Fußball
Kickers-Akteur für Länderspiele von Sierra Leone nominiert
Vor dem Emder 1:0-Sieg erfuhr die Mannschaft von der ehrenvollen Berufung ihres Mittelfeldmannes. Die drei Partien finden in der kommenden Woche statt.
Emden - Fußball-Oberligist BSV Kickers Emden sorgt aktuell für große Schlagzeilen. Am Sonntag verblüfften die Emder mit einem 1:0-Sieg in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga beim Spitzenreiter FC Germania Egestorf/Langreder. Am Montag präsentierte der BSV die nächste Erfolgsmeldung. Mittelfeldmann Ibrahim Sillah befindet sich auf dem Sprung zum Nationalspieler. Der 26-Jährige erhielt eine Einladung für drei Länderspiele von Sierra Leone in der kommenden Woche in der Türkei.
„Wir freuen uns riesig für ihn und sind natürlich auch stolz, dass Ibi für sein Land nominiert worden ist“, sagt Kickers-Trainer Stefan Emmerling. Von dieser Nachricht erfuhr die Emder Mannschaft am Abend vor dem Spiel in Egestorf im Hotel in Hannover. „Da hat er die Sache ganz vorsichtig angesprochen“, erzählt Emmerling. „Ich glaube fast, er hatte Sorge, wir würden ihm das nicht erlauben.“ Doch das Gegenteil war der Fall. Mannschaft, Trainer und Betreuer waren regelrecht begeistert von dieser einzigartigen Chance für ihren Mittelfeldmann.
Kontakt über Ex-Mitspieler
Sillah ist überglücklich: „Mit einer Nominierung für die Nationalmannschaft hätte ich nie im Leben gerechnet, die Einladung ist eine ganz große Ehre für mich. Wann und wie ich am Sonntag in die Türkei fliegen werde, weiß ich noch nicht. Aber das wird eine großartige Erfahrung werden“, meinte Sillah.
In der U16 hat er bereits für Sierra Leone gespielt, mit einigen aktuellen Nationalspielern ist er auch in Kontakt. Die hatten die Trainer dann offenbar auf ihn aufmerksam gemacht. In der letzten Woche kam dann der Anruf von Coach John Keister, am Wochenende dann die schriftliche Einladung.
Spiele vom 24. bis 29. März
Am Montag dann leitete Sillah, der in Groningen lebt, seinem Coach die offizielle Einladung des Fußballverbandes von Sierra Leone weiter. Die Westafrikaner sind in der Weltrangliste auf Platz 108 notiert. Kürzlich qualifizierte sich das Team erstmals seit 1996 für den Afrikacup und überraschte dabei mit einem 2:2 gegen die Elfenbeinküste.
In dem Schreiben, das Sillah nun erhielt, ist von drei Spielen der Mannschaft zwischen dem 24. und 29. März in Antalya gegen andere afrikanische Nationalteams die Rede. Die erste Partie bestreitet Sierra Leone am 24. März gegen Togo. Es folgen Duelle gegen den Kongo und gegen Liberia.
Erst Ramlingen - dann Togo
Zunächst steht aber für Sillah und den BSV Kickers das nächste Spitzenspiel der Aufstiegsrunde auf dem Programm. Am Sonnabend erwarten die Emder als Tabellenzweiter den drittplatzierten SV Ramlingen/Ehlershausen. „Am Tag danach steigt Ibi dann in den Flieger“, sagt sein Coach. Durch die starken Leistungen der Emder ist der defensive Mittelfeldmann offenbar in den Fokus der Trainer seines Heimatlandes geraten. „Irgendwie sind die Scouts auf ihn aufmerksam geworden“, sagt Stefan Emmerling.
Er gönnt seinem Spieler die ehrenvolle Nominierung von ganzem Herzen. „Ibi ist ein total lieber und demütiger Mensch.“ Nur auf seine Widersacher im Spiel nimmt er laut Emmerling wenig Rücksicht. „Da ist er eine richtige Kampfmaschine und setzt seinen muskulösen Körper perfekt ein.“
Starkes Spiel in Egestorf
Nachdem die Emder Mannschaft am Sonnabend derart positiv auf Sillahs Nachricht reagiert hatte, blühte er laut Kickers-Coach beim Spiel in Egestorf regelrecht auf. „Er gewann fast alle Zweikämpfe.“ Damit trug der 26-Jährige im Spitzenspiel maßgeblich zum Emder Übergewicht im Mittelfeld bei.
Wie sehr ihm die Emder Mannschaft ans Herz gewachsen ist, zeigte sich in Egestorf in der 90. Minute, als Kickers den spielentscheidenden Elfmeter zugesprochen bekam. Das Video vom Elfmetertor durch Holger Wulff zeigt, dass Sillah bei der Ausführung des Strafstoßes vor Aufregung gar nicht hingucken mochte und sich Richtung Kickers-Tor wegdrehte. Als dann der Jubel ertönte, eilte er als einziger Spieler zum Emder Fanblock und feierte das Tor mit den Anhängern.
Keine Frage, Ibrahim Sillah ist in seinen eineinhalb Kickers-Jahren ein echter Emder geworden – und ein stolzer Bürger seines Heimatlandes geblieben.