Emder Pleiten in der Regionalliga 1:6, 1:5, 0:7 – wache Nächte nach der Horrorserie
Kickers-Neuzugang Nick Köster verfügt über reichlich Regionalliga-Erfahrung. Er erkennt verblüffende Parallelen bei den drei Debakeln.
Emden/Oldenburg - Nick Köster feiert am Dienstag seinen 31. Geburtstag. Am Montag war er noch ganz und gar nicht in Partylaune. „Ich habe echt schlecht geschlafen“, sagte der Regionalliga-Fußballer des BSV Kickers Emden. Das Emder 0:7-Debakel bei Holstein Kiel II hatte ihm arg zugesetzt. „So hoch habe ich als Herrenfußballer noch nie verloren.“ Der erfahrenste Regionalligakicker der Mannschaft sucht noch nach Erklärungen für derartige Horror-Pleiten. 1:6, 1:5 und nun 0:7. Dreimal in jüngster Zeit ging Kickers so richtig unter.
Nick Köster sieht Parallelen bei diesem Dreier-Desaster. „Es passierte immer gegen zweite Mannschaften – und immer in der Fremde.“ Nach etlichen Regionalligajahren wertet Köster, der im Sommer von Delmenhorst nach Emden wechselte, diese Ähnlichkeiten nicht als Zufall. „Zweite Mannschaften spielen einen ganz anderen Fußball“, erklärt er. „Die spielen nur flache Bälle, sind jung, schnell und trickreich.“ Und dann kommt ein Faktor auf Emder Seite hinzu. „Sobald wir in Rückstand geraten, bricht unser Kartenhaus zusammen.“
Bis zur 30. Minute war alles gut
Bis zur 30. Minute stand es am Sonntag in Kiel noch 0:0. „Und wirklich gar nichts deutete auf solch ein mögliches Debakel hin.“ Die Emder hätten keineswegs nur mühsam ein 0:0 verteidigt. „Auch wenn es bei einem 0:7 komisch klingt, wir waren richtig gut im Spiel. Aber wenn wir uns ein Tor einfangen, wackelt auf einmal alles.“ So lag Kickers in Kiel zur Pause schon 0:3 hinten, bei Hannover II war es ebenso (Endstand 1:5) und bei der HSV-Reserve stand es zur Halbzeit 1:4 (Endstand 1:6).
Trotzdem spricht Nick Köster nicht davon, dass der BSV Kickers in der Liga restlos überfordert ist. „Wir haben zuletzt beim Pokal in Jeddeloh ordentlich mitgespielt und bei Drochtersen/Assel auch. Das sind echte Herrentruppen.“ Und gegen den Bremer SV siegte der BSV gar völlig souverän mit 3:0. „Da sind wir in Führung gegangen und hatten plötzlich Selbstvertrauen.“
Komplettes Defensivsextett fehlt
Nun kommt allerdings auch arges Personalpech hinzu. Die komplette Abwehrkette mit Jabbie, Dassel und Faqiryar ist derzeit verletzt. Das gilt auch für Stammtorhüter Jannik Wetzel. Und nun fehlte mit Matthias Goosmann und Ibrahim Sillah auch noch das Stammpersonal, das in der Oberliga vor der Abwehr agierte. Ohne dieses Sextett, das für hohe Defensivqualität bürgte, hätte Kickers wohl auch in der Oberliga Probleme bekommen.
Sillah und Goosmann gehören beim Spiel am Sonnabend gegen Phönix Lübeck wieder zum Kader. Jabbie, Dassel und Faqiryar sollen bis dahin zumindest ins Teamtraining zurückkehren. „Trotzdem darf ihr Fehlen keine Ausrede sein“, sagt Trainer Stefan Emmerling. „Alle Spieler im Kader haben den Anspruch, regionalligataugliche Leistungen zu zeigen“, sagt der Trainer.
Emmerlings zweites 0:7
Auch an den Ex-Fußballprofi Emmerling gehen die neun Niederlagen in zehn Partien nicht spurlos vorüber. Auch seine Nächte sind derzeit nicht erholsam. „Ich schlafe zwar auch nach Siegen nicht so gut, aber dann steckt man das besser weg“, erklärt er.
Nun muss er nicht nur Niederlagen verdauen, sondern auch Kritik im „Kicker“ oder bei Facebook. „Aber das ist normal. Dem muss ich mich stellen.“ Dabei hatte Emmerling ähnlich wie Nick Köster in Kiel anfangs ein gutes Gefühl. Sein Team hätte sogar in der Offensive Akzente gesetzt. Der Trainer hätte in dieser Phase niemals an solch ein Desaster gedacht. „Nullkommanull.“ Die Rückfahrt sei für alle deprimierend gewesen. „Es herrschte Stille im Bulli.“
Abfinden möchte sich Stefan Emmerling nicht mit der aktuellen Situation. „Wir sagen jetzt nicht, wir spielen nächstes Jahr sowieso in der Oberliga.“ Auch Nick Köster hofft auf baldige Erfolgserlebnisse. „Im Fußball ist es nicht wie in der Leichtathletik bei Olympia. Da gibt es nur alle vier Jahre eine Chance.“ Köster freut sich nun auf die nächste Gelegenheit am Sonnabend. Auch Stefan Emmerling denkt nichts ans Aufgeben. „Ich habe in der Bundesliga mal mit Wattenscheid mit 0:7 in München verloren“, erzählt er und verweist darauf, dass Horror und Party im Fußball manchmal nahe beieinander liegen. „Das Rückspiel haben wir 3:2 gewonnen.“