Fußball

Kurioses Nord-Phänomen spült Kickers an die Spitze

| | 05.04.2022 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Alle Hände voll zu tun hatte Braunschweigs Torhüter Ken Venancio am Sonnabend beim Spiel in Emden. Kickers setzte seine Erfolgsserie fort und gewann mit 2:0. Fotos: Wagenaar
Alle Hände voll zu tun hatte Braunschweigs Torhüter Ken Venancio am Sonnabend beim Spiel in Emden. Kickers setzte seine Erfolgsserie fort und gewann mit 2:0. Fotos: Wagenaar
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Die Emder dürfen vom Aufstieg in die Regionalliga träumen. Das liegt auch an einer imposanten Bestmarke, die den BSV Kickers als Abwehrspezialisten ausweist.

Emden – Der BSV Kickers Emden ist ganz offensichtlich die Mannschaft für den Ernstfall. Nach einer reichlich verpatzten Wintervorbereitung mit satten 21 Gegentoren und nur einem Sieg in sechs Testpartien präsentieren sich die Kickers-Fußballer im Punktemodus der Oberliga-Aufstiegsrunde wie umgekrempelt. Drei Spiele, drei Siege, null Gegentore und Platz eins. Da staunt sogar der Trainer. „Das ist überragend. So richtig habe ich daran selber nicht geglaubt“, räumt Stefan Emmerling ein.

BSV-Trainer Stefan Emmerling freut sich über den überragenden Start ins Jahr 2022.
BSV-Trainer Stefan Emmerling freut sich über den überragenden Start ins Jahr 2022.

Er kann gar nicht verhindern, dass sieben Spiele vor Saisonschluss zarte Aufstiegsträume reifen – vor allem wegen der aktuellen Emder Defensivkunst. Denn in Oberligaspielen ist seine Mannschaft nun schon seit 377 Minuten und damit mehr als sechs Stunden ohne Gegentor.

16:4 Siege für die Nordteams

Möglicherweise trägt zum furiosen Start ins Jahr 2022 auch ein offensichtliches „Nordphänomen“ bei. Denn den Vergleich mit den Mannschaften der Oberligastaffel Hannover/Braunschweig haben die Nordlichter aus der Staffel Lüneburg/Weser-Ems in den ersten Spieltagen der Entscheidungsrunden klar für sich entschieden. Das gilt für die Aufstiegsrunde ebenso wie für die Abstiegsstaffel.

Der Norden führt nach 27 Spielen in beiden Staffeln mit 16:4 Siegen ganz eindeutig. Dazu kommen noch sieben Unentschieden. Und rechnet man eine gesonderte Tabelle nur für die Spiele seit Beginn der Aufstiegsrunde dann liegen tatsächlich die fünf Nordklubs auf den ersten fünf Plätzen – und die anderen fünf in Tabellenhälfte zwei. Auch dieses Phänomen spülte Kickers an die Spitze.

Lupo sieglos, aber spielstark

„Die Mannschaften aus unserer Staffel sind offenbar schon etwas stärker“, sagt Lohnes Co-Trainer Sandro Heskamp. „Aber es handelt sich um Nuancen im Bereich von 60:40.“ BW Lohne feierte gegen die Südkandidaten zwei Siege und erreichte ein Unentschieden. „Aber es war alles sehr eng“, betont er. Beim 1:0 über Lupo Martini Wolfsburg verschoss der Gegner sogar einen Elfmeter, ehe Lohne kurz vor Schluss das Siegtor erzielte. Auch beim 3:2 über SV Ramlingen/Ehlershausen blieb die Partie am Sonnabend bis zur letzten Sekunde spannend. Und beim Süd-Ersten in Egestorf, der gegen Emden mit 0:1 unterlag, erkämpften die Lohner ein 2:2. „Egestorf wird ernsthaft um den Aufstieg mitspielen“, glaubt Heskamp.

Auch die anderen Lohner Klassengefährten aus der Hinrunde punkteten fleißig, aber meistens mit Mühe und Not. So endete noch keine Partie der Aufstiegsrunde mit drei Toren Differenz. Einmal gab es ein 3:1, zudem siegte Kickers 2:0 gegen FT Braunschweig – alle anderen Spiele verliefen noch spannender. „Von der Leistungsdichte ist alles eng beisammen“, urteilt Stefan Emmerling. „Auch wenn die Statistik für die Vereine aus unserer Vorrunden-Staffel spricht. Aber das kann sich auch drehen.“ Der Emder Trainer zeigte sich jedenfalls vom kommenden Gegner aus Wolfsburg sehr angetan. „Ich habe das Spiel in Lohne gesehen. Wolfsburg hätte auch gewinnen können.“

Zwei Südklubs wollen nicht aufsteigen

Auch beim 1:2 gegen den Heeslinger SC soll der einst von Gastarbeitern gegründete Klub vom Pech verfolgt gewesen sein. „Für mich war Lupo Martini ein Mitfavorit in der Aufstiegsrunde und nun haben sie ziemlich viel Pech gehabt und sind in vier Spielen ohne Sieg geblieben.“

Auch Trainer Paul Nieber vom Vorrunden-Ersten Germania Egestorf/Langreder glaubt nicht an eine derart große Diskrepanz zwischen Nord und Süd wie es die Zahlen derzeit ausdrücken. „Es ist sicher nicht alleine Zufall“, sagt er, verweist aber auch darauf, dass die zwei in der Aufstiegsrunde noch sieglosen Teams von Arminia Hannover und FT Braunschweig mit wenig Ambitionen in den zweiten Saisonteil gestartet sind. „Die waren froh, der Abstiegsrunde entgangen zu sein und haben gar keinen Antrag für die Regionalliga gestellt.“ So sei FT Braunschweig am Sonnabend in Emden mit dem letzten Aufgebot angereist. „Da waren sogar drei A-Jugendliche dabei. Es fehlten viele Leistungsträger – darunter der Kapitän und der Torjäger.“

Derartige Fakten verbergen die nackten Zahlen. Deshalb hofft nun BW Lohne, dass der Aufstiegskonkurrent aus Ostfriesland am Sonntag in der VW-Stadt patzen könnte. „Wolfsburg ist wirklich stark und kann Emden schlagen“, sagt BW-Co-Trainer Sandro Heskamp. Die derzeit so abwehrstarken Emder „Emmerlinge“ möchten das hingegen verhindern. „Es wird am Sonntag sehr schwer für uns“, sagt der BSV-Trainer. „ Aber ich hoffe nicht, dass sich ausgerechnet jetzt die Statistik dreht.“

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