Fußball

Sillahs unbeschreibliche Freude und stiller Schmerz

| | 20.04.2022 15:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ibrahim Sillah fühlt sich in Groningen sehr wohl. Der Modellathlet absolviert ein Trainingspensum wie ein Fußballprofi. Foto: Herzog
Ibrahim Sillah fühlt sich in Groningen sehr wohl. Der Modellathlet absolviert ein Trainingspensum wie ein Fußballprofi. Foto: Herzog
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Der sportliche Weg von Ibrahim Sillah geht nach oben. Kürzlich wurde der Fußballer von Kickers Emden Nationalspieler für Sierre Leone. Privat hat er eine große Stütze an seiner Seite.

Groningen - Die Gefühle müssen unbeschreiblich gewesen sein. Minutenlang strahlt Ibrahim Sillah seinen Gesprächspartner an, die außergewöhnliche Freude kann er bestens vermitteln. Wenn ein Spieler erstmals für sein Heimatland das Nationaltrikot überstreifen darf, ist es immer eine große Ehre. Für Ibrahim Sillah war es noch viel, viel mehr. Immer wieder kommt er während des Interviews auf den bislang größten Erfolg in seiner Karriere zurück und schwelgt in Superlativen von seiner ersten Nominierung für die Nationalmannschaft von Sierra Leone. Der Fußballer des Oberligisten Kickers Emden streifte Ende März in zwei Freundschaftsspielen gegen Togo und den Kongo im türkischen Antalya das Nationaltrikot über.

Er benutzt dann doch eine Fußballer-Phrase, aber ihm nimmt man sie sofort ab. „Schon als kleiner Junge habe ich davon geträumt, für mein Heimatland aufzulaufen“, berichtet Sillah. Als Heranwachsender spielte er auch bereits für die U-16-Nationalmannschaft von Sierra Leone. Einige ehemalige Mitspieler hätten Trainer John Keister auf den Mittelfeldspieler aus dem fernen Ostfriesland aufmerksam gemacht. So war die Einladung zur Nationalmannschaft auch zugleich ein Wiedersehen mit alten Freunden, Weggefährten, er hat Heimatgefühle verspürt. „In erster Linie haben wir Englisch gesprochen, teilweise aber auch in meiner Muttersprache Krio“, berichtet Sillah.

Ibrahim Sillah (rechts) singt voller Inbrunst die Nationalhymne mit. Screenshot: Homes
Ibrahim Sillah (rechts) singt voller Inbrunst die Nationalhymne mit. Screenshot: Homes

Freundin fast immer mit dabei

Über seine Kindheit, die Familie oder auch die Gründe für seine Flucht in die Niederlande möchte er nicht sprechen. „Das wäre mit zu viel Schmerzen verbunden“, sagt Sillah leise. Sierra Leone ist eines der ärmsten Länder der Welt, jahrelang tobte in dem westafrikanischen Land ein blutiger Bürgerkrieg.

Seit sieben Jahren ist Ibrahim Sillah nun in den Niederlanden. Seine beste Freundin Bianca, die früher leistungsmäßig Basketball in den Niederlanden spielte, ist für ihn eine sehr große Stütze. Bei den Heimspielen drückt sie in Emden auf der Tribüne die Daumen, die Auswärtsspiele verfolgt sie am Livestream und auch ansonsten kann sie das außergewöhnliche Sportpensum des 27-jährigen Modellathleten als ehemalige Leistungssportlerin verstehen. „Er lebt für den Fußball und den Sport, manchmal muss ich ihn sogar ein wenig bremsen“, erzählt sie schmunzelnd.

Ibrahim Sillah (links) möchte mit Kickers in dieser Saison aufsteigen. Archivfoto: Doden
Ibrahim Sillah (links) möchte mit Kickers in dieser Saison aufsteigen. Archivfoto: Doden

Bleibt Sillah bei Kickers?

Denn obwohl Sillah in Emden den Fußballsport semiprofessionell betreibt, lebt er wie ein Profisportler. Täglich macht er stundenlang seine Einheiten. Und auch beruflich setzt er voll und ganz auf den Sport, macht eine Ausbildung zum Fitnesstrainer. „Oft stehen bei der Ausbildung auch noch sportliche Aktivitäten an“, erzählt Sillah, der auch besonders auf seine Ernährung achtet. „Am liebsten kommt bei mir Reis auf den Tisch, gerne auch mit Fisch.“ Auch wenn er auf Süßigkeiten, Fast Food oder Alkohol gänzlich verzichtet, gesteht er eine ganz klitzekleine Schwäche. „Ich liebe Popcorn, das mache ich mir auch mal gerne am Abend selber“, lacht Sillah.

Mit den holländischen Mannschaftskollegen Alagie Jabbie und Darlin van der Werff bildet er von Groningen aus zu den Kickers-Trainingseinheiten und Spielen eine Fahrgemeinschaft. Aber nicht nur im Auto herrscht eine gute Stimmung. Auch sonst lobt er die gute Chemie in der Mannschaft. „In meiner Karriere denke ich von Schritt zu Schritt, und auch bei Kickers. Wir sind super gestartet, es könnte etwas werden mit dem Aufstieg.“ Ob er auch in der kommenden Spielzeit für die Emder auflaufen werde, könne er noch nicht sicher beantworten. Der Vertrag läuft bis zum Ende der Spielzeit. Klar ist für ihn nur, dass er so hoch spielen wolle wie möglich. Möglich ist dieses Ziel eine Liga höher ja in der neuen Spielzeit auch mit Kickers Emden zu erreichen. Sillah ist bei Trainer Stefan Emmerling im Mittelfeld mittlerweile eine feste Größe. Nach seiner Sperre durch die Gelb-Rote Karte am vergangenen Wochenende dürfte er im Spitzenspiel gegen den 1. FC Egestorf-Langreder wieder in die Startelf zurückkehren.

Nach der Rückkehr aus der Türkei „schwebt er seit Tagen auf einer Wolke“, erzählt Freundin Bianca. Keine allzu schlechten Voraussetzungen für weiterhin starke Leistungen im Dress von Kickers Emden.

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