Fußball
Ex-Kickers-Stürmer ist Sportchef beim Europapokal-Teilnehmer
Radovan Vujanovic machte sich von 2006 bis 2008 bei Kickers Emden einen Namen. Er kam in seiner Karriere viel herum und startete eine neue: Nun ist der Serbe Sportdirektor in Österreichs 1. Liga.
Linz/Emden - Zwei Jahre nur stürmte Radovan Vujanovic für den BSV Kickers Emden. Doch die reichten, um gegenseitig einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Nach seinem Abschied im Sommer 2008 Richtung Magdeburg kam der Serbe noch viel herum, stürmte bis 2019 sieben Jahre in Österreich. Dort machte das Fußball-„Schlitzohr“ einen bemerkenswerten Karriereschritt. Der Ex-Kickers-Stürmer ist nun Sportdirektor beim Erstligisten in Linz, steht mit dem Team im Europapokal-Achtelfinale und hat wie als Spieler ehrgeizige Ziele. „Ich möchte, dass wir in Österreich hinter RB Salzburg die Nummer zwei werden, die Champions League erreichen oder mal einen Titel gewinnen. Das ist meine Vision.“
40 Jahre alt wurde „Rado“ vor wenigen Tagen. Linz ist für ihn mehr als nur eine weitere Station in der langen Karriere. Zwischen 2012 und 2015 stürmte er für den in die Drittklassigkeit gestürzten Linzer ASK, schoss zwischen 2012 und 2015 69 Treffer in 92 Spielen und den Verein in die 2. Liga. Wie in Emden liebten die Fans ihn auch in Linz. „Ich habe bei all meinen Stationen die Tür immer offen gehalten.“ Als sich jene in Linz für den Posten des Sportdirektors öffnete, ging er im September 2021 hindurch. „Linz ist für mich auch schon fast Heimat, hier sind auch meine beiden Töchter geboren.“ Der 13-jährige Sohn kam damals in Magdeburg zur Welt.
Vujanovic spielte trotz Bänderriss
Radovan Vujanovic selbst ist 1982 im ehemaligen Jugoslawien geboren worden. In seiner serbischen Heimatstadt Arandelovac spielte er schon mit 17 Jahren in der 1. Mannschaft – und fiel dort einem Scout von Rapid Wien auf. So landete er 2001 erstmals in Österreich, bei der Profireserve. Als „Regionalliga-Spieler des Jahres 2004“ und in Diensten von Austria Wien II führte sein Weg dann 2005 als 22-Jähriger nach Deutschland. Doch der große Durchbruch gelang ihm in der drittklassigen deutschen Regionalliga weder in Paderborn noch in Wehen-Wiesbaden. „Dann holte mich Marc Fascher 2006 nach Emden. Es war alles kleiner, ländlicher und sehr familiär. Emden erwies sich für mich als Glücksgriff. Ich konnte mich zeigen und wir hatten eine wirklich coole Truppe. Ich bin heute noch mit Marc befreundet.“
Die Kickers-Bande um Bernd Rauw, Kapitän Rudi Zedi und Radovan Vujanovic klopfte sogar ans Tor zur 2. Bundesliga. Nach einem Bänderriss im Ahlen-Spiel Ende April 2007 war ein Einsatz im Topspiel gegen den späteren Aufsteiger Osnabrück sieben Tage später ausgeschlossen. Doch Vujanovic humpelte tags darauf zu Kickers-Physiotherapeut Frank Bajen und ließ sich bis zum Spiel permanent behandeln. Ein dickes Tape, eine Spritze am Spieltag – und die „Maschine“ haute sich wieder 90 Minuten für Kickers rein. „Ich wollte immer spielen – und immer gewinnen. Leider habe ich in dem Spiel das 2:0 verpasst und den Pfosten getroffen.“ Kurz vor Schluss erzielte Osnabrück das 1:1.
77 Tore in 83 Spielen für Linz
Mit Magdeburg, Hansa Rostock und Preußen Münster folgten nach den zwei Kickers-Jahren noch drei Traditionsvereine, ehe er 2012 begann, sich in Linz drei Jahre einen Namen zu machen. Beim aufstrebenden ASKÖ Oedt (4. Liga) im Linzer Umland ließ der Serbe dann noch seine Spielerlaufbahn ausklingen und schoss auch dort sagenhafte 77 Treffer in 83 Spielen. Dort wurde er dann 2019 Sportdirektor und stieg die Karriereleiter zwei Jahre weiter auf. In die 1. Liga.
„Der LASK ist ein Traditionsverein in Österreich, der in den vergangenen Jahren nach dem Wiederaufstieg auch mehrmals den Europapokal erreichte. Hier passiert gerade viel. Wir bauen auch ein Stadion für 20.000 Zuschauer“, erzählt der dreifache Familienvater.
Im Europapokal nun nach Prag
So musste der Klub aus Oberösterreich, bei dem Oliver Glasner (heute Eintracht Frankfurt) bis 2019 vier Jahre als Trainer tätig war, seine Heimspiele in der neuen Conference League im fernen Klagenfurt austragen, weil die Linzer Ausweichstätte zu klein war. „Und dennoch haben wir die Vorrundengruppe als Erster mit 16 von 18 Punkten abgeschlossen. Das war ein toller Erfolg.“ Im Achtelfinale geht es nun am Donnerstag zu Slavia Prag. Mit Sportdirektor Radovan Vujanovic – im Anzug auf der Bank.
Der neue Job macht ihm viel Spaß, auch wenn man in der Bundesliga als derzeit Achter hinter den Erwartungen liegt. „Es ist natürlich etwas völlig anderes als als Spieler vorher. Man muss viel im Hintergrund arbeiten, unzählige Gespräche führen. Auch in den Transferphasen geht es hoch her. An einem Tag hatte ich einmal 107 Anrufe.“
Da wird das Auto mit Hilfe der Freisprechanlage zum Büro. Auf diese Weise erreichte auch unsere Zeitung den früheren Kickers-Stürmer, der nach einer 20-jährigen Spielerlaufbahn direkt die Karriere als Manager startete und schon im Europapokal gelandet ist. „Ich habe Glück gehabt in meinem Leben. Erst durfte ich Profispieler sein, nun Sportdirektor: Das macht mich glücklich.“