Kickers in der Krise  Trotz 2:21 Toren gibt’s in Emden keine neuen Spieler

| | 29.08.2022 16:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Lage bei Kickers ist ernst, die Mienen sind eher finster. Das zeigt dieses Bild von Stefan Emmerling (von links), Klubchef Dr. Jörg Winter (rechts) und Finanzchef Matthias Nittmann. Foto: Doden
Die Lage bei Kickers ist ernst, die Mienen sind eher finster. Das zeigt dieses Bild von Stefan Emmerling (von links), Klubchef Dr. Jörg Winter (rechts) und Finanzchef Matthias Nittmann. Foto: Doden
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Trainer Stefan Emmerling sieht sein Team in der David-Rolle im Kampf gegen Regionalliga-Goliaths. Er begründet auch, warum Verstärkungen nicht mehr in Frage kommen.

Hamburg - Sechs Spiele, null Punkte, 2:21 Tore und zuletzt die 1:6-Klatsche beim Hamburger SV II – da fällt es jedem Fußballtrainer der Welt schwer, Optimismus zu verbreiten. Stefan Emmerling von Regionalliga-Aufsteiger BSV Kickers Emden verfällt trotzdem nicht in Resignation. „Alle wussten, was in der neuen Liga auf uns zukommt. Wir spielen als David gegen Goliath“, sagt er. Und ein paar Mini-Goliaths befinden sich nicht im Anflug auf Emden. „Jeder kann jetzt nach neuen Spielern schreien“, sagt „Emma“. „Aber wir wissen, was regionalligataugliche Akteure kosten. Kickers hat den kleinsten Etat der Liga und schlichtweg nicht das Geld für Neuzugänge.“

Der Trainer vertraut weiterhin seinen in der vergangenen Saison so kampfstarken Akteuren und ist überzeugt, sie nach und nach an das Niveau in der Regionalliga heranführen zu können. „Wir lassen uns von unserem Weg nicht abbringen. Und den gehen wir gemeinsam. Neue Spieler wird es nicht geben.“ Diese Linie vertritt der Trainer ebenso wie der Vorstand. „Wir stehen in ständigem Austausch.“

Emmerling kämpferisch

Aber garantieren kann auch der langjährige Bundesligaprofi eine bevorstehende Wende mit Akteuren, die Großteils schon vor vier Jahren in der Landesliga für Kickers aufliefen, beim Tabellenletzten nicht. „Wir haben vor drei Monaten gemeinsam über den Aufstieg gejubelt, jetzt trauern wir gemeinsam. Und im Notfall werden wir eben gemeinsam durch eine harte Saison gehen.“

Bei der 1:6-Klatsche in Hamburg zeigte Ayo Adeniran (rechts) im Angriff positive Ansätze. Foto: Schwarz
Bei der 1:6-Klatsche in Hamburg zeigte Ayo Adeniran (rechts) im Angriff positive Ansätze. Foto: Schwarz
Doch bei Stefan Emmerling überwiegt trotz des Desasters von Hamburg mit einem 0:4-Rückstand nach 19 Minuten der verhaltene Optimismus. Schließlich fielen mit Milad Faqiryar und Alagie Jabbie zwei Akteure aus der im Vorjahr so bewährten Dreier-Abwehrkette verletzt aus.

Nach 0:4-Start auf Augenhöhe

Die fehlende Abstimmung in der Emder Defensive nutzten die superschnellen HSV-Techniker gnadenlos aus. Nach vier Gegentoren zwischen der 8. und 19. Minute ging es für den BSV nur noch um Schadensbegrenzung. „Danach mussten wir uns erstmal sammeln und zusehen, dass wir uns stabilisieren und nicht zweistellig abgefertigt werden.“

Das gelang einigermaßen. So gab es für den Abschnitt nach Minute 20 sogar ein kleines Kompliment vom Trainer. „Danach haben wir es ganz gut hinbekommen und waren bis zur Gelb-Roten Karte auf Augenhöhe.“ Nach dem 1:4-Ehrentreffer von Marvin Eilerts folgten die letzten beiden Hamburger Treffer erst nach der Ampelkarte für André N‘Diaye in der 62. Minute.

„Wir werden zulegen“

Weil ohnehin alle über die Niederlagen-Serie reden, betont der Trainer die wenigen positiven Aspekte. „Unsere Angreifer Tido Steffens und Ayo Adeniran haben sich schon deutlich besser präsentiert als zuvor.“ Und vom baldigen Aufwärtstrend in den anderen Mannschaftsteilen ist der Coach ebenfalls überzeugt. „Es ist Luft nach oben. Wir werden zulegen“, versichert er.

Keine Sorge hat Stefan Emmerling, dass der Zusammenhalt in der Mannschaft durch die anhaltend ernüchternden Resultate nachhaltig gestört wird. So hatte Kapitän Bastian Dassel am Donnerstag nach dem Training ein gemeinsames Pizzaessen auf dem Kickers-Gelände organisiert. Und ein paar Tage zuvor hatte Ersatztorwart Timo Kuhlmann zu seinem 28. Geburtstag zwei Kisten Bier mit zum Training geschleppt.

Fast alle Pleiten gegen Spitzenteams

Emmerling erkennt vor dem Spiel am Mittwoch beim Tabellenvierten SV Drochtersen/Assel jedenfalls keinerlei Schockstarre bei seinen Akteuren. „Wir werden uns weiter dem Kampf stellen und hoffen, dass uns dabei alle unterstützen.“

Anlass zur Hoffnung gibt der Blick auf den Spielplan. Nach der Drochtersen-Partie hat Kickers bereits gegen sechs der ersten acht Teams der Tabelle gespielt. Danach werden die Goliaths etwas kleiner. Wenn David sich zugleich steigern würde, könnte die punktlose Emder Tristesse vielleicht doch bald ein Ende finden.

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