Handball
Dieser Nationalspieler ist der beste Freund vom OHV-Kapitän
Die Handball-EM verfolgt Aurichs Jonas Schweigart ganz genau. Sein bester Freund Lukas Mertens ist erstmals dabei. Auch familiär verbindet die beiden Wilhelmshavener seit einigen Jahren etwas.
Aurich/Wilhelmshaven - Wenn der OHV Aurich am Sonnabend um 19.30 Uhr beim Drittliga-Schlusslicht TV Bissendorf-Holte spielt, interessiert das auch den deutschen Nationalspieler Lukas Mertens im fernen Bratislava. „Wir schreiben oder telefonieren nach unseren gegenseitigen Spielen fast immer“, sagt OHV-Kapitän Jonas Schweigart. Die beiden Wilhelmshavener sind „Handball-Zwillinge“, durchliefen seit den Minis gemeinsam alle Jugendmannschaften und Verbands-Auswahlmaßnahmen. „Irgendwann entwickelte sich daraus auch eine Freundschaft. Wir sind beste Freunde geworden“, sagt Schweigart.
Während Spielmacher Schweigart ein formidabler Drittliga-Spieler geworden ist, führte der Weg von Linksaußen Mertens 2017 von Wilhelmshaven aus der 2. Liga in die 1. Bundesliga zum SC Magdeburg. Die starken Leistungen beim Bundesliga-Tabellenführer machten aus dem 25-Jährigen nun im Dezember einen Nationalspieler.
Mertens seit Montag in Qurantäne
Im zweiten Europameisterschafts-Spiel am Sonntag gegen Österreich durfte der Jadestädter auch ran und zahlte das Vertrauen beim 34:29-Sieg mit sechs Treffern zurück. „Wir hatten an dem Tag parallel unser Heimspiel gegen Minden II. Ich habe dann aber nach der Partie erfahren, wie toll es für ihn lief und mir das Spiel nochmal angeschaut“, erzählt Schweigart. Weitere Auftritte seines besten Kumpels kamen nicht dazu. Denn Lukas Mertens ist einer der zwölf deutschen Spieler, die sich mit Corona infizierten. „Das ist natürlich total blöd für ihn gelaufen. Man kann sich Besseres vorstellen, als bei seiner ersten EM dabei zu sein und nun auf seinem Hotelzimmer in Quarantäne zu sitzen. Aber das Wichtigste ist, dass es ihm gut geht.“
Schweigart hat fast täglich Kontakt mit Mertens, analysierte mit ihm nach dem Österreich-Spiel die Leistung und rätselte nun während eines Video-Telefonats über das Corona-Pech der Deutschen. „Sie fragen sich alle, wie sich das Virus da so verbreiten konnte, obwohl sie sich an strenge Hygienemaßnahmen halten.“ Mit zwei negativen PCR-Tests kann sich Mertens am Wochenende freitesten. Ob er dann nochmal in den EM-Kader zurückkehren würde, steht wie bei den anderen Spielern auf einem anderen Blatt.
Gemeinsame die Jugend durchlaufen
Schon die beiden Väter Olaf Mertens und Dirk Schweigart spielten einst zusammen und gegeneinander Handball. „Lukas und ich sind so in der Halle groß geworden.“ Der Mertens-Papa und Michael Muche trainierten dann auch viele Jahre das so erfolgreiche Team der JSG Wihelmshaven, das zahlreiche Jugend-Titel – auch landesweit – gewann. Mit der Niedersachsen-Auswahl gewannen die Freunde Jonas und Lukas zum Ende ihrer Jugendzeit 2013 fast den deutschen Länderpokal, unterlagen im Endspiel Württemberg 31:32.
Im Herrenbereich trennten sich dann erstmals die Wege, als Jonas Schweigart zu Drittligist Varel wechselte, während Mertens direkt im Kader des Wilhelmshavener HV landete. Mit einem Zweitspielrecht – inzwischen für den OHV Aurich am Ball – kreuzten sich 2016/2017 nochmal die Wege der Freunde in der 2. Bundesliga. „Wir waren bei Hotelübernachtungen natürlich auch Zimmernachbarn.“
Studium zusammen begonnen
Auch nach dem Mertens-Wechsel nach Magdeburg blieben sie „dicke“ Freunde. Schweigart gehört seit fast fünf Jahren nun auch noch zur Familie Mertens. Pia, die jüngere Schwester von Lukas, ist die Freundin von Jonas Schweigart, der im Rahmen des Studiums in Oldenburg (Sportwissenschaften, Politik, Wirtschaft) bald seine Masterarbeit schreibt. „Wir haben damals noch zusammen in Oldenburg studiert“, sagt der OHV-Kapitän. Sein Freund setzte das Studium in Magdeburg fort – sofern es die Zeit als Profi zulässt.
Wenn Lukas Mertens morgen im slowakischen Bratislava den nächsten Quarantäne-Tag in seinem Hotelzimmer verbringt, sitzt Jonas Schweigart ab 14.30 Uhr im Bus Richtung Landkreis Osnabrück. Dort wartet mit dem Auricher Drittliga-Spiel beim Tabellenletzten TV Bissendorf-Holte eine vermeintliche Pflichtaufgabe auf den Tabellendritten. Eine gefährliche, wie Jonas Schweigart betont. „Das ist ein unangenehmer Gegner, der eingespielt ist und gegen uns nichts zu verlieren hat. Deshalb sollten wir das Spiel sehr seriös angehen.“
Schweigart ist angeschlagen
Er selbst ist aufgrund von Rückenproblemen angeschlagen, hofft aber spielen zu können. Keine Hoffnung besteht dagegen bei einem zweiten Leistungsträger. Kevin Wendlandt verletzte sich im Spiel am Sonntag. Das Ergebnis der MRT-Untersuchung steht noch aus. Die Position des zweiten Torwarts ist noch nicht besetzt. „Es gibt zwei interne Vereinsoptionen“, so Teammanager Ewald Meyer. Edgars Kuksa weilt bekanntlich bei der lettischen Nationalmannschaft bei Qualifikationsspielen.
Auf größerer Bühne findet momentan die EM in der Slowakei und Ungarn statt. Dabei tritt das deutsche Team nach dem heutigen Norwegen-Spiel (20.30 Uhr) in der Hauptrunde Sonntag noch gegen Schweden (18 Uhr) und Dienstag gegen Russland (18 Uhr) an. Mit etwas Glück ab Sonntag auch wieder mit der Nummer 36, Lukas Mertens – dem „Handball-Zwilling“ von Jonas Schweigart.