Energiekrise  Auch Borkums Kirchen wollen Energie einsparen

| | 11.09.2022 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Damit man im Winter in der Kirche nicht friert, helfen notfalls Strickmütze und Decke: Symbolfoto: Ortgies
Damit man im Winter in der Kirche nicht friert, helfen notfalls Strickmütze und Decke: Symbolfoto: Ortgies
Artikel teilen:

Die Evangelisch-reformierte Kirche empfiehlt ihren Gemeinden, also auch der auf Borkum, im Winter aufs Heizen von Kirchen zu verzichten. Ähnliche Ratschläge gibt es für Lutheraner und Katholiken.

Borkum - Bleiben die Gotteshäuser kalt? Die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer empfiehlt ihren Gemeinden, im Winter auf das Heizen von Kirchen zu verzichten, wie aus einer Presseinformation hervorgeht. In einem Beschluss des kirchenleitenden Moderamens heiße es, dass die aktuelle Klima- und Energiekrise dies erfordere. Reformierte Gemeinden sollten „aus Verantwortung und Solidarität freiwillig so viel Energie einsparen wie möglich“. Die Energieversorgung privater Haushalte und wichtiger Wirtschaftszweige habe Vorrang.

„Insbesondere historische Kirchen haben einen hohen Energiebedarf. Verzichten Sie darauf, mindestens zwischen Weihnachten und Ostern die Kirchengebäude zu heizen. Ein Heizen ist in dieser Zeit nicht notwendig“, ist dem Empfehlungsschreiben an die 143 Kirchengemeinden zu entnehmen. Insgesamt gibt es im Bereich der Evangelisch-reformierten Kirche laut Mitteilung 150 Kirchen und zwölf Kapellen. Gottesdienste könnten aber auch an anderen Orten stattfinden. Nach reformiertem Verständnis gebe es keine sakralen, heiligen Gebäude, so dass sich die Gemeinde an jedem Ort versammeln könne.

„Winterkirche“ als Alternative?

„Eine sogenannte ‚Winterkirche‘ in kleineren Räumen hat ihren eigenen Charme“, findet Winfried Dahlke, Landeskirchenmusikdirektor der evangelisch-reformierten Kirche. Man höre die Predigt direkter, nehme die Gemeinschaft stärker wahr. Chöre oder Orchesterauftritte seien allerdings wohl kaum möglich. Für die Kirchenmusik habe der Gas-Sparplan somit sicher Auswirkungen. Aber: „Ich habe von der Idee gehört, dass, wenn alle paar Wochen für Taufen geheizt worden ist, gleich im Anschluss Konzerte stattfinden könnten. Es ist alles eine Frage der Abstimmung.“ Nur stehe außer Frage, dass sich die Gemeinden nicht für das Heizen finanziell ruinieren können.

Zum Empfehlungsschreiben der Kirchenleitung gehört ferner eine Liste mit Energiechecks, die für alle Gemeindegebäude angewendet werden kann. Außerdem regt das Moderamen an, mit anderen Kirchengemeinden zu kooperieren. Es sei sinnvoll, in einer Region das energieeffizienteste Gebäude etwa für Gemeindegruppen zu nutzen. Dies gelte auch, wenn Trauer- und Traugottesdienste in einer Kirche stattfinden sollen.

Lutheraner und Reformierte wechseln sich ab

Das Kooperationsmodell ist bei Borkums Evangelisch-reformierter Gemeinde und der Evangelisch-lutherischen Christus-Kirchengemeinde seit Jahren gängige Praxis. „Im Winter benutzen wir nur immer jeweils eine Kirche, entweder die lutherische oder die reformierte. Man muss dann immer nur eine Kirche heizen. Wir sind da schon auf Sparkurs“, berichtet Elke Ulsamer aus dem Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde der Insel. Mehr könne sie aktuell zum Energiesparen nicht sagen. Das Thema solle aber nach der Urlaubsrückkehr von Pastorin Margrit Tuente auf der nächsten Kirchenratssitzung besprochen werden.

In den Empfehlungen zum Umgang mit der Energiekriese macht Helge Johr, Vizepräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, deutlich, dass die von der Bundesregierung gefassten Vorgaben zum Energiesparen in öffentlichen Gebäuden auch für Kirchengemeinden gültig seien. Gemeindehäuser, Gemeindebüros und Amtszimmer von Pfarrerinnen dürften nicht wärmer als 19 Grad beheizt werden. Ausgenommen seien Kindergärten und Pflegeeinrichtungen. Sollten Kirchengemeinden trotz aller Sparmaßnahmen die Energiepreise nicht zahlen können, könne ein Antrag auf Unterstützung durch die Gesamtkirche gestellt werden, so Johr.

Landesbischof nennt Sofortmaßnahmen

Auch vonseiten der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover gibt es Energiespar-Empfehlungen, wie Pastor und Pressesprecher Benjamin Simon-Hinkelmann bestätigt. In einem Brief von Landesbischof Ralf Meister ist zu lesen: „Viele unserer Kirchengebäude sind groß und schlecht isoliert, so dass es unverantwortlich wäre, sie in diesem Winter zu heizen. Die dauerhafte Senkung der Heiztemperatur und die Reduzierung von Beleuchtung in Kirchen, Gemeindehäusern und Verwaltungsgebäuden sind wirksamste Sofortmaßnahmen.“

Bei der Evangelisch-lutherischen Christus-Kirchengemeinde auf Borkum, die zur Landeskirche gehört, stehen diese Punkte bereits auf der Agenda, wie Pfarramtssekretärin Sonja Hartwig bestätigt. „Wenn die Heizperiode anfängt, wird die Kirche zu den Gottesdiensten statt wie früher auf 16 nur noch auf 14 Grad geheizt. Wir haben keine Dauerheizung, sondern für jede Veranstaltung heißen wir hoch.“ Für jede Stunde könne die Temperatur nur um ein Grad erhöht werden, „weil das System auch ein bisschen älter ist“, so Hartwig. Dass „die Kirche unterm Leuchtturm“ nur gezielt beheizt werde, sei indes schon immer so gewesen. Neu sei dagegen, dass die Außenbeleuchtung eher ausgeschaltet werde.

Orgel mag keine Temperaturschwankungen

Und wie ist die Lage bei den Katholiken? Andreas Langkau, Bildungsreferent in Borkums Kirchengemeinde „Maria Meeresstern“, gibt Auskunft: „Auch bei uns wird es erhebliche Sparmaßnahmen geben, die wir nächste Woche in unseren Gremien besprechen und beschließen werden. Unsere Experten vom Bistum Osnabrück empfehlen für die Kirche eine Grundtemperatur von neun Grad und 14 Grad für die Gottesdienste.“ Dies gelte auch und vor allem mit Rücksicht auf die Orgel, „die größere Temperaturschwankungen nicht mag, und mit Blick auf Schimmelbildung, wenn die Temperatur zu tief liegt und die Kirche zu feucht wird. Wir werden dieser Empfehlung folgen“, so Langkau.

Und der Bildungsreferent fügt hinzu: „Als Kirchengemeinde befürworten wir ausdrücklich die Sparmaßnahme der Stadt, unsere Kirche nachts nicht mehr anzustrahlen. Das sah natürlich wunderbar aus, bedeutete aber immer schon einen gewissen Luxus.“ Vom Bistum Osnabrück, zu dem die Kirchengemeinde „Maria Meeresstern“ gehört, wird es in Kürze „Empfehlungen auch für andere kirchlich genutzte Räume wie Pfarrheime und Büros geben, die sich im Wesentlichen an den entsprechenden Vorgaben der Bundesregierung orientieren“, bestätigt Pressesprecher Kai Mennigmann.

Ähnliche Artikel