Serie „Was macht eigentlich?“
So geht es dem Ossiloop-König Stephan Immega heute
Im ersten Teil der Sportserie „Was macht eigentlich?“ geht es um Stephan Immega. Der Ossiloop-Rekordsieger ist inzwischen Schulleiter und noch immer sportlich. Er überrascht mit einer Ankündigung.
Sillenstede - Mit seinem großen Lauf-Talent hat Rekord-Ossiloop-Sieger Stephan Immega zwar kein Geld verdienen können. Aber etwas Ruhm ist gebliebem, wie der 37-Jährige vor einigen Monaten beim Autokauf in einem Cloppenburger Autohaus erlebte. Die Mitarbeiter gaben den Namen des unbekannten Käufers aus dem Landkreis Friesland in eine Internet-Suchmaschine ein – und staunten angesichts der vielen Artikel, Erfolge und Rekorde des Kunden. „Sie sind ja eine kleine Berühmtheit.“
Entspannt, zufrieden und auch stolz blickt der aus Werdum (Samtgemeinde Esens) stammende Läufer auf seine sportliche Karriere zurück, in der er mehr als zehn Jahre lang zu den besten Athleten Ostfrieslands gehörte und zwischen 2005 und 2012 alleine siebenmal den Ossiloop gewann. Er ist bis heute der Rekordchampion, der Lewis Hamilton und Michael Schumacher auf zwei Sohlen. „Das waren tolle Zeiten, zumal der Ossiloop in diesen Jahren einen richtigen Boom erlebt hatte.“
Immega ist Grundschulleiter
Um den Ostfriesen ist es sportlich schon seit einigen Jahren ruhig geworden. Die Erfolge machten irgendwann „satt“. „Was kommt da noch? Das hat man sich schon gefragt“, erzählt der 37-Jährige, dem neben einer Verletzung auch das Pfeiffersche Drüsenfieber zu schaffen machte. Dennoch kam er nochmal zurück, feierte 2017 beim Ossiloop ein Mini-Comeback.
Doch als Schulleiter fehlte ihm neben der letzten Lust auch die Zeit, weiter die Woche nach Lauf- und Ernährungsplänen zu gestalten. Dass er im Gegenzug nun nach der Lauf-Karriere seine Gewohnheiten komplett umgestellt hat, ist nicht der Fall. „Ich bin noch immer jemand, der die Bewegung braucht, gehe zwei- bis dreimal die Woche fünf bis zehn Kilometer locker joggen. Ich wandere auch gerne oder fahre Rad. Ich kann bei alldem super abschalten.“ Mit seiner Frau Gabriele lebt er in Sillenstede im Landkreis Friesland, führt eine Grundschule im nahen Schortens.
Seine Marathon-Bestzeit ist 2:24 Stunden
Als er selbst noch ein Schüler war, begann von heute auf morgen seine Lauf-Leidenschaft. Das Niedersächsische Internatsgymnasium in Esens bot einen Ossiloop-Kursus an. Der ehemalige Fußballer und Schwimmer entdeckte beim Ossiloop 2003 sein ungeheures Talent, das fortan auch große Teile seines Lebens bestimmen sollte. „Ich war sehr ehrgeizig und hatte mit Uwe Rolf als Trainer und der LG Harlingerland schnell Förderer gefunden. Wenn es die Zeit nicht anders zuließ, habe ich auch schon mal um 5.30 Uhr Intervallläufe gemacht.“ 2004 lief er schon als Dritter durch das Ziel in Bensersiel. Und im Jahr darauf folgte als 21-Jähriger der erste Gesamtsieg beim Sechs-Etappen-Lauf durch Ostfriesland. Die Immega-Ära begann.
Das Lehramt-Studium in Bremen und eine verständnisvolle Partnerin gaben ihm den Freiraum, das Hobby wie ein Leistungssportler auszuüben. Er wagte sich bis zur Marathon-Distanz heran und schaffte bei seiner Premiere 2008 in Frankfurt am Main direkt Außergewöhnliches: 2:24 Stunden für 42,195 Kilometer bedeuteten direkt einen ostfriesischen Rekord, der noch im Jahr 2022 Bestand hat und noch lange Zeit gelten dürfte. Immega war in diesen Jahren so ehrgeizig, dass manch Marathon-Versuch danach auch mal abgebrochen wurde. „Wenn man auf Kilometer 36 festgestellt hatte, dass es nicht für eine neue Bestmarke reicht, bin ich ausgestiegen.“
Immega kündigt Ossiloop-Rückkehr an
Bei seinen Marathon-Reisen nach Japan (2013, 2015) und Tansania (2017) war das natürlich nicht der Fall. Dort ging es ums Genießen. In diesen Jahren war ihm auch schon der Gedanke gereift, eine Wettkampf-Pause einzulegen. Nach dem Mini-Comeback 2017 – als er auf Platz zwei liegend nach vier Etappen verletzt ausstieg – wurde es dann ganz ruhig um „Mister Ossiloop“.
Im friesischen Sillenstede ist der 37-Jährige heimisch geworden, aber nicht laufmüde. Körperlich hat er kein Gramm zu viel auf den Rippen. „Ich bin eben immer so ein Bleistift geblieben“, sagt er und lacht. Und unter den Lauffüßen fängt es auch wieder ein wenig an zu kitzeln. „Vielleicht gibt es von mir nochmal ein richtiges Comeback beim Ossiloop. Ich hätte Lust dazu.“