Fußball
Regionalliga-Lizenz: Ein Emder Konkurrent will verzichten
Kickers Emden will eine Regionalliga-Lizenz beantragen. Eine Umfrage bei den anderen neun Teams der Meisterrunde ergab ein spannendes Bild. Ein Verein wird vermutlich verzichten, fünf Klubs warten ab.
Emden - In etwas mehr als zwei Wochen beginnt am 12./13. März die Meisterrunde der Fußball-Oberliga Niedersachsen. Mitte Mai steht dann fest, wer sich sportlich den direkten Regionalliga-Aufstieg gesichert hat und wer als Vizemeister in einer Aufstiegsrunde mit den Meistern aus Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein noch eine zweite Aufstiegschance erhält. Voraussetzung ist aber immer, dass die Klubs auch eine Regionalliga-Lizenz beantragt und erhalten haben. Der Antrag ist bis zum 31. März beim Norddeutschen Fußball-Verband (NFV) zu stellen. Der als Tabellendritter ins Rennen gehende BSV Kickers Emden hatte bereits erklärt, auf alle Fälle einen Lizenzantrag zu stellen. Eine Umfrage unserer Zeitung bei den Vereinen ergab: Drei weitere Klubs stellen definitiv einen Antrag, fünf warten noch die ersten Spiele ab und ein Klub wird sehr wahrscheinlich verzichten.
1. FC Germania Egestorf/Langreder (1. Platz/ 17 Punkte): Der Klub aus Barsinghausen wird definitiv eine Lizenz beantragen. Er hat die meisten Punkte auf dem Konto – und vielleicht auch die größte Wut im Bauch. „Unser Ansporn ist durch die vergangenen beiden Jahre noch größer geworden“, sagt Trainer Paul Nieber. Nach dem Regionalliga-Abstieg 2019 und einem dann folgenden bescheidenen Oberliga-Start mit nur vier Punkten aus den ersten sechs Partien rollte der Verein aus der Region Hannover das Feld fulminant von hinten auf und war 16 Spiele (13 Siege) ungeschlagen, ehe die Corona-Pandemie 2020 den Klub ausbremste. Ein minimal schlechterer Quotient verhinderte den Aufstieg 2020. Ein Jahr später lag der Verein wieder auf Kurs als die Saison komplett annulliert wurde. „Das ist jetzt unser dritter Anlauf.“
Lohne hat „maximale Ambitionen“
Blau-Weiß Lohne (2. Platz/ 14 Punkte): Als Henning Rießelmann die Lohner Fußballer in der Landesliga übernommen hatte, war das mittelfristige Ziel bereits die Regionalliga. Als Staffelsieger (Weser-Ems/Lüneburg) und mit 14 Punkten im Gepäck haben sich die Lohner eine gute Ausgangslage vor den letzten zehn Spielen verschafft. „Wir beantragen natürlich die Lizenz. Wir haben maximale Ambitionen“, sagt Rießelmann, Trainer und Sportlicher Leiter in Personalunion.
Kickers Emden (3./ 13 Punkte): Kickers ist schon dabei, die Unterlagen auszufüllen und wird den Antrag beim Verband in Bremen einreichen. Letztmals oberhalb der 5. Liga spielte Kickers in der Saison 2008/2009 (3. Liga).
Gastarbeiter-Klub wird 60
Lupo Martini Wolfsburg (4./ 11 Punkte): Zum 60. Vereinsgeburtstag könnte der Klub zum dritten Mal nach 2016 und 2018 in die 4. Liga aufsteigen. „Natürlich beantragen wir eine Lizenz“, sagt Giovanni Carboni. Er ist der Vorsitzende des besonderen Vereins, der 1962 von italienischen Volkswagen-Mitarbeitern gegründet worden war. Lupo ist der älteste von Gastarbeitern gegründete Sportverein in Deutschland.
SV Ramlingen/Ehlershausen (5./ 11 Punkte): Zwar so viele Punkte wie Wolfsburg, aber eine andere Grundhaltung haben die Fußballer aus Ramlingen/Ehlershausen. „Grundsätzlich tendieren wir dazu, eine Lizenz zu beantragen, sofern man nicht schon abgeschlagen ist“, sagt Kurt Becker. Der frühere Erfolgstrainer ist inzwischen Klubchef und Sportlicher Leiter beim Verein aus Burgdorf. „Die endgültige Entscheidung fällen wir nach den ersten drei Spielen im März. Da geht es für uns gegen Spelle, Kickers und Heeslingen.“
Spelle und Heeslingen warten ab
Heeslinger SC (6./ 11 Punkte): Sollte Heeslingen den Start nicht völlig versemmeln, wird der ambitionierte Verein aus dem Landkreis Rotenburg Ende März seine Lizenzunterlagen einreichen. Das erklärte HSC-Funktionär Carsten Schult auf Nachfrage.
SC Spelle-Venhaus (7./ 9 Punkte): Die Speller haben schon einen gewissen Rückstand, werden aber ebenfalls die drei Partien im März abwarten. Wenn das Tabellenbild dort noch realistische Chancen aufweist, wird die Lizenz beantragt – andernfalls nicht.
Braunschweig will vermutlich nicht
VfL Oldenburg (8./ 8 Punkte). Auch an der Hunte wird man den Start abwarten, ob dieser gelingt und noch eine Aufholjagd möglich erscheint. „Wir lassen uns die Entscheidung somit offen. Man muss dann in einigen Wochen abwägen, ob ein Antrag Sinn ergibt“, so Fußball-Abteilungsleiter Michael Plätzer.
FT Braunschweig (9./ 8 Punkte): Aus der Löwenstadt sind von der Freien Turnerschaft eher leise Töne zu hören. Angesichts von acht Mannschaften mit mehr Zählern auf dem Konto erteilt Fußball-Abteilungsleiter Olaf Barnbeck Lizenz-Träumereien eher eine Absage. „Wir werden sehr wahrscheinlich keine beantragen.“
Arminia Hannover (10./ 7 Punkte): Der traditionsreichste Verein der Runde ergatterte das Meisterrunden-Ticket im Fernduell mit Wolfenbüttel am letzten Spieltag. „Insofern sind wir erstmal froh, dass wir unser Minimalziel erreicht haben. Wir wären auch gerne mit zwei, drei Zählern mehr im Rennen. So sind die Chancen für uns natürlich relativ gering“, sagt Vorstandsmitglied Frank Willig. Ein komplettes Nein zur Lizenz ist das aber nicht. Alles hängt vom Start ab. „Doch auch wenn wir keine Lizenz beantragen sollten, werden wir in der Runde im April und Mai Vollgas geben.“