Fußball

Landesligist Germania Leer droht der große Spieler-Ausverkauf

| | 14.04.2022 11:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Droht Germania der Absturz? Sportlich stabilisierte sich der Landesligist seit der Winterpause. Doch vier feststehende und weitere zu erwartende Abgänge lassen die Leeraner nicht zuversichtlich in die Zukunft schauen. Archivfoto: Ortgies
Droht Germania der Absturz? Sportlich stabilisierte sich der Landesligist seit der Winterpause. Doch vier feststehende und weitere zu erwartende Abgänge lassen die Leeraner nicht zuversichtlich in die Zukunft schauen. Archivfoto: Ortgies
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Zwei Tage, vier Abgänge: Bei Germania Leer brodelt es. Weitere Spieler stehen vor dem Abgang. Es droht im schlimmsten Fall der Ausverkauf und eine düstere Zukunft. Der Verein äußert sich bisher nicht.

Leer - Sehr unruhige Tage und Wochen warten auf den VfL Germania Leer. Der Fußball-Landesligist kämpft auf dem Rasen um den Klassenerhalt – und muss abseits des Sportplatzes nun beginnen, den kompletten Ausverkauf zu verhindern. Die am Dienstag bekannt gewordenen Abgänge von Kapitän Lukas Koets (BW Papenburg) und der Stammspieler Arlind Jonjic und Julian Jauken (beide TuRa 07 Westrhauderfehn) dürften erst der Beginn einer Reihe von zahlreichen Sommer-Abgängen sein. Am Mittwoch gesellte sich schon Leistungsträger Eike Begemann hinzu. Sein Abgang im Sommer ist fix, der Wechsel zu Blau-Weiß Papenburg sehr wahrscheinlich.

Eike Begemann spielt seit 2016 für Germania Leer. Foto: Damm
Eike Begemann spielt seit 2016 für Germania Leer. Foto: Damm

Der Abschied von Kapitän Lukas Koets ließ nicht nur in der Mannschaft, sondern auch in der Öffentlichkeit aufhorchen. Der bescheidene Rheiderländer gehört zu den besten ostfriesischen Fußballern und hielt dem VfL in den vergangenen Jahren immer die Treue. Der 25-Jährige gehört wie Julian Jauken, Max Schrock-Opitz oder Daniel Diekmann zu den Spielern im Kader, die schon in der B- und A-Jugend unter Michael Zuidema zahlreiche Erfolge beim JFV Leer feierten. Auch wegen Trainer Zuidema lehnte Koets in der Vergangenheit Offerten aus Jeddeloh, Emden oder Papenburg ab. Dass das weiter vorhandene und besondere Vertrauensverhältnis der beiden diesmal nicht reichte, Koets zum Bleiben zu überzeugen, ist auch ein Zeichen für die Missstände außerhalb des Platzes.

Mannschaft fühlt sich alleine gelassen

Die Mannschaft ist „für sich“: Spieler, Trainer- und Betreuerteam. Einen festen Ansprechpartner seitens des Vereins fehle, monieren viele Akteure. Auch Trainer Michael Zuidema kritisiert diesen Umstand und die Tatsache, dass nun erst begonnen werden soll, mit den Spielern über die Saison 2022/2023 zu sprechen. Mitte April: Zu einem Zeitpunkt, an dem die meisten Konkurrenten schon fast alles geregelt haben. Das ist einer der größten Kritikpunkte unter den oft genannten „Rahmenbedingungen“.

Trainer Michael Zuidema (rechts) hat große Sorgen um seinen Herzensverein Germania Leer. Foto: Ortgies
Trainer Michael Zuidema (rechts) hat große Sorgen um seinen Herzensverein Germania Leer. Foto: Ortgies

Diese haben auch bei Eike Begemann, Leistungsträger und seit 2016 im Team, zum Nein zu Germania beigetragen. „Das hat wesentlich in meine Entscheidung mit eingespielt“, erklärt der Außenverteidiger aus Ditzum, der in der Jugend beim FC Groningen und in Meppen eine starke fußballerische Ausbildung genoss. Dabei entstand unter Trainer-Rückkehrer Michael Zuidema durch eine starke Vorbereitung und einen guten Punktspielstart so etwas wie eine Aufbruchstimmung. Mit einher ging aber keine Gespräche mit den Spielern über die Zukunft. „Mit mir hat bis heute niemand gesprochen“, so der Rheiderländer.

Vorstand bisher ohne Stellungnahme

Unsere Zeitung wollte dazu auch den Vorstand befragen. Den sieht auch Trainer Michael Zuidema bei diesem Thema in der Pflicht. „Ich bin als Trainer für das Sportliche zuständig.“ Der 2. Vorsitzende und Fußball-Spartenleiter Ferhat Özdemir war ebenso wenig erreichbar wie der 1. Vorsitzende Michael Zimmermann, der erst am Donnerstag mit unserer Zeitung darüber sprechen könne.

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Der Vorstand schweigt – im Kader rumort es. Nach Informationen unserer Zeitungen haben viele Spieler Angebote anderer Vereine erhalten, einige auch schon weit fortgeschrittene Gespräche geführt. Der Start der Germania-Unterhaltungen könnte daher bei manchem zu spät sein.

Jauken auch zu TuRa 07

So wie bei Eike Begemann. Der Rheiderländer möchte sich in Leer aber mit dem Klassenerhalt verabschieden. Ob er dabei noch aktiv helfen kann, ist offen. Im Training zog sich der Leistungsträger einen Meniskuseinriss zu. In zwei Wochen wird entschieden, ob eine Operation nötig ist oder er im Mai doch nochmal auf den Platz zurückkehren kann. Die Verletzung zog er sich im linken „Problem-Knie“ zu. Er hatte sich schon zweimal das Kreuzband gerissen.

Auch Julian Jauken spielte seine gesamte Herrenzeit bei Germania und verlässt den Verein nun. Foto: Ortgies
Auch Julian Jauken spielte seine gesamte Herrenzeit bei Germania und verlässt den Verein nun. Foto: Ortgies

Nachdem Stürmer Arlind Jonjic am Dienstag als Neuzugang bei Landesliga-Konkurrent TuRa 07 Westrhauderfehn vorgestellt worden war, gaben die Fehntjer am Mittwoch auch die Verpflichtung von Julian Jauken bekannt. Der Allrounder hatte am Dienstag seinen Abschied bei Germania Leer verkündet und ähnliche Beweggründe genannt wie Begemann.

Auch Trainer-Abschied droht

Sollten viele weitere Spieler des durchaus talentierten Germania-Kaders mit einer Altersstruktur, die Hoffnungen für die Zukunft gemacht hätte, das Team verlassen, dürften schwere Zeiten für die fußballerische Nummer eins der Stadt anbrechen. Trainer Michael Zuidema dürfte ohne konkurrenzfähiges Team nicht bleiben. Völlig unabhängig von der Liga. Er hat seine Zukunft angesichts der Gesamtlage bewusst offen gelassen.

Selbst viele Zugänge aus der A-Jugend des JFV Leer (Bezirksliga) für eine entsprechende Quantität sind nicht zu erwarten. Zum einen spielen nicht alle 18- und 19-Jährigen mit einem Pass des VfL Germania, sondern einige auch mit jenem der weiteren Stammvereine Frisia Loga und Borussia Leer. Zum anderen möchte rund ein halbes Dutzend JFV-Spieler zu umliegenden Vereinen wie Brinkum oder Nortmoor wechseln beziehungsweise zurückkehren.