Volkslauf

Ossiloop: Zwei Favoritensiege und ein 1000-Becher-Rätsel

Sören Siemens Hannah Weiden
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Von Sören Siemens und Hannah Weiden
| 06.05.2022 22:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Ossiloop-Familie zog am Freitagabend weiter, Richtung Gut Stikelkamp. Fotos Ortgies
Die Ossiloop-Familie zog am Freitagabend weiter, Richtung Gut Stikelkamp. Fotos Ortgies
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Bei der zweiten Ossiloop-Etappe setzten sich wieder die Favoriten durch. So auch die bemerkenswerte Führende Katharina Saathoff. Rund um den Lauf gab es ein Rätsel um 1000 gestohlene Trinkbecher.

Gut Stikelkamp - Die Favoritenfrage ist beim Ossiloop längst beantwortet. Auch bei der 2. Etappe am Freitag von Holtland nach Gut Stikelkamp über 8,6 Kilometer siegten wie erwartet Andreas Kuhlen (28:36 Minuten) und Katharina Saathoff (30:09). Dafür bleibt ein unerwartetes Rätsel unbeantwortet: Wer hat am Nachmittag 1000 Trinkbecher von einem Verpflegungsstand in Hesel gestohlen?

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„Als ich gegen 14 Uhr die Strecke nochmal abgefahren bin, waren die Becher noch da“, sagte Organisator Edzard Wirtjes. „Als ein anderer Helfer dort später vorbeiging, nicht mehr. Wir wissen nicht, wer die Becher dort gestohlen hat.“

Nach dem Becherklau wurden neue Wasserbecher organisiert. Foto: Ortgies
Nach dem Becherklau wurden neue Wasserbecher organisiert. Foto: Ortgies

Verdursten mussten die 897 Starter und Starterinnen aber nicht. Die Organisatoren hatten rechtzeitig vor dem Start für ausreichend Becher-Ersatz gesorgt. Der Start verzögerte sich wegen eines tragischen Verkehrsunfalles um 15 Minuten. Auf der B436 in Holtland waren am Nachmittag ein Lastwagen und ein Auto frontal zusammengestoßen. Der 50-jährige Autofahrer aus der Samtgemeinde Hesel wurde tödlich verletzt.

Schneller als fast alle Männer

Für die schöneren Schlagzeilen rund um die kürzeste Etappe sorgte erneut Katharina Saathoff aus Moormerland, die nur fünf Männern im Ziel den Vortritt lassen musste. „Das war heute härter als erwartet“, sagte die Topfavoritin wegen des wärmeren Wetters. Die heute 21-Jährige hatte vor drei Jahren die Wertung der weiblichen Jugend gewonnen. Bei den ersten beiden Etappen diese Woche zeigte sie wieder eindrucksvoll ihr Können: Von Logabirum nach Holtland lief sie die 10,6 Kilometer in nur 37:33 Minuten. Damit wurde sie bei der ersten Etappe Gesamtsiebte und war knapp sieben Minuten schneller als die zweitplatzierte Frau Verena Coordes. Auch Freitag betrug der Vorsprung mehr als vier Minuten.

Katharina Saathoff (rechts) lässt sogar fast alle Männer hinter sich und hat in der Frauenwertung schon einen großen Vorsprung. Foto: Ortgies
Katharina Saathoff (rechts) lässt sogar fast alle Männer hinter sich und hat in der Frauenwertung schon einen großen Vorsprung. Foto: Ortgies

„In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, die Frauenwertung zu gewinnen“, sagt Katharina Saathoff im Gespräch mit dieser Zeitung. Es ist der mittlerweile achte Ossiloop für die Ostfriesin, wenn man die zwei virtuellen Läufe 2020 und 2021 nicht mitrechnet. „Der Ossiloop ist eine richtige Herzensangelegenheit für mich. Durch ihn bin ich nämlich erst so richtig zum Laufsport gekommen und 2019 habe ich beim Ossiloop meinen Freund kennengelernt“, sagt die Ostfriesin, die mittlerweile in Bremen lebt.

Wochenplanung große Herausforderung

Dort macht sie ein duales Studium im Bereich Gesundheitsmanagement. Im wöchentlichen Wechsel geht es für die 21-Jährige entweder in den Hörsaal oder in die Verwaltung eines Krankenhauses nach Rotenburg. Da ist es also eine ziemliche Herausforderung, Studium, Ausbildung und den Laufsport unter einen Hut zu bekommen. Etwa 100 Kilometer wöchentlich und zwei Laufeinheiten täglich sind keine Seltenheit im Trainingsprogramm. „Ich habe schon ziemlich schwere Beine aktuell. Diese Woche hatte ich gar keine Pause“, sagt sie. Momentan befindet sich Saathoff in einer intensiven Trainingsphase für anstehende Wettkämpfe. Diesen Sonnabend hätte sie sogar an der Deutschen Meisterschaft in Baden-Württemberg teilnehmen können. Da sie aber am Freitag noch hat arbeiten müssen, wäre der Anreise-Aufwand und der Stress zu groß gewesen, erklärt sie. Nun verbringt sie das Wochenende in Ostfriesland: „Mein Vater hat am Wochenende Geburtstag und Sonntag ist ja auch noch Muttertag – da bietet sich das also an.“

Dieser Läufer startete mit einer besonderen Kopfbedeckung. Foto: Ortgies
Dieser Läufer startete mit einer besonderen Kopfbedeckung. Foto: Ortgies

Die Läuferin ging 15 Jahre für ihren Heimatverein SV Warsingsfehn an den Start, ehe sie Anfang des Jahres zum Braunschweiger LC wechselte. Dort wird sie von Ossiloop-Titelverteidiger Andreas Kuhlen trainiert. In den vergangene Jahren hat Saathoff einen unglaublichen Leistungssprung hingelegt: Im Herbst gewann sie den Bremer Halbmarathon mit einer starken Zeit von 1:23:45 Stunden – nur zwölf Männer waren an diesem Tag schneller als sie. Ihre persönliche Bestzeit über zehn Kilometer erreichte die 21-Jährige im März dieses Jahres beim Berlin Invitational Run. Mit 35:11 Minuten unterbot sie ihre bisherige Bestzeit um mehr als eineinhalb Minuten. Und nun ist sie auf dem besten Weg, die Ossiloop-Königin des Jahres 2022 zu werden.