Fußball
Schlammschlacht bei Germania: Özdemir schießt gegen Zuidema
Chaos beim Fußball-Landesligisten Germania Leer. Nach dem Rauswurf von Trainer Michael Zuidema tauchte der Vorstand zunächst ab. Jetzt bezieht Ferhat Özdemir (2. Vorsitzender) Stellung.
Leer - Lange hatte der Vorstand von Germania Leer geschwiegen und auf Anfragen nicht reagiert. Gestern erwischte die Redaktion den zweiten Vorsitzenden Ferhat Özdemir in seinem Büro in der Leeraner Innenstadt. Der Bauunternehmer äußerte sich ausführlich zur aktuellen Lage beim Traditionsverein. Am Sonntag hatte sich der Klub vom langjährigen Trainer Michael Zuidema getrennt. Dabei ist keineswegs die sportliche Talfahrt ausschlaggebend gewesen.
„Mit seinen öffentlichen Aussagen hat er uns als Deppen dargestellt. Das konnten wir uns nicht länger bieten lassen“, so Özdemir. „Durch seine Kommunikation hat sich Michael Zuidema praktisch selber herauskatapultiert“, erklärte der Fußball-Funktionär. Die Vorwürfe Zuidemas seien nicht mehr hinnehmbar gewesen. „Wir haben den Verein komplett entschuldet, ein Neuanfang ist möglich. Wir hätten hier auch zusperren können. Die letzten Aussagen haben das Fass zum Überlaufen gebracht.“
Diskussionen über Pommesbude
Zudem habe er lesen müssen, dass der Verein schlecht aufgestellt sei. „Da wird sich beschwert, dass die Pommesbude auf dem Platz zu hat oder die Eckfahnen Fransen haben. Beim Caterer gab es leider Coronafälle, und neue Fahnen waren längst bestellt“, verteidigt sich Özdemir. Ex-Coach Michael Zuideam war in den letzten Wochen verstärkt an die Öffentlichkeit gegangen, um seinen Unmut über die Vorstandsarbeit mitzuteilen. „Auf meine Verbesserungsvorschläge oder Mails in den letzten Wochen und Monaten wurde teilweise gar nicht reagiert. Der Gang an die Öffentlichkeit war mein letzter Hilferuf, meine letzte Patrone“, meinte Zuidema, der hoffte, ein Umdenken anstoßen zu können. Aber auch eine mögliche Entlassung als Reaktion habe er einkalkuliert, gesteht Zuidema.
Obwohl Özdemir und Zuidema jahrelang zusammenarbeiteten, hakte es offenbar ganz stark an der internen Kommunikation. Aus familären Gründen wollte Zuidema im letzten Sommer kürzertreten, Christian Rosendahl und Torben Dirks übernahmen. Zusammen mit Özdemir und Zuidema einigten sich Rosendahl und Dirks damals darauf, dass Zuidema – sofern familiär alles klar laufe – zurückkommen könne. Das wurde dann im Winter auch in die Tat umgesetzt, Zuidema wurde zunächst Teammanager, nach Rosendahls Rücktritt kurze Zeit später wieder Cheftrainer.
„Zuidema ist gescheitert“
Laut Özdemir war es auch die Aufgabe Zuidemas, mit den Spielern der aktuellen Mannschaft zu verhandeln und eine schlagkräftige Truppe für die neue Saison auf die Beine zu stellen. Dafür habe ihm laut Özdemir das gleiche Budget wie in der aktuellen Spielzeit zur Verfügung gestanden. „Dann kam eine Hiobsbotschaft nach der anderen, viele Spieler werden uns verlassen. Wir hatten da eine klare Aufgabenteilung. Er ist gescheitert und hat dann mit seinem Aufschrei kapituliert“, sagte Özdemir.
Zuidema beurteilt die Lage aus seiner Sicht. „Ich führe immer alle Erstgespräche mit möglichen Neuzugängen, das war schon immer so. Aber die Verhandlungen mit Spielern aus dem aktuellen Kader sollte Josef Karbach führen und dann auch final die Verträge abschließen. Da ist es dann aus den verschiedensten Gründen immer wieder zu Verzögerungen gekommen.“
Ex-Coach klingt versöhnlich
Özdemir entgegnet, dass er als Funktionär nicht beurteilen könne, welcher Spieler bleiben solle oder nicht. „In den vergangenen Jahren stand spätestens im Frühjahr der Großteil des Kaders für die neue Saison fest, das hat Michael Zuidema in den letzten Jahren immer so gemacht. Warum es diesmal nicht funktioniert hat, weiß ich nicht“, so Özdemir.
Zuidema meinte abschließend: „Ich persönlich hoffe, dass Ferhat und ich uns auch weiterhin in die Augen schauen können.“ Nach den letzten Wochen muss dafür aber wohl noch einige Zeit ins Land gehen.