Fußball
Herbe Kickers-Enttäuschung vor Rekordkulisse
Die Emder Hoffnungen auf den Sprung in die Regionalliga erhielten einen schweren Dämpfer. Beim 2:4 gegen Arminia verspielten die Emder eine 2:0-Führung.
Emden - Eigentlich war alles für einen perfekten Kickers-Tag angerichtet. Platz hervorragend, Wetter traumhaft und mit 1014 Zuschauern freuten sich die Emder auch noch über eine Rekordkulisse in dieser Spielzeit. Die 2:4 (1:0)-Niederlage gegen den Tabellenletzten von Arminia Hannover versetzte alle Ostfriesen im Stadion in einen kollektiven Schockzustand.
„Das darf uns nach einer 2:0-Führung einfach nicht passieren“, meinte ein fassungsloser Kapitän Bastian Dassel, der aufgrund seiner zehnten Gelben Karte zum Zuschauen verdammt war. Die Emder spielten nicht gut, dennoch lagen sie nach dem Treffer von Tido Steffens (58.) mit 2:0 in Führung. Doch anstatt den Vorsprung zu verwalten und zumindest den Sieg nach Hause zu fahren, folgte ein Desaster.
Dassel war sprachlos
„Ich bin wirklich sprachlos. Schon vorher war das nicht wirklich überzeugend. Das einzig Gute ist, dass wir den zweiten Platz noch aus eigener Kraft schaffen können“, erklärte Ersatz-Kapitän Tido Steffens. Durch den Ausfall von Dassel rückte Marvin Eilerts in die Dreierkette, ansonsten vertraute Kickers-Trainer Stefan Emmerling der erfolgreichen Elf aus der Vorwoche vom Auswärtssieg bei Ramlingen-Ehlershausen, Urlaubs-Rückkehrer Matthias Goosmann nahm zunächst auf der Bank Platz.
Und obwohl die Gäste in der Aufstiegsrunde bisher erst einen mageren Zähler einsammeln konnten, agierten sie keineswegs wie ein Team aus der unteren Tabellenhälfte. Die Emder Spieler dürften bei einem Blick auf die Aufstellung schon gestaunt haben, schließlich saß mit Torhüter Jasper Jacobs lediglich ein Mann auf der Ersatzbank des Gegners. Und schon in der Anfangsphase hatten die Emder großes Glück, als Luc-Elias Fender in der neunten Minute alleine auf Torhüter Jannik Wetzel zulief, sein Schlenzer aber nur ganz knapp am linken Pfosten vorbei ging. Danach übernahmen die Emder das Geschehen, Hannover zog sich zurück.
Hannover nur mit einem Rumpfkader
Für Kickers lief dann eigentlich alles nach Plan. In aussichtsreicher Position schnappte sich Alagie Jabbie in der 25. Minute den Ball. Wie eine Kopie des Freistoßtores in Wolfsburg zirkelte er den Ball zur Kickers-Führung ins Netz. Aber auch der Treffer sorgte nicht für große Ruhe. Direkt nach dem Wechsel deutete sich schon an, dass sich der Gegner keineswegs wehrlos ergeben würde. „Ich bin völlig fertig und glücklich. Wir hatten viele Verletzte und nur einen Rumpfkader, aber manchmal schweißt solch eine Situation noch mehr zusammen“, strahlte ein überglücklicher Gäste-Trainer Oliver Rothenburger.
Er sah seine Mannschaft, die sich auch nach dem zweiten Emder Treffer durch Steffens nach Kräften wehrte. Als Alagie Jabbie und Corvin Braun ihren Gegenspieler Felix Poschmann im Strafraum in die Zange nahmen, setzte David Lucic (69.) mit dem verwandelten Foulelfmeter den Startschuss für die Aufholjagd. Nach dem Kickers-Keeper Jannik Wetzel katastrophal patzte, traf Andre Nicolas Ndiaye (82.) sogar zum Ausgleich. Aber das war noch lange nicht alles, die Emder fielen völlig auseinander. Zunächst gelang erneut Ndiaye das 3:2. Als Keeper Wetzel dann zu einer Ecke mit nach vorne stürmte, sorgte David Lucic (90+2.) mit einem Schuss ins verwaiste Tor für den 2:4-Endstand.
Trainer Emmerling mit Kritik
„Wir haben in den letzten Wochen viele Siege gefeiert, heute haben wir leider einen schwachen Tag erwischt. Bei den Gegentoren haben wir uns auch nicht gut angestellt“, kritisierte Trainer Stefan Emmerling. Er wollte aber den Kopf nicht in den Sand stecken. „Noch ist nichts verloren. Jetzt müssen wir uns einmal schütteln und den Mund abputzen, Mittwoch geht es weiter.“ Nach den Ergebnissen dürfte es für Kickers wohl nur noch um den zweiten Platz gehen. Wobei ein euphorischer Arminia-Trainer Rothenburger versprach: „Am Mittwoch hauen wir auch Lohne weg.“
Kickers Emden: Wetzel, M. Eilerts, M. Faqiryar, Jabbie, Sillah (85. Bamezon), Wulff, Visser, Konda (64. Braun), van der Werff (54. Goosmann), Steffens, Adeniran.
Tore: 1:0 Jabbie (26.), 2:0 Steffens (58.), 2:1 Lucic (69.), 2:2 Ndiaye (82.), 2:3 Ndiaye (85.), 2:4 Lucic (90+2).