Fußball
Blau-Weiß Lohne patzt – Kickers jubelt nach 3:0-Sieg doppelt
Kickers setzte die Konkurrenz Samstag mit einem 3:0-Sieg unter Druck - und die patzte am Sonntag. So verlor Spitzenreiter BW Lohne. Beim Emder Erfolg spielte ein Kicker trotz einer Bindehautenzündung.
Ramlingen/Emden - Der Kapitän kam am Freitag direkt von einer dreitägigen Diensteise in Hamburg ins Hotel nach Hannover, der Torwart reiste mit einer Bindehautenzündung und angeschwollenen Augen an: Die Spieler des BSV Kickers Emden nehmen zur Not viel in Kauf, um die bisher tolle Saison weiter zu krönen. Am Samstag „nullte“ sich der Fußball-Oberligist wieder ein Stück Richtung Regionalliga. Der 3:0-Sieg beim SV Ramlingen-Ehlershausen war im siebten Meisterrunden-Spiel die fünfte Partie ohne Gegentreffer. Drei sind es überhaupt erst.
Auch deshalb hat Kickers drei Spieltage vor Saisonende große Aufstiegschancen. Da Spitzenreiter BW Lohne am Sonntag 0:1 in Wolfsburg verlor, sind die Emder nun punktgleich und nur wegen der vier Treffer schlechteren Tordifferenz Zweiter. Der Vorsprung auf Rang drei ist auf fünf Punkte angewachsen. Der Meister steigt bekanntlich direkt auf, der Vizemeister geht ab dem 29. Mai in eine einwöchige Aufstiegsrunde.
Bindehautendzündung beim Torwart
„Unser Trainer sagt oft: Hinten steht erstmal die Null, vorne machen wir immer einen“, erzählt Keeper Jannik Wetzel, der sich über eine konzentrierte Defensivleistung seines Teams und drei Treffer von Ayo Adeniran (27.), Holger Wulff (Foulelfmeter, 68.) und Tido Steffens (76.) in Ramlingen freute. Auch der 26-Jährige zeigte eine konzentrierte Vorstellung, verschuldete in der Schlussphase aber fast noch das 1:3, als er einen langen Ball durch die Hände rutschen ließ und Stürmer Björn Masur das nicht nutzen konnte. Auf die Bindehautenzündung wollte das der Schlussmann nicht schieben: „Das wäre nicht ehrlich. Es war einfach mein Fehler.“
Am Freitagabend war ein Einsatz noch in weiter Ferne. Fiebrig und verschnupft konnte der frühere Jugendspieler von Werder Bremen die ganze Woche nicht trainieren. Freitag schwoll bei der Arbeit in einen Oldenburger Aldi-Markt – er wird als Filialleiter ausgebildet – sein Auge dann plötzlich an und wurde rot. Klubchef und Teamarzt Dr. Jörg Winter stellte eine Bindehautenzündung fest, verschrieb eine Creme und rettete so den Einsatz. „Die Salbe hat über Nacht Wunder gewirkt. Am Freitag sah ich auf einem Auge noch verschwommen, so hätte ich nicht spielen können.“
„Es ist ganz viel harte Arbeit“
Als „Wunder“ bezeichnet der frühere Regionalliga-Keeper des BV Cloppenburg und VfB Oldenburg (20 Einsätze) den Emder Höhenflug in dieser Saison nicht. „Es ist einfach ganz viel harte Arbeit der gesamten Mannschaft“, so Wetzel, der betont: „Wenn wir alles raushauen, ist es ganz schwer, gegen uns einen Treffer zu erzielen.“
Spieldaten
Emden: Wetzel; Jabbie, Dassel, Faqiryar, Sillah, Wulff, Visser (85. Braun), Konda (87. Eilerts), van der Werff (87. Bamezon), Steffens, Adeniran.
Tore: 0:1 Adeniran (27.), 0:2 Wulff (Foulelfmeter, 68.), 0:3 Steffens (76.).
Das stellte auch der SV Ramlingen-Ehlershausen am Samstag vor rund 300 Zuschauern fest. Ein Kopfball nach einer Ecke und ein abgeblockter Fernschuss – mehr ließ die Emder Defensive in Halbzeit eins nicht zu. Da hatte Kickers etwas mehr Offensivaktionen und zwei klare Chancen. Ein Kopfball von Darlin van der Werff aus zehn Metern ging über das Tor (44.), ein platzierter Schuss von Ayo Adeniran nach einer tollen Einzelleistung hinein (27.).
Nur ein Siegerbier für den Kapitän
Mit Beginn der zweiten Halbzeit machte der Gastgeber etwas mehr Druck und besaß auch zwei Möglichkeiten. Doch nach 55 Minuten wurde es wieder ausgeglichen, ehe die Vorentscheidung fiel. Nach Foul an Heiko Visser verwandelte Holger Wulff einen Elfmeter zum 0:2 (68.). Tido Steffens mit einem schönen Linksschuss links unten ins Eck aus 20 Metern traf dann wenige Minuten später zum 0:3 (76.).
„Ich bin super zufrieden, wie konzentriert und souverän wir hier auf dem engen Platz aufgetreten sind“, sagte Trainer Stefan Emmerling, der nach der Partie noch in ungewohnter Rolle auftreten musste. Für den obligatorischen Siegesgesang forderten die rund 50 mitgereisten Fans diesmal „Emm, Emm, Emmerling“ als Vorsänger. Der stimmte mit Hilfe von Außenspieler Yanic Konda dann die „Humba“ an.
Diese Bilder genoss auch Kapitän Bastian Dassel, der nach der zehnten Gelben Karte am Sonntag gegen Arminia Hannover gesperrt ist. Der Abwehrchef beließ es nach der Partie bei einem Siegerbier, da er im Privatauto die Rückfahrt antrat. Nach einer Dienstreise von Mittwoch bis Freitag nach Hamburg und zwei Tagen Kickers Emden freute er sich auf den Sonntag mit Frau Olga und den beiden Söhnen (2,1) – Kraft tanken für den Endspurt im Aufstiegsrennen.
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Trainer Emmerling gibt nach Emder 4:0-Sieg den Party-Befehl