Fußball

Vor Emder Spitzenspiel in Egestorf: Bei Corona steht es 2:2

| | 11.03.2022 14:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Jubelpose würden die Emder Ibrahim Sillah und Bastian Dassel auch Sonntag gerne einnehmen. Foto: Doden
Die Jubelpose würden die Emder Ibrahim Sillah und Bastian Dassel auch Sonntag gerne einnehmen. Foto: Doden
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Im ersten Spiel der Aufstiegsrunde zur Fußball-Regionalliga reist Kickers Emden zu Spitzenreiter FC Germania Egestorf-Langreder. Beide Klubs sind vom Coronavirus betroffen.

Egestorf/Emden - Corona und die hohen Inzidenzzahlen machen auch um den Fußballsport keinen Bogen. So weiß vor dem Start der Aufstiegsrunde zur Regionalliga kein Trainer so ganz genau, welche Akteure ihm am Wochenende zur Verfügung stehen. Das gilt auch für das Spitzenspiel zwischen dem 1. FC Germania Egestorf-Langreder und dem BSV Kickers Emden am Sonntag um 15 Uhr. 2:2 lautet der Stand der amtlichen Coronaausfälle am Freitagmittag. Kickers-Trainer Stefan Emmerling und sein Egestorfer Kollege Paul Nieber entschlossen sich aber bei einem Telefonat, die Partie nicht zu verlegen.

„Wir freuen uns, dass es endlich losgeht“, sagt Emmerling. „Aber ich weiß nicht, was bis Sonntag noch alles passiert. Corona spielt in der Aufstiegsrunde auf jeden Fall eine große Rolle.“

FC-Coach traut Kickers viel zu

Beide Trainer schätzen die sportliche Klasse des jeweiligen Widersachers hoch ein. Kein Wunder also, dass die Übungsleiter in den vergangenen Wochen mehrfach als Spione agierten. FC-Coach Paul Nieber beobachtete die Emder beim 2:5 gegen Germania Leer und bei der 0:2-Niederlage in Delmenhorst. Von den Kickers-Niederlagen ließ sich Übungsleiter Nieber nicht blenden. „Die Emder Mannschaft überzeugt durch ihre Geschlossenheit“, sagt er. „Und die Spieler haben augenscheinlich einen guten Draht zum Trainer.“ Das Gesamturteil: „Lohne und Emden könnten unsere größten Konkurrenten werden.“

Der Lehrer an der Seitenlinie: Egestorfs Coach Paul Nieber ist erst 34 Jahre alt.
Der Lehrer an der Seitenlinie: Egestorfs Coach Paul Nieber ist erst 34 Jahre alt.

Umgekehrt reiste Kickers-Trainer Stefan Emmerling zum Egestorfer Gastspiel bei Atlas Delmenhorst (1:1) und war vor einer Woche auch Augenzeuge der Egestorfer 0:2-Pleite gegen BW Tündern. „Noch ist niemand so richtig im Rhythmus. Trotzdem ist Egestorf für mich der Topfavorit auf den Aufstieg.“

Egestorf verpasste Aufstieg knapp

An der Spielstärke des Tabellenführers hegte der Emder Coach nie Zweifel. Nach dem Abstieg aus der Regionalliga verpasste der Klub aus Barsinghausen bei der ersten Corona-Saison die direkte Rückkehr nur, weil Delmenhorst zum Zeitpunkt des Abbruchs einen minimal besseren Punkte-Quotienten aufwies. In der folgenden Saison thronte der 1. FC Germania Egestorf-Langreder auf Platz eins, als die Saison vorzeitig für beendet und ungültig erklärt wurde. Und in der aktuellen Serie sicherte sich Niebers Team ganz souverän Platz eins in der Oberligastaffel Hannover/Braunschweig.

Die Philosophie des Vereins passt zu den Fähigkeiten des Trainers: wenig einkaufen, viel ausbilden. Als Gymnasiallehrer für Sport und Deutsch weiß Nieber mit jungen Leuten umzugehen. Als Trainer benötigt er sein pädagogisches Gespür dafür, talentierte A-Junioren ins Team zu integrieren. Denn er rekrutiert Neuzugänge vor allem aus dem A-Jugend-Regionalligateam des JFV Calenberger Land. „Wir verpflichten nur selten externe Spieler“, sagt Nieber.

Egestorfer Nähe zum NFV

Der Coach gehört mit 34 Jahren zu den Jünglingen der Szene. Er entschied sich früh, den Spielerpass gegen die Trainerlizenz zu tauschen. Bereits beim Regionalliga-Aufstieg des Vereins vor sechs Jahren war er als Scout des FC im Einsatz. Danach übernahm er die Sportliche Leitung und nach dem Abschied von Trainer Jan Zimmermann im Oktober 2018 das Amt des Cheftrainers.

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Seinem Verein wurde früher eine große Nähe zum Niedersächsischen Fußballverband (NFV) nachgesagt. Tatsächlich ist die NFV-Zentrale in Barsinghausen geografisch nur fünf Kilometer vom FC-Stadion „An der Ammerke“ entfernt. Ex-NFV-Chef Karl Rothmund gilt auch als einer der Väter des Fusionsvereins von 2001. Und NFV-Pressesprecher Manfred Finger war auch schon beim FC im Amt. Die deshalb erhobenen Vorwürfe kann Trainer Paul Nieber nicht nachvollziehen. „Das war damals Quatsch und ist es heute immer noch.“

So beruhen Rothmunds Verbindungen zum Klub auf dessen fußballerische Wurzeln. Der ehemalige NFV-Präsident kickte in jungen Jahren für den TSV Langreder und warb dann um die Jahrtausendwende für die Bündelung der Kräfte in Barsinghausen. Ob der altgediente Funktionär sich am Sonntag beim Spitzenspiel der Aufstiegsrunde blicken lässt, ist laut Nieber eher ungewiss. „Ich habe ihn schon längere Zeit nicht mehr im Stadion wahrgenommen.“