Oldenburger sorgte für Aufsehen  Sieben Tage durch die Nordsee – Schwimmer wird im Ziel gefeiert

| | 05.07.2022 13:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Frank Feldhus wurde in Harlesiel am Sonntag um kurz vor 16 Uhr noch im Wasser von seiner Ehefrau Carola Milde in Empfang genommen. Sie führte ihn zur großen „Fangemeinde“, die am Ufer auf den Oldenburger wartete. Foto: Siemens
Frank Feldhus wurde in Harlesiel am Sonntag um kurz vor 16 Uhr noch im Wasser von seiner Ehefrau Carola Milde in Empfang genommen. Sie führte ihn zur großen „Fangemeinde“, die am Ufer auf den Oldenburger wartete. Foto: Siemens
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Von allen Ostfriesischen Inseln schwamm Frank Feldhus jeweils zum Festland. Der Oldenburger machte damit auf Umweltsünden aufmerksam. Die siebte Etappe war eine mit Hindernissen und Schmerzen.

Harlesiel - Als Frank Feldhus am Sonntagnachmittag um kurz vor 16 Uhr die allerletzten Meter in der Nordsee schwamm, kam ihm Ehefrau Carola Milde schon im Wasser entgegen gelaufen. Aus den Lautsprechern einer großen Musikbox hallte der Welthit „Eye of the tiger“ und am Ufer in Harlesiel klatschten Dutzende Verwandte, Freunde und Bekannte. Nach einer Woche mit sieben Schwimm-Etappen vor den ostfriesischen Inseln und 68 Kilometern in der Nordsee hatte der Oldenburger Extremsportler seine Mission gemeistert.

68 Kilometer schwamm Frank Feldhus durch die Nordsee. Foto: DPA
68 Kilometer schwamm Frank Feldhus durch die Nordsee. Foto: DPA

Nach einem ersten dicken Kuss seiner Frau und vielen Umarmungen überreichte eine Bekannte ein frisches Fischbrötchen. „Endlich mal was Salziges“, dachte sich der 62-Jährige mit einer gehörigen Portion Ironie, nachdem er tagelang mit Neoprenanzug und einem Handpaddel im Salzwasser unterwegs gewesen war. Tapfer wie er die letzte, schwere Etappe von Wangerooge nach Harlesiel gemeistert hatte, verschlang er auch das Matjes-Brötchen.

Zu viel Plastikmüll auf dieser Welt

Mit seiner Aktion wollte der Physiotherapeut auf den vielen Plastikmüll in den Meeren und überhaupt auf der Welt aufmerksam machen. „Das ist alles sehr erschreckend. Wir müssen die Natur schützen, dann schützen wir uns auch selbst“, sagte der Oldenburger, der mit seiner einwöchigen Schwimm-Mission viel Aufmerksamkeit in zahlreichen, auch überregionalen Medien erlangte. „Dadurch, dass ich mehrere Tage unterwegs war, war ich im Grunde eine Woche lang auf Sendung – und konnte die Leute damit eine Woche nerven. Vielleicht hat es den einen oder anderen ja zum Nachdenken angeregt.“

In Harlesiel warteten viele Freunde und Bekannte auf Frank Feldhus. Foto: Siemens
In Harlesiel warteten viele Freunde und Bekannte auf Frank Feldhus. Foto: Siemens

Ursprünglich wollte der erfahrene Schwimmer und durchtrainierte Feldhus an sieben Tagen vom Festland aus jeweils die sieben Inseln anschwimmen. Doch das tat er „nur“ beim Start am Montag, 27. Juni, von Leybucht nach Borkum. Da er wegen der Gezeiten nicht wieder rechtzeitig zum Festland gekommen wäre, musste er den Plan ändern. Die Route wurde einfach gedreht. So ging es jeweils einen Tag später von Juist nach Norddeich, Norderney nach Norddeich, Baltrum nach Neßmersiel, Langeoog nach Bensersiel, Spiekeroog nach Neuharlingersiel und schließlich zum Abschluss von Wangerooge nach Harlesiel. Dabei war Feldhus fast immer schneller am Ziel als ursprünglich eingeplant. Das war auch schon beim Start so, als er für die 18 Kilometer nach Borkum nur 4:10 Stunden statt der errechneten sieben Stunden benötigte. „Der erste Abschnitt war der schönste und ein wahrer Genuss.“

Fiese Wellen und eine Feuerqualle

Das Gegenteil wurde der Schlussakt. Dabei sah es am Sonntagmorgen auf Wangerooge beim Blick auf die Wettervorhersage noch bestens aus, auch beim Start war es windstill. „Doch nach 30 Minuten im Wasser schlug das Wetter um. Es wurde sehr windig, und die Wellen kamen ganz fies von der Seite, so dass ich keinen großen Rhythmus mehr hatte und immer wieder neu ansetzen musste.“ Damit aber nicht genug: Eine Feuerqualle biss ihn an den Stellen, an denen der Neoprenanzug nicht seine Haut bedeckte. „Das brannte gewaltig. Auch in der Nacht konnte ich kaum schlafen – aber da muss man durch“, sagte der Extremsportler.

Partystimmung herrschte in Harlesiel. Frank Feldhus bedankte sich bei allen, die gekommen waren. Foto: Siemens
Partystimmung herrschte in Harlesiel. Frank Feldhus bedankte sich bei allen, die gekommen waren. Foto: Siemens

Nach zweieinhalb Stunden hatte der Oldenburger dann das Ziel in Harlesiel erreicht. Seine Familie mit Kindern und Enkeln, Freunde, Patienten und auch Touristen nahmen ihn feiernd in Empfang. Dutzende Menschen applaudierten, als der „Held“ zur Rocky-Hymne „Eye of the tiger“ ankam. Aber Feldhus lenkte die Aufmerksamkeit auch schnell auf seine Helfer. „Wir müssen jetzt noch ein paar Bilder mit den Menschen machen, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre.“

Kajak-Fahrer und DLRG halfen bei der Tour

Da war zum einen der Auricher Kajak-Fahrer Matthias Lux, der in Aurich eine Kajak-Schule betreibt. Er hatte schon den Extremschwimmer André Wirsing begleitet, als dieser vom Festland 18 Stunden nach Helgoland geschwommen war (50 Kilometer). Lux hatte auch geholfen, einen Plan für die Nordsee-Tour von Frank Feldhus zu entwerfen. „Ich bin schließlich Physiotherapeut, kein Seemann“, sagte Feldhus.

Frank Feldhus wurde bei seiner Tour von Kajak-Fahrer Matthias Lux aus Aurich (hält ihn im Arm) und der DLRG begleitet sowie unterstützt. Foto: Siemens
Frank Feldhus wurde bei seiner Tour von Kajak-Fahrer Matthias Lux aus Aurich (hält ihn im Arm) und der DLRG begleitet sowie unterstützt. Foto: Siemens

Der Kajak-Fahrer diente als Orientierung und Sicherheitsnetz – ebenso wie ein Boot der DLRG. Die DLRG aus mehreren Ortsvereinen begleitete den 62-Jährigen ebenfalls bei der ganzen Tour. „Sonst wäre das alles wegen der Strömungen auch lebensgefährlich gewesen.“

Zur Nordsee und den Inseln hatte der Ein-Mann-Physiotherapie-Betrieb auch schon vor seiner Sieben-Tages-Schwimmreise eine starke Verbindung. Zum einen, weil er ein Naturliebhaber ist. Und zum anderen, weil er auf Spiekeroog auch einen der schönsten Tage seines Lebens verbracht hatte. „Wir haben dort geheiratet.“

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