Trainerin bei den Young Boys Ostfriesin arbeitet mit Chapuisat am Frauen-Wunder von Bern
Imke Wübenhorst hat ihren Job in der 1. Schweizer Liga der Frauen angetreten. Ihre Arbeitsstätte ist das legendäre Wankdorfstadion. Sie hat schon Vorzüge und Nachteile der Stadt kennengelernt.
Bern/Aurich - Die geschichtsträchtigste Stätte der Deutschen Fußballgeschichte ist das neue Wohnzimmer der Auricherin Imke Wübbenhorst. Im Wankdorfstadion glückte 1954 der deutschen Nationalelf mit dem WM-Triumph im Finale über Ungarn das Wunder von Bern. Auf diesem altehrwürdigen Gelände hat nun die ostfriesische Fußballlehrerin ihr Büro und ihren Trainingsplatz. Am Montag trat sie dort ihren neuen Job als Trainerin der Schweizer Erstligafrauen von Young Boys Bern an.
Nun schuftet sie Tag für Tag rund ums Wankdorfstadion für ihr persönliches Wunder. „Bei den Frauen sind die Mannschaften aus Basel, Zürich oder Genf eine andere Hausnummer“, weiß die 33-Jährige um den Abstand ihrer Mannschaft zur nationalen Elite. So mussten sich die Frauen der Young Boys in der vergangenen Saison in der 1. Liga mit Rang sieben begnügen. „Es wäre ein großer Erfolg, wenn wir in diesem Jahr vielleicht schon Fünfter werden würden.“
Teure Pommes in Bern
Die Frau von der Küste hat klare Ziele, ist derzeit aber noch damit beschäftigt, ihre Mannschaft aus den Bergen erstmal kennenzulernen - und auch die Gegebenheiten in der neuen Stadt. Dort erlebt an den Kassen so mancher Neu-Schweizer erstmals das blaue Wunder von Bern. „Es ist extrem teuer hier“, sagt die vom Dienst freigestellte Gymnasiallehrerin. Sie erfreute sich am Wochenende im Stadion am glorreichen 4:0-Erstliga-Auftaktsieg der Young-Boys-Männer über den FC Zürich und erschrak über ihre kostenintensive Zwischenmahlzeit. „Einmal Pommes, ein Getränk - das waren 16 Franken. Das ist heftig.“ Und wenn sie ihre Dalmatiner-Hündin Baila in der Tierpension abgibt, wird 25 Franken (ein Franke entspricht einem Euro) pro Stunde verlangt. „Das ist ein halbes Vermögen. In Deutschland bezahle ich 15 Euro für einen ganzen Tag.“
Dafür ist natürlich auch ihr Trainergehalt üppiger. Und dieser Job bereitet ihr weitaus mehr Freude in Bern als jeder Einkauf. Mit Generalmanagerin Sandra Betschart und dem Sportlichen Leiter Rolf Kirchhofer hat sie kompetente Kräfte als Ansprechpartner rund ums Wankdorfstadion.
Zusammenarbeit mit Ex-Dortmund-Star
Dazu darf Imke Wübbenhorst auf einen prominenten Coach zählen, der sich regelmäßig ihrer Stürmer annimmt. Ex-Dortmund-Torjäger Stéphane Chapuisat ist Offensivtrainer des Vereins und schult auch die Angreiferinnen der Frauenmannschaft. „Noch habe ich ihn nicht kennengelernt“, sagt die Auricherin. „Aber ich freue mich schon darauf.“
Es ist eben vieles noch unbekannt für die Trainerin. Sie hat aber schon eine der größten Partys der Stadt miterlebt. Mit Young-Boys-Mitarbeitern feierte sie inmitten von Menschenmassen das viertägige Gurten-Festival auf dem Hausberg (der Gurten) der Stadt. „Das war eine wahnsinnige Stimmung.“
Drei Neuzugänge aus Deutschland
Demnächst hofft Wübbenhorst auch auf ein bisschen Atmosphäre beim Damenfußball in Bern. „Wir wollen etwas aufbauen“, sagt sie. Die Basis ist vorhanden. Die U19-Mädchen der Young Boys werden fast regelmäßig Schweizer Meister, wechseln dann aber zu den großen Frauenklubs des Landes. „Wir wollen jetzt dafür sorgen, dass sie künftig nicht mehr abwandern“, sagt die neue Trainerin.
Die Ostfriesin strebt inmitten der Alpen nicht gleich an die nationale Spitze. Aber mit Unterstützung deutscher Neuzugänge aus Duisburg, Frankfurt und Leverkusen sowie einer spielstarken Rumänin soll sich das Niveau der Bernerinnen kontinuierlich nach oben entwickeln.
Imke Wübbenhorst stürzt sich mit Freude und Eifer in ihre neue Aufgabe am Wankdorfstadion. Und sie hofft natürlich, dass irgendwann dabei das Frauenfußball-Wunder von Bern herausspringen wird.
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