Fußball

Selbst Emdens Oberbürgermeister forderte Elfmeter

| | 15.04.2022 17:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Tido Steffens (Mitte) hat soeben nach einer Ecke das Emder 1:1 erzielt und dreht jubelnd ab. Fotos: Doden
Tido Steffens (Mitte) hat soeben nach einer Ecke das Emder 1:1 erzielt und dreht jubelnd ab. Fotos: Doden
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900 Zuschauer sahen das 1:1 des BSV Kickers in der Aufstiegsrunde gegen Ramlingen-Ehlershausen. Eine Szene wurde hinterher heiß diskutiert. Auch Tim Kruithoff hatte dazu eine klare Meinung.

Emden - Dem Emder Oberbürgermeister wird gelegentlich nachgesagt, kein Fußballherz für den BSV Kickers Emden zu besitzen. Mit diesem Vorurteil räumte Tim Kruithoff am Donnerstagabend im Spiel der Oberliga-Aufstiegsrunde kräftig auf. Beim 1:1 gegen den SV Ramlingen-Ehlershausen vor der Rekordkulisse von 900 Zuschauern (851 zahlende) erwies auch er Ostfrieslands fußballerischem Aushängeschild seine Ehre. „Kickers hätte den Sieg verdient gehabt“, urteilte Kruithoff hinterher durchaus fachmännisch.

Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (hinten, Zweiter von links) war am Donnerstag einer der 900 Zuschauer im Stadion.
Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (hinten, Zweiter von links) war am Donnerstag einer der 900 Zuschauer im Stadion.

Schon während der Partie ließ der Stadtchef durchblicken, dass er dem BSV unbedingt einen Sieg wünschen würde. So postete der einstige Vorsitzende von BW Borssum in seiner Instagram-Story ein Foto aus dem Ostfriesland-Stadion und versah es mit dem Zusatz „Daumen drücken für Kickers Emden“.

Kruithoff dachte wie Emmerling

Auch bei der Szene, die nach Spielschluss die Gemüter erhitzte, zeigte er sich nicht sportpolitisch neutral, sondern stadtpatriotisch. „Natürlich war es ein Elfmeter“, sagte Kruithoff lächelnd. Gemeint war die Szene in der 90. Minute, als Kickers-Stürmer Tido Steffens im Strafraum zu Boden ging, 900 Fans grölten, Schiedsrichter Niklas Olle (Wolfenbüttel) aber abwinkte. Mit seiner Einschätzung lag der OB ganz auf einer Linie mit dem BSV-Cheftrainer Stefan Emmerling. „Da hätte es zwingend Elfmeter geben müssen.“

BSV-Akteur Bastian Dassel (links) und Timo Gieseking kamen sich sehr nahe.
BSV-Akteur Bastian Dassel (links) und Timo Gieseking kamen sich sehr nahe.

Auch Steffens zeigte sich nach dem Spiel fassungslos – zumal ihm sein Gegenspieler das mündliche Eingeständnis zugeraunt hatte. „Er hat mir beim Abpfiff bestätigt, dass es ein Foul war.“ Der Stürmer selber hatte daran ohnehin keinen Zweifel. „Er hat mir das Standbein weggetreten.“

Kleiner Kickers-Rückschlag

So vermasselte die stumme Pfeife den Emdern die Chance zur Krönung eines perfekten Flutlichtabends vor der größten Kulisse seit zweieinhalb Jahren. Das 1:1 bedeutete zweifelsohne einen kleinen Rückschlag im Aufstiegskampf – zumal Tabellenführer BW Lohne mit 3:0 in Braunschweig gewann. „Unser Ziel ist es, einen der ersten beiden Plätze zu belegen“, stellte Emmerling nach der ersten Hälfte der zehn Aufstiegsrundenspiele klar. Diese Chance ist für den aktuellen Zweiten vor den noch ausstehenden drei Heim- und zwei Auswärtsspielen nach wie vor intakt.

So ließ der Coach trotz zweier verlorener Zähler keinesfalls Frust erkennen. Schließlich war neben Ibrahim Sillah (gesperrt), Ayo Adeniran (verletzt) kurzfristig mit Matthias Goosmann (Corona) noch ein dritter Leistungsträger ausgefallen. „Und dann sind wir auch noch kalt erwischt worden.“ Nach einem Emder Abspielfehler in der 5. Minute traf Björn Masur im Gegenzug zum 0:1 gegen die unsortierte Kickers-Abwehr, in der Alagie Jabbie zunächst fehlte, weil er Adeniran im Angriff ersetzen sollte. Weil sich dieses Experiment nicht als Volltreffer erwies, rückte Jabbie nach der Pause wieder zurück in die Verteidigung.

Nach dem Ausgleich tobte das Stadion

Das dezimierte Kickers-Team bewies nach dem 0:1 Moral, stürmte ständig, verbreitete aber Torgefahr fast nur durch Freistöße oder Eckbälle von Holger Wulff. „Da haben wir vor der Pause ein paarmal Glück gehabt“, räumte Ramlingens Trainer Philipp Gasdes ein. Dieser Dusel war in der 51. Minute aber bereits aufgebraucht. Nach einer weiteren brandgefährlichen Wulff-Ecke bugsierte Tido Steffens den Ball zum 1:1 ins Netz.

Statistik

Emden: Wetzel, Dassel, Eilerts, Faqiryar, Jabbie, Visser, Braun, Wulff, Konda (73. Bamezon), van der Werff, Steffens

Tore: 0:1 Masur (5.), 1:1 Steffens (51.)

Das Stadion tobte, aber kurioserweise verebbte danach der Emder Angriffsschwung für 30 Minuten. Erst in der Schlussphase zeigte sich die Mannschaft wieder so wild entschlossen wie die Fans. Nach der strittigen Foulszene mit Tido Steffens tat sich in der Nachspielzeit urplötzlich doch noch die Siegchance auf. Nach einer Steffens-Flanke hätte Milad Faqiryar beinahe im Getümmel das 2:1 geköpft. „Ich bin ausgerutscht“, grämte sich Faqiryar. „Sonst wäre der Ball drin gewesen. Das ist bitter.“

Stefan Emmerling lobte am Ende dennoch den Kampfgeist seiner Mannen und freute sich über die Stippvisite des Stadtoberhaupts. „Das ist eine Auszeichnung für unsere guten Leistungen“, sagte er und hofft auf ein Wiedersehen. „Der Oberbürgermeister ist auch zu den nächsten Spielen herzlich eingeladen.“

Die Highlights der Begegnung

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