derzeit noch in der Schwebe. Man „drehe an allen Rädern“ und sei dabei, für die Übergangsphase, wenn es zu Schließungen wie zuletzt kommen sollte, etwas zu organisieren, versichert Frank Pahl, ohne Schulvorstand und -ausschuss vorzugreifen und Details zu verraten.
Wäre das Calvin-Haus eine Option?
Eine mögliche Interimslösung: Räumlichkeiten in der Grundschule – ob nun ein frei geräumtes Klassenzimmer oder ein Multifunktionsraum – für das Mittagessen zu nutzen. Dies ist aber an hohe behördliche Auflagen und Richtlinien gebunden, verdeutlicht Frank Pahl. „Es muss fließend warm Wasser geben und spezielle Behälter müssen vorgehalten werden, weil das gelieferte Essen sich nicht runterkühlen darf“, nennt der Hauptamtsleiter zwei Beispiele. Auch eine Ausgabestelle müsse vorhanden sein.
Ähnliche Vorgaben dürften für die Alternative, das Johann-Calvin-Haus, gelten, die Ratsmitglied Jochen Rau (BfL) mit Verweis auf die Nähe zur Grundschule und die kurzen Wege vorgeschlagen hatte. In einem Antrag der CDU-Fraktion aus dem Juli waren für eine Erweiterung der Schulspeisungen zudem die Räumlichkeiten des Fördervereins Lüttje Kanütjes ins Spiel gebracht worden. Diese habe man daraufhin besichtigt, so Frank Pahl. Doch sei diese Option eher schwierig umzusetzen, da Umbauarbeiten erforderlich seien.
„Als Erstes gab es Schnitzel“
Spätestens bis zum Beginn des neuen Schuljahres im Sommer 2023 soll eine Lösung in Sachen außerschulischer Mittagstisch gefunden sein – zumal die Kapazitäten im Seniorenhuus endlich sind. Bis dahin geht man Stand jetzt aber erstmal davon aus, dass nach den Herbstferien ab Anfang November eine Speisung dort wieder möglich sein wird.
Das freiwillige Angebot – Kinder, die beim Mittagstisch dabei sind, können außerdem an der anschließenden Hausaufgabenaufsicht teilnehmen – wird laut Frank Pahl pro Essen mit einem Euro von der Stadt gefördert. Es war vor gut zehn Jahren eingerichtet worden. Er erinnere sich noch gut an den ersten Bericht in der Borkumer Zeitung, so der Hauptamtsleiter. „Als Erstes gab es Schnitzel und Pommes.“