Information der Bevölkerung Bürgermeister nimmt Stellung zu Insel-Themen
Vor rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörern hat Jürgen Akkermann über den Sachstand in wichtigen Borkumer Angelegenheiten berichtet. Dabei ging es auch um eine jüngst von der Stadt eingereichte Klage.
Borkum - Erdgasförderung, Wohnraumnot, Südstrand-Problematik: Beim wieder aufgelegten Format der Bürgerinformation hat Rathauschef Jürgen Akkermann (parteilos) am Mittwochabend über aktuelle Themen der Insel berichtet.
Rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörer, darunter Vertreter aus Verwaltung und Politik, waren zu der Veranstaltung ins Feuerwehrhaus gekommen.
Klage gegen die Erdgasförderung
Erwartungsgemäß ganz oben auf der Agenda: Die Ende vergangener Woche bei der Rechtbank in Den Haag eingereichte Klage der Inseln Borkum und Juist gegen die geplanten Erdgas-Bohrungen in der Nordsee. Die Anwaltskosten, so Akkermann, würden von Borkum und Juist getragen. Norderney unterstütze finanziell. Nun warte man auf Antwort des Gerichts – und hoffe auf eine Frist zur Vervollständigung der Klageschrift von acht statt der standardmäßigen vier Wochen.
Bei der Dauer des Verfahrens, so Akkermann, gehe man von ein bis zwei Jahren aus – wobei die Klage keine aufschiebende Wirkung habe. Für den Schritt zu klagen indes habe es viel Unterstützung gegeben. „Nur in einer Mail hat sich jemand aufgeregt, dass wir das gemacht haben.“
Wohnraumnot
Ebenfalls ein drängendes Insel-Thema: fehlender Wohnraum, nicht nur für die dringend benötigten Fachkräfte. Hier hatte Bürgermeister Jürgen Akkermann bereits im Juni einen Aufruf gestartet. Eine Entspannung der Lage könnte die Umwandlung von Ferienwohnungen in Dauerwohnungen bringen. Doch wie sieht es dann mit dem Bestandsschutz aus? Hier, erläuterte Akkermann, sei geplant, in Absprache mit dem Landkreis Leer den Bestandsschutz durch eine zeitlich begrenzte Genehmigung zu erhalten. Heißt: „Man einigt sich mit dem Landkreis auf einen Termin oder einen Zeitraum, wo eine Ferienwohnung in eine Dauerwohnung umgewandelt werden kann.“ Dies solle später dann aber problemlos rückgängig gemacht werden können.
Weitere mittel- und langfristige Projekte für neuen, bezahlbaren Wohnraum böten perspektivisch die Alte Kuranstalt und eine mögliche Nachnutzung des Bauhofgeländes. Auch die Oppermann Wohnungsverwaltung sei nicht aus dem Rennen, betonte Akkermann, und wolle 37 weitere Wohneinheiten in der Upholmstraße umsetzen. Man kämpfe aber unter anderem mit langen Lieferzeiten. Zudem, ergänzte Stadtbaumeister Volker Hosemann im Nachgang, stünden nach der Aufstockung des Hauses in der Kirchstraße 2 insgesamt acht statt wie bisher sechs Wohneinheiten zur Verfügung. Zwei davon seien wegen der geplanten Aufstockung derzeit nicht belegt.
Südstrand-Promenade
Jürgen Akkermann ging auch auf die Situation am Borkumer Südstrand ein, wo der Krischan-Wolters-Pad zwischen „Heimlicher Liebe“ und schwarzem Deckwerk aus Verkehrssicherungsgründen nicht mehr vom Sand geräumt werden darf und versandet, was vermehrt von Einheimischen und Urlaubern kritisiert wurde. Abhilfe soll ein 700 Meter langer und drei Meter breiter Loopdeelenweg aus recyceltem Kunststoff schaffen, für den laut Bürgermeister eine Zusage für eine 90 prozentige Förderung (von 195.000 Euro) vorliegt. Die Ausschreibung sei veröffentlicht worden. Problem: mindestens zehn Wochen Material-Lieferzeit, also zu spät für die Sommersaison 2022.
Wo genau der Weg, den auch Hundebesitzer nutzen sollen, ausgelegt wird, ist noch nicht klar. Das werde erst im nächsten Frühjahr entschieden, lässt Gerhard Begemann, Bereichsleitung Technischer Service/ Strandmeisterei, auf Nachfrage wissen. Der Strand entwickele und verändere sich im Winter und in der Sturmflutsaison könne man den Weg ohnehin nicht verlegen. Jürgen Akkermann hatte in der Informationsveranstaltung auch noch einmal den Hintergrund der vom Eigentümer der Promenade, dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Ems-Nordsee angeordneten Versandung erläutert. Durch die stete Reinigung des Dünenfußes habe die Neigung der Dünen immer mehr zugenommen, sodass die Gefahr bestünden habe, dass große Sandmassen auf einmal abbrechen und Menschen unter sich begraben.
Ehemaliges WSA-Gelände
Bei der Ideenbörse für die künftige Nutzung des ehemaligen, brachliegenden Areals des WSA sind insgesamt 23 Vorschläge eingereicht worden, berichtete Jürgen Akkermann. Die Ideen reichten von Wohnen über eine touristische Nutzung bis zu Gemeindebedarf.
In einer Inselwerkstatt, skizzierte der Rathauschef das weitere Vorgehen, sollen vermutlich im November die Vorschläge gesichtet, aufbereitet und bewertet und das Ergebnis dann dem Rat zur Entscheidung übergeben werden.