Aufstiegsrunde zur Regionalliga Ein Kickers-Gegner lässt Fans über die Startelf abstimmen
Wir stellen die Emder Gegner in der Aufstiegsrunde schon einmal vor. Alle drei Klubs aus Todesfelde, Bremen und Hamburg sind auf ihre Art speziell. Die Hamburger aber ganz besonders.
Emden - 13 Jahre nach dem plötzlichen Rückzug aus der 3. Liga in den Amateurfußball kann der BSV Kickers Emden zumindest wieder auf die semiprofessionelle Fußball-Landkarte zurückkehren. In wenigen Tagen am 29. Mai startet für den niedersächsischen Oberliga-Vizemeister die einwöchige Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord. Aus dem Quartett Kickers Emden, Bremer SV, Concordia Hamburg und SV Todesfelde steigen am Ende zwei Mannschaften in die 4. Liga auf. Während die Emder Fußballer vor dem Start (Heimspiel gegen Bremen) noch ein freies Wochenende genießen, sind zwei Kickers-Gegner am Sonnabend und Sonntag noch im Pflichtspiel-Einsatz. Unsere Zeitung stellt in Kurz-Porträts schon einmal die drei Aufstiegsrunden-Gegner vor.
Bremer SV (29. Mai, 15 Uhr in Emden): Mit dem Brinkumer SV lieferte sich der Bremer SV lange Zeit ein Duell um die Meisterschaft in der Oberliga des Bremer Fußball-Verbandes, gewann am Ende aber eindrucksvoll, vorzeitig und souverän den Titel: mit 98 (!) von 102 möglichen Punkten. 32 Siege, zwei Unentschieden und 152:25 Tore lautet die Bilanz des Serienmeisters der vergangenen Jahre, der zwischen 2014 und 2019 fünfmal in der Aufstiegsrunde antrat – und fünfmal scheiterte. „Oftmals knapp, aber das zählt am Ende nicht. Wir wollen das nicht nochmal erleben und hoffen, dass wir uns dieses Mal durchsetzen können“, sagt Ralf Voigt. Beim letzten Versuch 2019 war Voigt Trainer. Nun ist der Oldenburger Sportlicher Leiter beim Traditionsverein. „Unser Klub hat eine große Geschichte“, so Voigt. Nach dem 2. Weltkrieg war man kurzzeitig auf Augenhöhe mit Werder Bremen, später auch noch in der drittklassigen Oberliga am Ball. Die vergangenen Jahre gehörte der BSV zum Spitzenpersonal der 5. Liga in Bremen, die qualitativ in der Breite als Schwächer als die Oberliga Niedersachsen angesehen wird – das trifft aber auch auf die Hamburg-Liga zu.
300 bis 400 Bremer in Emden
Der Bremer SV ist bei großen Spielen auch ein Zuschauermagnet. „Ich kann mir gut vorstellen, dass uns 300 bis 400 Fans nach Emden begleiten“, schätzt Ralf Voigt. Sein Fokus geht nun erstmal aber Richtung Verbandspokal-Endspiel. Mit einem Sieg gegen den Leher TS an diesem Sonnabend kann der Bremer SV erneut den DFB-Pokal erreichen, die ARD-Sportschau überträgt im TV Ausschnitte ab 16.40 Uhr und im Internet die gesamten 90 Minuten live.
Concordia Hamburg (1. Juni, 19.30 Uhr in Oberneuland): „Cordi“ ist der Klub, dessen Aufstiegsrunden-Teilnahme am längsten feststeht – obwohl das Team die Meisterrunde der Oberliga Hamburg nur als Tabellenfünfter abschloss. Doch sowohl der souveräne Meister TuS Dassendorf – zum wiederholten Male – um Ex-Bundesliga-Stürmer Martin Harnik als auch Niendorf (2.), Sasel (3.) und Victoria Hamburg (4.) beantragten keine Lizenz für die Regionalliga.
Echtzeit-Manager bei „Cordi“ Concordia Hamburg ist ein Traditionsklub, spielte bis zur Gründung der Bundesliga viele Jahre in der höchsten Liga (Oberliga Nord), danach noch lange in den höchsten Amateurklassen. Nach einigen Jahren in der Hamburger Oberliga bestreitet der Klub diese Saison völlig neue Wege. Gegen einen Monatsbeitrag von rund acht Euro können Fans an einer Art „Echtzeit-Fußball-Manager“ teilnehmen, entscheiden per Internet-Abstimmung mit über Taktik und Aufstellung. „Wir leben das tatsächlich. Das ist einzigartig in Deutschland“, sagt Stefan Kohfahl, der das Projekt namens „Club Rockit“ betreut und sich als „Sportlicher Berater“ von Concordia und Klubchef Matthias Seidel bezeichnet. Seidel ist Gründer der bekannten Internetplattform „transfermarkt.de“, die unter anderem Marktwerte von Fußballern berechnet.
Kohfahl sieht „Cordi“ in der Relegation nicht chancenlos, auch wenn das Team nur Fünfter wurde. „Es kam am Ende viel zusammen. Von der Qualität sind wir schon die zweite Kraft der Liga.“ Die „Community“ – die zahlenden Fans – darf wie auch in der regulären Saison im Vorfeld mit Abstimmungen über die Aufstellung mitentscheiden und hat auch auf Einwechslungen Einfluss. „Das klingt verrückt, funktioniert aber.“ Trainer Frank Pieper-von Valtier habe sich auch gut darauf eingestellt. „Er ist Oberstudienrat und ein cleverer Mann.“
Dorfklub aus Schleswig-Holstein
SV Todesfelde (5. Juni, 15 Uhr in Todesfelde): Seit Mittwochabend ist der Klub aus dem Landkreis Segeberg Meister der Oberliga Schleswig-Holstein. Sonntag steht noch das letzte Spiel gegen Eckernförde an. Die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga stand schon ein paar Tage länger fest, weil nur noch der Dritte SV Eichede eine Lizenz beantragt hatte und Vizemeister Eckernförde nicht. „Vor zwei Jahren hatten auch wir uns dagegen entschieden, obwohl wir uns sportlich qualifiziert hatten“, erzählt Holger Böhm.
Auf der Homepage des Vereins wird er als „Voice of Deathfield“ betitelt. Der Stadionsprecher ist aber vor allem seit fast 20 Jahren Vereinschef und seit 40 Jahren Vorstandsmitglied. „Das Ehrenamt ist das Fundament in unserem Verein. Das ist keine Floskel.“ Die vielen Helfer, aber auch Teile der Mannschaft wollten das Wagnis 4. Liga für den Klub aus dem 1000-Einwohner-Dorf mit stattliche 660 TuS-Mitgliedern nicht eingehen. „Das ist dieses Mal anders. Wir haben es uns vor der Saison als Ziel gesetzt. Wenn es nicht klappt, bricht bei uns aber auch keine Welt zusammen.“
Zwei Großsponsoren und viele mittlere
Die Spieler kommen aus dem Einzugsgebiet zwischen Hamburg und Lübeck und durchliefen in der Jugend teilweise auch die Nachwuchsabteilungen des Hamburger SV, von Holstein Kiel oder dem VfB Lübeck. Einige spielen schon viele Jahre für den SV Todesfelde, der laut Klubchef Böhm Oberliga- und möglicherweise bald den Regionalliga-Fußball über mehrere Säulen finanziert. „Wir haben zwei Großsponsoren, aber auch 60 kleinere und mittlere, die zwischen 300 und 5000 Euro geben.“
Der Zuschauerschnitt in den Ligaspielen beträgt etwa 300. „Wenn im letzten Spiel wir und Kickers Emden bei uns aufsteigen: Das wäre doch eine tolle Geschichte“, meint Böhm. Bei einer solchen Konstellation dürften die 1250 Plätze im Joda-Sportpark alle besetzt sein.
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