Zu viel Ruß  Beliebter Brauch in katholischer Kirche entfacht ein Problem

| | 29.09.2022 20:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Kerzen geben der Kirche eine besondere Stimmung, hinterlassen aber auch viel Ruß. Foto: Ferber
Die Kerzen geben der Kirche eine besondere Stimmung, hinterlassen aber auch viel Ruß. Foto: Ferber
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Die vielen Kerzen, die jährlich in Borkums katholischer Kirche angezündet werden, verursachen Ruß, der Gotteshaus und Orgel auf die Dauer nicht gut tut. Nun ist Abhilfe in Sicht – doch die kostet.

Borkum - Für viele gehört es zum Kirchenbesuch als festes Glaubensritual dazu: das Anzünden einer Kerze. So auch in der katholischen Kirche „Maria Meeresstern“ auf Borkum. Bildungsreferent Andreas Langkau schätzt, dass jährlich rund 30.000 Kerzen in dem Gotteshaus entzündet werden – aus welchen Beweggründen auch immer. „Es ist für viele Menschen offensichtlich eine sehr wichtige Sache und deswegen wollen wir das unbedingt mit richtigen Kerzen erhalten und nicht mit elektrischen“, macht Langkau deutlich.

Gleichwohl: Das „Dauerfeuer“ bleibt nicht ohne Folgen. „Wir müssen für den Erhalt der Kirche, damit sie nicht zurußt, und damit die Orgel nicht alle drei Jahre gereinigt werden muss, eine Lösung finden, dass der Ruß wegkommt.“ Abhilfe soll nun nicht etwa eine Dunstabzugshaube schaffen, wie man sie aus der heimischen Küche kennt, sondern eine Art Lichterstation, die eine Heizungsbaufirma aus Aachen erfunden hat. Diese Anlage, erklärt Andreas Langkau, könne mit relativ wenig elektrischem Aufwand installiert werden und produziere einen Luftstrom, der den Ruß absauge und zu 98 Prozent aus der Luft filtere.

Kosten liegen bei über 10.000 Euro

Allerdings wird die Anschaffung nicht billig, da die Station handgefertigt werde und die Firma damit (noch) keinen Massenmarkt bediene. Andreas Langkau rechnet mit Kosten von 10.000 Euro plus – eine hohe Summe für die rund 800 Mitglieder kleine Kirchengemeinde „Maria Meeresstern“. Zwar habe man einen eigenen Etat, so Langkau, und bekomme auch finanzielle Unterstützung vom Bistum Osnabrück. „Dennoch bleibt noch ein größerer Teil bei uns liegen.“

Der Bildungsreferent geht grob geschätzt von rund 5000 Euro aus – plus dieselbe Summe (vermutlich sogar noch mehr) für die Orgelreinigung. „Die Kirche lebt ja auch von den Besuchern und würde ohne sie so nicht stehen. Daher finde ich es legitim, um eine Spende zu bitten“, sagt Andreas Langkau. Aber natürlich könne jeder selbst darüber entscheiden. Es handele sich schließlich nicht um eine Zwangsabgabe. Angeschafft werden soll die Anlage „definitiv 2023“. 2022 werde es eher knapp, so der Bildungsreferent abschließend.

Und wie sieht es bei den evangelischen Kirchengemeinden auf Borkum aus?

Die evangelisch-lutherische Christuskirche, lässt Pfarramtssekretärin Sonja Hartwig wissen, sei im Zuge der Installation einer neuen Ton- und Lichtanlage vor einiger Zeit erst neu weiß gestrichen worden. „Da hat es sich angeboten. Bei uns sind auch nicht so viele Kerzen wie bei den Katholiken. Da ist es wohl mehr Tradition.“

Gleiches gilt für die evangelisch-reformierte Kirche auf der Insel. Dort finden sich gar keine Kerzen, die Besucher anzünden können.

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